Kritik an Stadtchef flaut nicht ab

Pläne für Silbermannhaus stoßen auf Unverständnis

Freiberg.

Der Streit um das Silbermannhaus in Freiberg zieht Kreise. Nun hat sich Magdalena Czolbe (Foto) zur Wort gemeldet. Die Freibergerin engagiert sich seit Gründung der Silbermanngesellschaft 1990 im Verein und war bis zu ihrem Abschied 2011 knapp 20 Jahre lang dessen Geschäftsführerin.

Sie freue sich, hebt sie in einem offenen Brief an OB Sven Krüger (parteilos) und die Stadträte an, dass die Montanregion Welterbe sei. "Ich bin auch für eine würdige Präsentation", schreibt sie. Dann folgt Kritik: "Mit Unverständnis sehe ich das plötzliche Ansinnen der Stadtverwaltung, das nach knapp 30 Jahren endlich würdige Infozentrum für Gottfried Silbermann (...) mal schnell zu entfernen, um eine Lösung parat zu haben, die keine ist."


Krüger hatte im jüngsten Stadtrat dafür geworben, im Silbermannhaus das Besucherzentrum für die Montanregion einzurichten. Als bestmöglichen Standort hatte er das Gebäude, in dem neben der Touristinformation die Silbermanngesellschaft untergebracht ist, bezeichnet. Der Knackpunkt: Die Silbermanngesellschaft müsste weichen. Ein Umzug in die Domherrenhäuser wurde vorgeschlagen. Doch der Verein plant am jetzigen Sitz einen Anbau.

"Gottfried Silbermann aus dem Silbermann-Haus zu entfernen - das ist ein Sakrileg", erklärt Czolbe. "Der der Silbermann-Gesellschaft angebotene Standort am Dom 2 ist sehr viel passender für die Montanregion - direkt neben dem Museum, das ebenfalls besucherfreundliche Öffnungszeiten hat und fachlich kompetent dieses Objekt begleiten kann", schlägt sie vor.

Mit ihrer Kritik ist Czolbe nicht allein. Stadträte von SPD und Linken lehnen die Pläne der Stadt ab. Die Fraktion aus CDU und FDP sowie die AfD standen indes hinter dem Vorschlag der Stadtverwaltung.

Der Kulturausschuss des Stadtrats hätte sich Donnerstag mit dem Thema beschäftigen sollen - die Debatte wird später nachgeholt. Wie OB Krüger am Dienstag erklärte, soll nun gemeinsam nach einer Lösung gesucht werden. Es sei zu prüfen, ob und wie die Domherrenhäuser platzmäßig für die Silbermanngesellschaft geeignet sind, zudem, wie ein Welterbezentrum in die möglicherweise frei werdenden Räume der Silbermanngesellschaft im Silbermannhaus integriert werden können. (acr/wjo)

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
2Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.

  • 1
    0
    ChWtr
    09.10.2019

    Es ist unlogisch und fahrlässig, den angestammten Platz für Silbermann wegen des Besucherzentrums zu entfernen. Was erlauben sich der OB?

    Das wäre ergleichbar mit Weimar.
    Als ob man dort das Goethehaus am Frauenplan umfunktionieren würde und dafür müsste Goethe den Abflug machen. Undenkbar! In FG wird freimütig damit umgegangen und öffentlich in Erwägung gezogen.

    Frevel! Die Gedankengeber sollten sich in den Boden schämen...

    Und, das gibt böses Blut und ohne Not. Was denken sich OB, CDU, AfD und FDP?

    Wie wäre es, wenn "terra mineralia" oder das Bergarchiv aus dem Schloss rausfliegen?

  • 2
    0
    Juri
    09.10.2019

    Die Silbermanngesellschaft aus dem Wohn-und Werkstattgebäude seines berühmten Namensgebers rauszusetzen und dafür in diesem Haus etwas völlig anderes einzuquartieren, das kann man keinen vernünftigen Menschen erklären. Auf so eine Idee kann man schon mal bei einem ersten Nachdenken kommen. Aber die dann tatsächlich öffentlich zu verkaufen, na lieber OB ???
    Vielleicht trägt das ganze Durcheinander dennoch eine Freiberger Logik?
    Das Wernerdenkmal ist auch nicht auf dem Wernerplatz. Auch die Erinnerung an Humbold ist mehr als zwei Steinwürfe von der Humboldstraße entfernt. Bei Agricola ist es nicht viel besser. Ich höre lieber jetzt auf, sonst kommt vielleicht noch jemand auf die Idee den geplanten Hornbrunnen in den Tierpark zu setzen. Für Schnitzeljagt Begeisterte sind diese überlegungen ein Fest. Für den Touristen und Freiberg liebenden Menschen sind sie einfach unlogisch.



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...