Krippenspiel im Januar? Na klar!

Viel Liebe und Mühe steckt in der Aufführung, die die Nassauer Jahr für Jahr auf die Beine stellen. Und: Die Nachfrage ist groß. Deshalb wird nach Neujahr der Heiligabend einfach wiederholt.

Nassau.

In Nassau dürfte Weihnachten ziemlich entspannt verlaufen sein: Wer es nicht zum Krippenspiel in die Kirche geschafft hat, wusste schon, dass er im Januar noch eine Chance hat. Am gestrigen Sonntag haben die Mitspieler den Heiligabend samt Krippenspiel mit dem Titel "Die Weihnachtstür" einfach noch einmal wiederholt. Und die Kirche war mit 120 Kinder, Frauen und Männern voll besetzt.

Das Stück hat Organisatorin Hilke Domsch selbst geschrieben. Rund 20 Mitspieler zwischen 4 und 44 Jahren, dazu Orgel, Bläser, Requisitenbauer und Türmaler haben den Nachmittag gestaltet. "Die diesjährige Ausgabe ist mein 26. Krippenspiel in Nassau. Seit einigen Jahren schreibe ich die Stücke komplett selbst, um die Texte passgenau auf die Mitspieler zu entwerfen und auf aktuelle Befindlichkeiten oder Themen eingehen zu können." Manche der Krippenspieler sind bereits seit 16 Jahren dabei, "so zum Beispiel unsere Söhne Josia (20) und Marvin (18). Inzwischen spielen die Kinder der ersten Spielergeneration mit", erzählt Hilke Domsch. Dass die Geschichte im Januar genauso gut funktioniert wie am 24. Dezember zeige, dass Weihnachten an sich eine "Ganz-Jahres-Geschichte" ist, sagt sie. Im aktuellen Stück ist das Bindeglied zwischen der ursprünglichen Weihnachtsgeschichte und unserem heutigen Erleben eine "Weihnachtstür". Sie verbindet beide Spielebenen und zeigt eindrücklich, dass Weihnachten nur eine Tür weit von uns entfernt ist.

Anfangs war das anders: Da hat die Gruppe nur zu Heiligabend das Krippenspiel in Nassau und Rechenberg-Bienenmühle aufgeführt, einige Male auch in Frauenstein. "Immer wieder wurden wir gefragt, ob wir das Krippenspiel nicht wiederholen könnten, weil nicht jeder am 24.12. dabei sein konnte. Außerdem war und ist der Probenaufwand oft so intensiv, dass eine zweite Aufführung lohnt", erklärt sie. Seit sieben Jahren nun wiederholen sie original den Heiligen Abend am ersten Sonntag im neuen Jahr. "Wir waren damals eine der ersten, die diese Praxis begründeten. Heute bieten mehrere Kirchen ihr Krippenspiel ein zweites Mal dar", sagt Hilke Domsch.

An Heiligabend kommen stets etwa 150 Besucher, zur zweiten Aufführung seien es je nach Wetter und Bekanntmachung zwischen 70 und 150 Besucher.

Das Krippenspiel gliedert sich inzwischen in ein Gesamt-Kultur-Angebot ein, erläutert Domsch. Kerngruppe ist die Junge Gemeinde. Sie bietet auch Puppenspiel, Sommerkino und Sommer-Ausklang an.

Das jüngste Engelkind ist gerade 4. Aus den Engel- und Schafkindern entwickeln sich die späteren größeren Sprechrollen. Unterstützt werden die Kinder und Jugendlichen durch viele Helfer und Musikanten: Organist Holger Schiffel, ebenfalls ehemals Junge Gemeinde, Bläser, Näherinnen, Requisitenbauer, Türmaler, Essensbereitsteller und Teekocher. "Es ist dieses Gemeinschaftswerk, was über Kirchenkälte, Motivationstiefen und Adventsstress mit Auswendiglernen hinwegträgt", meint die Organisatorin.

Bisher wurde kein Krippenspiel in seiner Form in einem Folgejahr wiederholt. Die neue Spielidee für 2020 reift bereits.


Vier Nassauer, die mit Freude dabei sind

Antonia Glaßer aus Nassau ist zehn Jahre alt und spielt seit vier Jahren mit. "Ich mache überall gern mit und bringe mich ein", sagt sie.

Timi Holzapfel aus Nassau ist 33 Jahre alt, wohnt in Nassau und arbeitet in der Requisite. "Ich habe schon als Kind und Jugendliche mitgespielt, mache gern mit und helfe wo ich kann", erzählt sie kurz bevor es losgeht.

Angelika Hoffmann ist 46 und hat auch als Kind und Jugendliche mitgespielt. "Ich bin in diesem Jahr erstmalig wieder mit dabei und freue mich, mit so vielen jungen Leuten zusammen in der Kirche aufzutreten."

Marvin Domsch ist 18 Jahre alt und seit 14 Jahren dabei. "Meine Mutti schreibt die Stücke und studiert meine Rolle mit mir ein." (mer)

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