Mehr als nur ein Sportverein

125 Jahre im Zeichen des Wasserturms: Beim Kinder- und Vereinsfest in Bräunsdorf stand diesmal ein Club mit einer beeindruckenden Geschichte im Mittelpunkt. Womöglich steht das Beste noch bevor.

Bräunsdorf.

Selten dürften bei einer offiziellen Feierstunde die aufs Zeltdach schlagenden Regentropfen als eine so willkommene Melodie wahrgenommen worden sein wie jetzt in Bräunsdorf. Nach der Hitzeperiode bekam auch der Rasen des schmucken Striegistal-Stadions endlich wieder sein Nass, das die Wettermacher mit Veranstaltungsbeginn schickten. Wenn man sich die Geschichte des SV Einheit Bräunsdorf anschaut, dann wirkt es auf den ersten Blick, als seien die Mitstreiter des Vereins auch sonst mit dem Schicksal im Bunde. Doch hinter den erfolgreichen 125 Jahren, die beim Kinder- und Vereinsfest des Dorfs in diesem Jahr im Mittelpunkt standen, stehen eben auch Disziplin, Ehrgeiz und ehrenamtlicher Einsatz weit über das Übliche hinaus.

125 Jahre Sportvereinigung bedeuten schier unüberschaubare Trainings- und Wettkampfstunden, verkörpern Siege und Niederlagen mit ungezählten Punkten, Toren und Treffern, brachten Freude und Leid, Enttäuschung und Hochgefühl. Daran erinnerte der Vereinsvorsitzender Henry Weyhmann bei der Festveranstaltung am Freitagabend. Ob einst oder heute - aus dem gesellschaftlichen Leben sind die Aktiven nicht wegzudenken. 1893 wurde der Verein gegründet, es war die Zeit der aufkommenden Turnbewegung. 1900 zählte die Turnertruppe 73 Mitglieder, die schon bald stolz von der Anschaffung einer Kokosnussmatte berichten. "Heute ist jeder dritte Bräunsdorfer Vereinsmitglied, und dies sind 260", so der Vorsitzende stolz.

Manches Kapitel örtlicher Sport- aber auch Zeitgeschichte hat einen Eintrag in die Chronik erhalten. Schmunzelnd wusste Henry Weyhmann von Tagen eines steinreichen Vereins zu berichten. "Nämlich 1924, als die Kasse 7,5 Billionen Reichsmark auswies - es war die Zeit der Weltwirtschaftskrise." Da der Vorstand seinerzeit zur Erkenntnis kam, dass die Disziplin Fußball nicht mehr zu verhindern sein werde, wurde 1930 der erste Lederball angeschafft. Ein Blick in die Kassenbücher zeigt gerade auch die schwersten Stunden. Mit einem roten Strich wird jenen Mitgliedern gedacht, die im 2. Weltkrieg fielen. Akribisch wird per 5. Juli 1945 beispielsweise protokolliert, welches Vermögen und Güter die aufzulösende Turngemeinschaft in den damals gegründeten ATS Bräunsdorf übergibt: einen Diskus, zwei Stoppuhren, ein Tau und einen Faustball.

"1946 beginnt der Turnbetrieb wieder", so Weyhmann. Bald trainierten mehr als 438 Mitglieder in zehn Sektionen. In den 1950er-Jahren wurden in Bräunsdorf sogar Wintersportwettkämpfe ausgetragen, stellte die Sektion Wintersport eine Hochburg dar. 1952 wurde der Platz geweiht. Weyhmann: "Einmal im Aufbauwerk, wurden selbst eine Bobbahn und eine Sprungschanze aufgebaut." Selbst Boxen galt damals als gefragtes Angebot.

Einigkeit in der Festrunde, dass der Crosslauf um den Wasserturm das prestigeträchtigste von den Vereinsmitgliedern auf die Beine gestellte Ereignis darstellt und seit Jahrzehnten Lauffans aller Altersgruppen über Kreisgrenzen hinaus immer wieder anzieht.

Ein Einschnitt folgte 1990. Im Juli wurde der Verein als Rechtsnachfolger der früheren BSG gegründet. "Seinerzeit kam vieles zum Erliegen, galt es die neuen Strukturen zu schaffen. Lediglich 149 Mitglieder hielten zur Fahne, davon gerade einmal ein Leichtathlet."

Umso beeindruckender, was dem folgte. Die Bräunsdorfer sorgen seit Jahren für Schlagzeilen, heimsen Medaillen und Pokale ein. So holten bis 2003 allein die Leichtathleten 24 Mal Gold bei Landesmeisterschaften. Erst zur zurückliegenden Europameisterschaft stand mit Marvin Schlegel ein Läufer in Berlin im Nationalteam, der als Riesentalent gilt und der seine ersten Trainingsschritte in Bräunsdorf absolvierte.

Dass gemeinsame Vereinsbowling schweißt die Truppe genauso zusammen, wie die Sportler das Kinder- und Vereinsfest Bräunsdorf regelmäßig tatkräftig unterstützten. Größter Wunsch der rastlosen Truppe: Dass nach Jahren der Planungen bald eine tragbare Lösung für die Zukunft der Sporthalle gefunden wird.

Auszeichnungen Bei der Festveranstaltung wurden viele verdiente Sportler und Funktionäre geehrt. Ehrenpräsident Rüdiger Borck vom Kreissportbund überreichte Vereinschef Henry Weyhmann die Ehrenplakette des sächsischen Sportbundes. Läufer Marvin Schlegel und Bob-Sportler Ben Heber, deren Talent in Bräunsdorf gefördert wurde, erhielten den vereinseigenen Wasserturm-Pokal. Mit der Ehrenmedaille des sächsischen Landessportbundes in Gold wurde Dietmar Reh ausgezeichnet. Ehrenmedaillen in Silber gingen an Jörg Schreier, Holger Löwe, Egon Schubert, Marco Feldmann, Andreas Fritzsche, Ute Schlüßler und Christine Hofmann.

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