IHK fordert mehr Tempo bei Breitband-Ausbau

Nach sechs Jahren Arbeit wird das Ehrenamts- gremium der Kammer neu gewählt. Präsident Thomas Kolbe zieht eine durchwachsene Bilanz.

Freiberg.

Knapp 20.000Mitgliedsunternehmen der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Mittelsachsen können bis zum 4. April ihre neue Regionalversammlung per Briefwahl bestimmen. Zählt die Versammlung seit der ersten Wahl 2011 insgesamt 16 Mitglieder, so soll sie auf 23 wachsen. Als Ziel der Vergrößerung nennt IHK-Präsident Thomas Kolbe eine engere Verbindung zu den Unternehmern und ihren Problemen. Im Gespräch mit "Freie Presse" nennt er Schwerpunkte:

Arbeitskräfte: Die wachsende Anzahl unbesetzter Arbeitsstellen nennt Kolbe als Hauptthema seit 2011. Und die Prognosen bis 2025 seien düster. "Bevölkerungsrückgang und Abwanderung könnten dafür sorgen, dass in acht Jahren weitere bis zu 45.000 Fachkräfte fehlen." Könnten jetzt Firmen mitunter Aufträge nicht abarbeiten, so gehe es künftig um die Zukunft von Unternehmen. Aufgabe der IHK ist Politik, Verwaltungen im Landkreis und im Land zu sensibilisieren, aber auch Unternehmer zu gewinnen.

Infrastruktur: Die noch immer weithin fehlende Anbindung an schnelles Internet gehöre zu den Riesenproblemen: "Die Forderung der Unternehmen, die Nachteile im Wettbewerb haben, machen wir in Gesprächen mit Landratsamt, Ministerien und Abgeordneten deutlich." Das gelte auch für lange Entscheidungswege für geplante Umgehungsstraßen wie die B 101 in Freiberg. Kolbe: "Zu oft erkennt Politik nicht, dass ohne Wirtschaft nichts geht und Verwaltung nicht Selbstzweck, sondern Dienstleister ist." Die Strategie der Kreisverwaltung, beim Breitbandausbau Verantwortlichkeiten zu dezentralisieren, halte er für falsch: "Ich würde mir mehr Moderation und Koordination durch den Landkreis wünschen."

Vernetzung: Mittelsachsen fehlt vielfach Stolz und Identität, meint Kolbe. Wichtig sei, sich auf Stärken der Region zu besinnen: "Unser Kreis ist nicht homogen, kann etwa nicht auf die Automobilindustrie wie etwa Zwickau bauen. Aber wir haben zwei Hochschulen." Deshalb kündigt er Gespräche mit Bergakademie und Hochschule Mittweida an, um sich dauerhaft besser zu vernetzen.

Wirtschaftsförderung: "Wir brauchen eine zentrale Wirtschaftsförderung, der Landkreis muss so etwas wie die Spinne im Netz sein, ein Moderator mit ausreichend Mitarbeitern", sagt Kolbe. Landrat Matthias Damm (CDU) wirft er vor, dass eine langfristige, klare Strategie fehle. "Ich kenne keine Strategie zur Wirtschaftsförderung im Landkreis", so Kolbe. "Mittelsachsen muss wissen und endlich den Unternehmen vermitteln, wo es hin will."


31 Mittelsachsen bewerben sich um Sitz in Ehrenamtsgremium

Alle sechs Jahre wählen Mitglieder aller Branchen und Größen die ehrenamtlich tätige Regionalversammlung für Mittelsachsen. 2017 stellen sich laut IHK in Südwestsachsen 182Unternehmer zur Wahl, davon 31 in Mittelsachsen.

Unter den Kandidaten ist erneut der jetzige IHK-Präsident Thomas Kolbe (Foto). Der 45-jährige Diplom-Betriebswirt und verheiratete Vater von drei Kindern lebt und arbeitet in Döbeln. Die Ergebnisse der Wahl zur Regionalversammlung stehen am 5. April fest.Dann bestimmt das Gremium aus seiner Mitte den Präsidenten und dessen zwei Stellvertreter. Kolbe selbst würde für eine weitere Amtszeit zur Verfügung stehen.

Kolbe ist Geschäftsführer der Firma Max Knobloch Nachf. GmbH aus Döbeln. In der über 140-jährigen Firmengeschichte wurden unter anderem Waagen, Haus - und Industriestaubsauger, Bahnheizkörper oder Infrarot-Badstrahler produziert. Das familiengeführte Unternehmen mit 140Beschäftigten bietet zudem Briefkästen in 200 Farben an. Erzeugnisse aus Döbeln wurden unter anderem mit dem Sächsischen Staatspreis für Design ausgezeichnet.

Weitere Infos zur IHK-Wahl im Internet: www.freiepresse.de/ihkwahl

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...