Halsbacher helfen sich selbst

Kein Spielplatz, keine Kita, keine Feuerwehr - in dem Freiberger Ortsteil ist es für Familien schwer, zusammenzukommen. Das soll sich ändern.

Freiberg/Halsbach.

Auf den Tischen stehen Flaschen mit Obstsäften, und in zwei großen Töpfen knallt und ploppt es, wobei ein Duft von Popcorn in der Luft liegt. Und sonst? Jede Menge Gewusel und viele fröhliche Kinder. Im großen Saal des Gasthofs Halsbach findet an diesem Tag keine Vereinssitzung oder Familienfeier statt. Er gehört vielmehr ganz und gar den kleinen Bewohnern des Freiberger Stadtteils. Am Mittwochnachmittag haben sie sich hier versammelt, spielen mit Autos, Bausteinen oder Puppen und geben ihrem Affen Zucker. Was das wichtigste ist: Sie tun es gemeinsam.

Zum ersten Mal findet ein sogenannter Spielenachmittag statt, eine Idee, die der Ortschaftsrat entwickelt hat. Odette Lamkhizni ist dessen Vorsteherin und zugleich, gemeinsam mit ihrem Mann, Betreiberin des Gasthofes. Dass der Nachmittag nun eingerichtet wurde und nach Möglichkeit regelmäßig monatlich stattfinden soll, hat gute Gründe. "Es gibt in Halsbach keinen öffentlichen Spielplatz", so Odette Lamkhizni. "Wir sind schon mit diesem Wunsch an die Stadt herangetreten, aber leider sah man keine Möglichkeit." Zum einen besitze Freiberg in Halsbach keine Grundstücke, zum anderen sei der Boden hier ganz besonders durch den historischen Bergbau belastet. Die Kosten einer Entsorgung seien unverhältnismäßig hoch.

Spielplätze sind aber nicht nur Orte, an denen Kinder unbeschwert tollen und toben können, sie sind auch Stätten, an denen sich Groß und Klein treffen, soziale Kontakte gepflegt werden. Das sieht Odette Lamkhizni als einen Missstand in Halsbach an. "Wir haben hier keine Kindertagesstätte und auch keine Feuerwehr, die das ausgleichen könnte", sagt sie. "Deshalb wollten wir für Kinder und Eltern ein Angebot schaffen."

Verbreitet wurde diese Einladung über den "Halsbacher Beobachter", einem monatlich erscheinenden Kurier. Der Erfolg kann sich sehen lassen und zeigt, dass der Bedarf durchaus vorhanden ist. Zahlreiche Kinder spielen gemeinsam, ihre Eltern kommen am Rande miteinander ins Gespräch.

Galina Kloos ist mit ihren beiden Töchtern gekommen. "Ich finde diese Idee einfach großartig", sagt sie. "So finden die Kinder beim Spielen zusammen." Hauptattraktion dieses ersten Spielenachmittags ist aber eine Kinovorführung des Films "Hans im Glück". Weitere Ideen werden in den kommenden Monaten umgesetzt. So gibt es im Februar einen Kinderfasching, und in der warmen Jahreszeit plant man Wanderexkursionen, bei denen der Nachwuchs die Schönheiten von Halsbach und seiner Umgebung kennenlernen soll. Zahlreiche Einwohner des Ortes haben bereits ihre Bereitschaft signalisiert, an diesen Programmen mitzuwirken.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.