Händler regen Buslinie direkt in die Altstadt an

Freibergs Gewerbeverein greift eine Idee auf, die vor Jahren schon einmal verworfen wurde. Nicht nur das zuständige Unternehmen Regiobus zeigt sich reserviert. Doch vom Tisch ist die Sache keineswegs.

Freiberg.

In ihrem Reisebüro "Sonnenschein Reisen" an der Herderstraße in Freiberg setzt Inhaberin Ulrike Jurk besonders auf Gruppentouristik. Sehr oft kommen ältere Kunden vorbei. Wenn sie den Laden betreten, müssen sie sich oft erst einmal auf einen Stuhl setzen und durchatmen. Der Fußweg vom Busbahnhof am Wernerplatz über das Pflaster bis fast zum Untermarkt ist sehr beschwerlich für sie. "Wir wollen deswegen das Thema einer Innenstadtlinie zur Sprache bringen", sagte Ulrike Jurk nun bei einer Zusammenkunft der Händler, zu der neben OB Sven Krüger (SPD) auch Andreas Lindner, Betriebsleiter des Betriebshofs Freiberg/Eppendorf des Unternehmens Regio-Bus Mittelsachsen, geladen war.

Die Händler denken an einen sogenannten Midi-Bus - wie es ihn schon in Wittenberg oder Meißen gibt - der vom Busbahnhof aus Ober- und Untermarkt sowie vielleicht das Theater ansteuern könnte. Anhand einer Studie, die für eine vergleichbare Stadt in Nordrhein-Westfalen angefertigt wurde, zählte Jurk die Vorteile auf. So würde sich die Mobilität älterer Menschen verbessern, für Pkw-Nutzer die Parkplatzsuche wegfallen. "Einpendler würden die Linie ebenfalls nutzen und es ständen so mehr Parkplätze für Touristen zur Verfügung", sagte Ulrike Jurk. "Ebenso würde die Lärm- und Feinstaubbelastung zurückgehen." Ganz zu schweigen davon, dass die Menschen Geschäfte wie kommunale Einrichtungen besser erreichen würden.

Freiberg, entgegnete Regio-Bus-Mann Andreas Lindner, besitze für seine Größe bereits eine sehr gut gestaltete Verkehrsstruktur. Bis 1999 habe es schon einen Versuch einer Innenstadtlinie gegeben, doch sei dieser zu groß aufgezogen worden, und die damalige Technik habe mit dem Straßenpflaster Schwierigkeiten gehabt. "Planungen für eine Neuauflage einer solchen Linie gibt es derzeit nicht", machte Lindner klar. "Wenn es einmal gemacht werden würde, dann sicher mit der Einführung der Elektromobilität." Fakt sei, ergänzte Sven Krüger, dass Busse auf keinen Fall die Fußgängerzone befahren dürfen. Probleme zeigten sich noch an anderen Punkten, so der OB. So bei der Anzahl der einzusetzenden Fahrzeuge. Und beim notwendigen Personal. Fahrer seien schon jetzt schwer zu bekommen.

Man wolle keine durchgängigen Linien, die den ganzen Tag in kurzer Taktung fahren, betonte Gewerbevereinschefin Anke Krause. Vielmehr hoffe man auf eine Ergänzung, die möglicherweise zweimal am Vormittag und zweimal am Nachmittag zum Einsatz käme.

"Der ganze ÖPNV ist im Normalfall nicht kostendeckend", sagte Andreas Lindner. "Dennoch muss sich jede Linie auch irgendwo rechnen." Man müsse sich über eine Linienführung unterhalten. Die Gesprächspartner vereinbarten, dass der Gewerbeverein seine Vorstellungen darlegen soll, damit eine Grundlage für den weiteren Gedankenaustausch existiere.

Krüger appellierte, dass im Falle, dass der Bus auch Samstag fahren soll, die Innenstadthändler ihre Geschäfte bis wenigstens 16 Uhr geöffnet halten müssen. Er bedauere, dass schon Samstagmittag trotz zahlreicher Besucher weitestgehend dunkle Schaufenster zu sehen seien.

Sie sei gespannt darauf, wie die Diskussion weitergehen wird, sagte Anke Krause. Lindner wiederum bremste die Erwartungen: "Wenn überhaupt, dann reden wir hier von etwas sehr langfristig angelegtem", sagte er. "Inwieweit eine Umsetzung realistisch ist, dazu kann ich jetzt natürlich noch nichts sagen."


"Für uns Ältere wäre das eine Erleichterung"

Die Meinungen von Passanten, die die "Freie Presse" gestern zur Idee einer Buslinie durch die Altstadt befragte, waren geteilt. Häufig war zu hören, dass alles nah beieinander liege und eine solche Linie nicht unbedingt notwendig sei. Es gab aber auch Fürsprecher. So Irene Buschbeck aus Freiberg. "Ich würde das sehr begrüßen. Für uns Ältere wäre das eine Erleichterung, zum Einkaufen, oder wenn man mal irgendwo hin muss. Wir können ja nicht mehr Auto fahren."

Max Heinrich (links) und Michael Rohde dagegen hatten ihre Zweifel: "Wir fahren oft mit dem Bus, aber die kurze Strecke?", so die beiden. Der Umwelt zuliebe wäre die Idee gut, finden sie. "Aber ob die Leute das auch nutzen?" Vor allem junge Leute würden eher Auto fahren, laufen - oder das Fahrrad nehmen.

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