Lehrer macht für Freie Wähler Wahlkampf

Wahlen 2019 Die aktuellen Wahlumfragen sehen die Wählervereinigung nicht im Landtag. Dennoch will es in Freiberg ein Bobritzsch-Hilbersdorfer wissen.

Freiberg/Bobritzsch-Hilbersdorf.

Ein Forum mit Gymnasiasten im Geographieunterricht - das gibt es nicht alle Tage. Wenn Holger Gustmann, 58 Jahre alt, Lehrer für Geographie und Mathematik, das Stoffgebiet "Atmosphärische Prozesse" abschließt, dann lädt er seine Schüler zur Podiumsdiskussion ein. Die Parteien bilden in diesem Fall Schüler, die glauben, die absolute Klimakatastrophe sei noch abzuwenden, jene, die daran nicht mehr glauben und dazwischen jene, die glauben, beide Seiten haben recht. Nach der oft hitzigen Argumentation fragt Gustmann erneut, und das große Lager in der Mitte ist dann meist beträchtlich gewachsen. Das Forum steht symbolisch für das Politikverständnis von Holger Gustmann: "Nicht Grabenkämpfe brauchen wir, sondern die Mitte muss gestärkt werden."

Der 58-jährige Bobritzsch-Hilbersdorfer, Direktkandidat der Freien Wähler im Landtags-Wahlkreis19 zwischen Reinsberg, Oberschöna und Frauenstein, müsste politisches Neuland im Landesparlament eigentlich nicht mehr betreten wollen. Gustmann, seit 1985 Lehrer an verschiedenen Schularten in Freiberg, muss keine Karriere mehr machen, sagt er. Deshalb bewirbt er sich auch ausschließlich um das Direktmandat, über das der Gewinner der meisten Stimmen im Wahlkreis in den Landtag einzieht.


Einen Listenplatz für die Zweitstimme hat Gustmann hingegen nicht: "Ich habe nichts zu verlieren. Wenn es nichts wird mit dem Landtag, dann gehe ich am 2. September weiter ganz normal und gerne in meine Schule." Aber das Programm der Freien Wähler in Mittelsachsen, stehe für überparteiliche, ideologiefreie Ziele: Bessere finanzielle Ausstattung der Orte, vereinfachte Genehmigungsverfahren, bessere Vernetzung der Städte mit dem Umland sind einige seiner Schlagworte. Und die Stärkung von bürgerschaftlichem Engagement.

In Bobritzsch-Hilbersdorf engagiert sich Gustmann vielfältig im Sport, für Volleyball und Fußball, im Gemeinderat beispielsweise, wo er seit 2009 mitarbeitet. Für die Freien Wähler und ihre verschiedenen Gremien ist er ebenfalls seit 2009 aktiv. Dabei schätzt er, dass auf dem Dorf möglich ist, was er sich auch für große Projekte wünscht. Am Beispiel Maibaumprojekt macht Gustmann seinen Anspruch an moderne Politik deutlich: "Da arbeiten Vertreter verschiedener Parteien und Vereinigungen zusammen. Parteipolitik, Parteienzwänge bleiben da wie auch im Gemeinderat draußen. Es geht um Sachpolitik, darum, Probleme zu lösen."

Seine Schüler kennen Holger Gustmann als Oberstufenberater, der Gymnasiasten genauso berät wie etwa Eltern von Grundschülern in Freiberg und Umgebung. Dabei will er nicht glauben, dass die soziale Herkunft, dass Eltern die Chancen der Kinder allein prägen: Jedes Kind könne und müsse bestmöglich beraten und gefördert werden, betont er. Und zeigt sich überzeugt: "Wenn wir alle Grundschüler und ihre Eltern seriös über die vielfältigen Bildungsmöglichkeiten beraten, dann gehen nicht 50 Prozent und mehr aufs Gymnasium. Sondern sie wissen durchaus, dass Schüler auch über die Oberschule zu einem guten Abschluss kommen und dann entscheiden können, ob sie noch das Abitur machen wollen, um studieren zu können." Denn es sei durchaus möglich, zwischen den Schularten zu wechseln.

Selbstbestimmheit, selbst zu entscheiden, wie das Leben zu gestalten ist, einen klaren Willen zu äußern, andere Meinungen zu akzeptieren, das will Holger Gustmann vermitteln. Deshalb befürwortet der Pädagoge auch längeres gemeinsames Lernen: "Die vierte Klasse ist zu früh, um den weiteren Schul- und Lebensweg zu entscheiden." (grit)

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