Hetzdorfer Chor verjüngt nicht nur seinen Klang

Das Ensemble konnte seit 2013 insgesamt 13 neue Sänger gewinnen. Das Repertoire reicht vom Volkslied bis hin zu Pop.

Hetzdorf.

Ihre Lieder füllen den lichtdurchfluteten Emporen-Trakt der Hetzdorfer Klinik. Es ist einer der Abende, an denen Mitglieder des Gemischten Chores Hetzdorf den Kurgästen mit einem kleinen Programm Freude bereiten.

"Fast jeden Monat sind wir hier", sagt Vereinsvorsitzende Grit Meißner. Zuvor stimmten sich die Sänger mit ein bisschen Gymnastik sowie Atem-, Stimm- und Gesangsübungen auf den Auftritt ein. Volkslieder erklingen, aber auch Schlager und Popmusik. Das gefällt den Zuhörern, und das motiviert auch die Chormitglieder. Meistens verfolgt auch ihr ältestes Vereinsmitglied, das ist mit 87 Jahren Christine Nötzig, die Darbietungen. "Sie singt selbst nicht mehr mit, ist aber unsere schärfste Kritikerin", berichtet Sängerin Simone Will, "und sagt uns, wenn wir am Anfang mal was vernuschelt oder ein Stück besonders gut gesungen haben."

Seit 1921 gibt es den Chor. 41 Sangesfreudige gründeten ihn damals unter dem Namen "Waldesrauschen". Heute gehören dem Ensemble 38 Mitglieder an, davon sind 33 Frauen und Männer aktiv. Das singende Küken ist mit 27 Jahren Juliane Krause, der singende Senior mit 80 Jahren Erich Trabs. "Der Altersdurchschnitt ist bei uns eine interessante Geschichte", meint der junge Chorleiter Hendrik Dienel verschmitzt lächelnd. "Als ich vor vier Jahren im Chor als künstlerischer Leiter begann, fehlte uns der Nachwuchs. Irgendwann wäre der Chor vermutlich ausgestorben. Also haben wir angefangen, das Repertoire grundlegend zu ändern und junge Leute auf uns aufmerksam zu machen." Das gelang. 13 Neue reihten sich seit 2013 ein, vorwiegend Jüngere. So singen im Gemischten Chor neben dem Rentner die Kindergärtnerin, der Hausmeister, der Lehrer oder der Taxifahrer. Der Altersdurchschnitt sank immerhin von 60 auf 58 Jahre, und die Verjüngung soll weiter gehen. "Auch unser Klang hat sich verjüngt, das ist einer der schönsten Nebeneffekte", so der 32-jährige Dienel, der Kirchenmusik studierte und in einigen Dorfkirchen der Region auch die Orgeln spielt. Die Chormitglieder kommen nicht nur aus Hetzdorf, sondern auch aus Mohorn, Naundorf, Halsbrücke, Freiberg, Niederbobritzsch.

Mehrere Konzerte gestaltet das Ensemble im Jahr. Im Frühling singt es in den Kirchen von Krummenhennersdorf und Niederschöna, in letzterer auch im Advent. Die Weihnachtsmarkteröffnung in der Hetzdorfer Mehrzweckhalle gestaltet es ebenso mit. "Wir versuchen auch über den Tellerrand zu schauen", berichtet Dienel. Das Chortreffen in Nossen nennt er als Beispiel dafür.

Dreh- und Angelpunkt im Repertoire bleibt nach seinen Worten das deutsche a-cappella-Volkslied. Dazu kommen Schlager, Popsongs, aber auch Adaptionen klassischer Melodien. 26 neue Lieder kamen in zwei Jahren hinzu. Der junge Leiter sorgt auch für neue Arrangements, die er mit dem Chor einstudiert. "Sie sind schon einzigartig, da staunen andere Chöre und auch unsere Zuhörer oft", meint Grit Meißner. "Alle singen gern, was Hendrik für uns bearbeitet hat." Der bekannte Titel "Das Lieben bringt groß Freud" wurde zum Beispiel gleich mal zum Ohrwurm im Boogie-Woogie-Takt. Neu ist auch, dass Solisten singen - Sopran und Alt. Irgendwann möchten die Hetzdorfer Sänger in großen Kirchen mit toller Akustik singen oder für eine CD vor ein Mikrofon treten. Ein Gänsehaut-Erlebnis im Erfurter Dom brachte sie auf diese Ideen.

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