Hilfe für Bedürftige in Krisenzeiten

Die Pandemie trifft die Schwächsten der Gesellschaft hart. Denn Tafeln schließen Ausgabestellen. Und dort, wo noch Lebensmittel verteilt werden, kommen weniger. Derweil wartet die Freiberger Klinik mit einem neuen Angebot auf.

Freiberg/Mittweida.

Brot, Gemüse, Joghurt - das und mehr erhalten seit 14 Jahren Bedürftige immer dienstags bei der Tafel in Hainichen. Seit dieser Woche aber ist die Ausgabestelle in den Räumen der Obdachlosenunterkunft bis auf Weiteres dicht. Der Shutdown aufgrund der Corona-Pandemie wirkt sich auch auf das Leben der Schwächsten der Gesellschaft aus.

Mittlerweile gibt es im Landkreis 51 Frauen und Männer, die nachweislich infiziert sind - sieben Fälle mehr als am Vortag. Diese Zahl nannte das Landratsamt am Mittwochabend. Während vier Personen in der Freiberger Region neu an Corona erkrankt sind, sind es im Raum Mittweida zwei und eine Person in Döbeln. Auch die Anzahl der Menschen, die sich in Quarantäne befinden, steigt - inzwischen auf 189.

Sich zu schützen und die Pandemie einzudämmen, das wiederholen Experten und Politiker seit Tagen mantrahaft, wird immer wichtiger. Die Folge: Auch die Anbieter der Tafeln reagieren bundesweit mit Schließungen. "Wir konnten die Sicherheit nicht mehr garantieren", bemerkt Elke Claus, die die Ausgabestelle in Hainichen leitet. Im Blick hat man die Gesundheit der Tafel-Helfer sowie der Kunden. Acht ehrenamtliche Mitarbeiter helfen in Hainichen mit. "Ihr Durchschnittsalter beträgt knapp 60 Jahre, wir haben auch Über-70-Jährige", verdeutlicht Claus, die mit 62 selbst zur Risikogruppe zählt. Auch stehen nur zwei kleine Räume zur Verfügung.

Betroffen sind in Hainichen rund 35 Bedarfsgemeinschaften - dahinter stehen rund 200 Personen. Zur Ausgabe in der Vorwoche seien sie informiert worden. "Alle Kunden hatten Verständnis", fährt Claus fort.

Der Anlaufpunkt gehört zur Tafel in Mittweida. Träger ist wie für die Döbelner Tafel der Verein Netzwerk aus Mittweida. Bis auf Weiteres geschlossen bleiben zudem die Ausgabestellen in Hartha, Penig, Waldheim und Roßwein. Kunden dieser Regionen können laut Verein aber in Mittweida und Döbeln Lebensmittel erhalten. Und so nutzen am Mittwoch notgedrungen unter anderem auch Peniger das Angebot in Mittweida. Jeweils rund 100 Bedarfsgemeinschaften nutzen normalerweise die Tafeln in Mittweida und Döbeln, an den anderen Orten zusammen sind es rund 130, sagt Marion Sommerfeldt, die die Tafel-Arbeit beim Verein koordiniert.

Bei der Ausgabe dürfen die Bedürftigen aktuell nur einzeln eintreten. Wer draußen wartet, muss Abstand halten. Drinnen tragen die Helfer Handschuhe und Mundschutz. Der Verein ist dankbar, dass weiterhin Lebensmittel gespendet werden. In der Vorwoche gab es trotzdem Engpässe. "Wir haben nicht ein Brot geschickt bekommen, auch Obst und Gemüse gab es fast gar keins mehr", sagt Sommerfeldt. Für diese und nächste Woche sei man aber gut aufgestellt.

Rund 60 Personen gehören zum Tafel-Team des Netzwerk-Vereins, darunter rund 30 Ehrenamtler, zudem Helfer, deren Tätigkeit über den Bundesfreiwilligendienst oder als Arbeitsgelegenheit finanziert wird. Letztere laufen noch bis Ende März. Das habe die Bundesagentur für Arbeit mitgeteilt, sagt die Vizechefin des Vereins, Romy Richter. Da etliche Mitarbeiter über 65 Jahre alt sind, werden diese "erst einmal nicht mehr eingesetzt". Nur durch das freiwillige Engagement der Helfer könne der Tafel-Betrieb fortgesetzt werden. Rund 20 Personen stehen derzeit zur Verfügung.

Im Gegensatz zur den Ausgabestellen des Netzwerk-Vereins hat die Tafel in Freiberg mit ihren Standorten in Freiberg und Flöha normal geöffnet. Träger ist der Caritasverband für Chemnitz und Umgebung. Ältere Ehrenamtliche wurden nach Hause geschickt, von normalerweise an die 35 Helfer sind es noch 25, so Verantwortliche Monika Zeuner.

Auf Abstand wird auch hier geachtet. "Die Kunden sind diszipliniert. Die, die kommen, freuen sich, dass wir offen haben." Doch es sind weniger Nutzer. In der Vorwoche kamen in Flöha 38, normalerweise sind es bis zu 60. Am Dienstag dieser Woche zählte man in Freiberg rund 70 Klienten, sonst sind es hier 100. Möglich sei es auch, einen Vertreter zu schicken, wenn man Hilfe braucht, so Zeuner.

Geschlossen ist weiter die Ausgabestelle des Chemnitzer Tafelvereins in Frankenberg. Bedürftige könnten die Tafel in Mittweida mit nutzen, so Sommerfeldt. (mit acr)

Weitere Hinweise zur Corona-Krise auf den folgenden Seiten und im Internet unter www.freiepresse.de/corona


Neue Anlaufstelle für Corona-Verdachtsfälle

Das Freiberger Kreiskrankenhaus bietet jetzt eine ambulante Anlaufstelle für Corona-Verdachtsfälle an. Dort können sich laut Landratsamt

jene Patienten testen lassen, die eine entsprechende Symptomatik gemäß den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts aufweisen. Das heißt, wenn Betroffene zum Beispiel über Husten und Fieber klagen und Kontakt zu

einem an Corona-Erkrankten hatten. Aus Sicherheitsgründen ist der Zugang zu dieser sogenannten Fieberambulanz gesondert ausgeschildert. Diese hat täglich von 9 bis 16 Uhr geöffnet und ist unter 03731 771923 zu erreichen. Getrennt von der sonstigen Notfallversorgung können über die Fieberambulanz auch Patienten versorgt werden, die stationär aufgenommen werden müssen und die unter einem begründeten Verdacht stehen, mit dem Coronavirus infiziert zu sein, heißt es weiter. Über die Ambulanz in Mittweida soll in den nächsten Tagen informiert werden. (acr)

www.kkh-freiberg.com/

 

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