Kein Freund einfacher Happy Ends

Der Freiberger Maximilian Sterba arbeitet als Theaterpädagoge. Das Schreiben aber ist seine große Leidenschaft.

Freiberg.

Der Wunsch, selber Geschichten aufzuschreiben, so erzählt Maximilian Sterba, hat ihn erfasst, "kaum dass ich das gesamte Alphabet kannte". Der 25-jährige Mann mit den offenen, freundlichen Gesichtszügen sitzt auf einem gemütlichen Sofa im Keller des Mittelsächsischen Theaters in Freiberg, wo er momentan als Theaterpädagoge tätig ist und unter anderem das Jugendtheater leitet.

Dass der geborene Freiberger nach seinem Lehramtsstudium der Germanistik und Philosophie an der Universität Jena nun wieder in seiner Heimatstadt lebt und zudem am Theater arbeitet, ist nicht wirklich ein Zufall. Wohin ihn der Weg führen wird, ist zwar noch nicht letztlich entschieden, aber vielleicht hat er gerade einen wichtigen Schritt in eine Richtung gemacht. Denn Maximilian Sterba hat sein erstes Buch veröffentlicht. "Eine Frage der Züchtigung" heißt der 660 Seiten starke Band mit Erzählungen. Er ist sozusagen eine Reise quer durch den Erlebens- und Erlesenskosmos des jungen Mannes. Der Leser kann eintauchen in eine Fantasywelt, wird aber auch kollidiert mit harten Realitäten einer grauen Gegenwart. Einfache Antworten und Lösungen sind Sterbas Sache dabei nicht. "Beim Schreibprozess reizt mich deutlich mehr das Düstere, Groteske und moralisch Uneindeutigere", sagt er. "Ich bin kein Freund einfacher Happy Ends."

Das sei in der Vergangenheit schon erkennbar gewesen, denn von 2006 bis 2012 war der Scholl-Gymnasiast Mitglied im damals noch Theaterjugendclub genannten Jugendtheater. Danach riss die Verbindung aber nicht ab, auch wenn er in Jena studierte. So schrieb Maximilian Sterba für die Gruppe einen fiktiven zweiten Teil von Schillers "Die Räuber", verfasste gemeinsam mit seiner Schwester Laura Sophia die Stücke "Schatten" und "Ich will", in denen stets aktuelle Jugendthemen aufgerufen wurden.

Jetzt ist es das Erzählerische, dem er sich zuwendet, wobei er trotzdem über die Spiegelung eigenen Erlebens versucht, gesellschaftliche und zwischenmenschliche Defizite zu benennen, ganz gleich, ob Sterba sie in einer Fantasywelt oder im Rahmen einer Jugendgruppe aufruft. Immer wieder steht dabei die Liebe im Mittelpunkt, mit all ihren Verirrungen, romantischen Auswüchsen und bitteren Enttäuschungen. Wedekinds "Lulu" stand hier manchmal ein wenig Pate, aber auch oder Schillers Überschwang stürmt über die Seiten. Gepaart mit archaischen Welten ergibt sich hin und wieder eine interessante Mischung, die man ruhig erkunden sollte. Langweilig ist das nicht. Und die Auskünfte, welche vor allem die umfangreiche "Liebestetralogie" im dritten Teil des Buches gibt, sind zwar immer wieder auch düster, doch nicht ohne Hoffnung.

Maximilian Sterba steht, das weiß er selbst, am Anfang des Schreibens. Noch gilt es dabei, manche Entscheidung zu fällen, aber den kommenden Weg mit zu verfolgen, kann spannend werden.

Lesung Am 6. März stellt Maximilian Sterba ab 19 Uhr seine Erzählungen im SIZ an der Freiberger Prüferstraße vor. Das Buch "Eine Frage der Züchtigung" kann im Shop der "Freien Presse" am Obermarkt bestellt werden. Preis: 18 Euro, ISBN: 978-3740750015.

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