Mit Silbermann auf neuen Pfaden

Museumsleiterin Cornelia Ferguson spricht über eine traditionsreiche Konzertreihe und eine interaktive Ausstellung in neuen Räumen

Frauenstein.

Nicht nur bekannte Organisten finden im Frauensteiner Gottfried-Silbermann-Museum einen Ort für kleine, aber beliebte Konzerte. Die Orgeltage laden seit knapp drei Jahrzehnten ein. Fällt die Konzertreihe Corona dieses Mal zum Opfer, und wie sieht ihre Zukunft aus? Das wollte Astrid Ring von Museumschefin und Organisatorin Cornelia Ferguson wissen.

Freie Presse: Die Orgeltage finden im 27. Jahr statt. Sie wurden von Ihrer Vorgängerin Giesela Müller ins Leben gerufen. Was ist Ihr Anspruch?

Cornelia Ferguson: Wir bemühen uns, ein künstlerisch anspruchsvolles und abwechslungsreiches Programm anzubieten, das Orgelliebhabern zusagt, aber auch denen, die auf der Suche nach neuen musikalischen Eindrücken sind. Durch die räumliche Begrenzung, wir haben nur etwa 60 Plätze, entsteht eine familiäre Atmosphäre - so ist ein Dialog zwischen Künstlern und Publikum möglich, der in großen Konzerthallen nicht gegeben ist.

Welche Musiker sind dieses Jahr zu Gast?

Begonnen haben wir mit René Röder, Kantor in Waldheim, anlässlich des Geburtstags von Gottfried Silbermann. Das zweite Konzert am 15. März mussten wir leider wegen der Coronakrise absagen. Musizieren sollten Anna Piontkowsky, Anna Ryndyk und Rolf Schinzel im Programm "Wege der Liebe". Diese drei Musiker haben bei uns schon mit wunderbaren Programmen begeistert. Wir hoffen, das Konzert nachholen zu können. Geplant sind auch zwei Nachmittage mit Preisträgern des Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerbs. Noch ungewiss sind derzeit das für April geplante Konzert mit Silbermann-Preisträger Laurens de Man, Sieger des Vorjahres, und dem amerikanischen Organisten Matthew Wilkinson. Wir hoffen, dass diese beiden Konzerte in diesem Jahr noch stattfinden können. Optimistisch bin ich für die Veranstaltungen im August mit dem Musiker Mitsune Uchida aus Japan für den Abschluss des Konzertjahres mit Matthias Eisenberg und Joachim Schäfer. Die beiden Künstler sind unserem Museum seit vielen Jahren treu.

Kommen neben dem Stammpublikum auch "neue Gäste"?

Wir haben tatsächlich ein Stammpublikum - Konzertbesucher unter anderem aus Freiberg, Dresden und Radebeul, die sich extra auf den Weg nach Frauenstein machen. Auch neue Gäste kommen, manchmal Reisegruppen - die übernachten meist in Hotels der Umgebung. Auch Reisegruppen aus Tschechien hatten wir schon zum Konzert.

Wer kommt von den Musikern gerne - ist ebenfalls Stammgast?

Einige Musiker sind uns eng verbunden und reservieren immer einen Termin in ihrem Jahresplan - zum Beispiel Professor Matthias Eisenberg und Joachim Schäfer, auch Professorin Susanne Ehrhardt (Flöte) kommt oft zu uns. Bis letztes Jahr konnten wir uns regelmäßig über den Besuch von Professor Andreas Schröder aus Karlsruhe freuen, der nicht nur unsere Orgel erklingen ließ, sondern mit Geschichten beeindruckte. Nicht vergessen dürfen wir Frauensteins Kantor Peter Kleinert, der uns als Künstler und Orgelexperte mit Rat und Tat unterstützt.

Wie gelingt es Ihnen, neue Akteure zu begeistern, wie den jungen japanischen Organisten Mitsune Uchida?

Das ist eine gute Frage, zumal wir als kleines kommunales Museum keine großen Honorare zahlen können. Glücklicherweise kommen viele Musiker gerne nach Frauenstein, da sie die Region für ihre historischen Orgeln schätzen. Dabei ist Frauenstein natürlich Station. Junge Musiker aus dem Ausland schätzen vor allem die Erfahrung, auf einer historischen Orgel zu spielen.

Wen möchten Sie gern unbedingt zum Konzert nach Frauenstein einladen, haben es aber bisher noch nicht geschafft?

Eine bestimmte Person gibt es nicht. Allerdings möchte ich das Format "Gesprächskonzert" wieder aufgreifen. In kleinem Rahmen eignet sich das besonders gut. Viele Besucher genießen es, neben der Musik etwas über Musikgeschichte und Orgelbau zu erfahren.

Nächstes Jahr steht der Museumsumzug aus dem Schloss ins neue Domizil am Frauensteiner Markt bevor. Was ist Ihnen wichtig für die Ausstellung über Leben und Wirken Silbermanns?

Das ist für uns eine Gelegenheit, Leben und Werk neu und hautnah zu präsentieren. Dazu setzen wir auf digitale Neuerungen, die es dem Besucher ermöglichen, den Silbermann'schen Klang selbst zu erleben. Zusätzlich arbeiten wir momentan die Geschichte der Stadt auf, sodass diese ebenfalls in einem digitalen Format zugänglich sein wird.

Arbeiten Sie dafür eng mit den Ausstellungsgestaltern zusammen und welche Ideen wollen Sie einbringen?

Wir arbeiten eng mit dem Gestalter-Atelier No.4 zusammen. Viele Ideen sind bereits eingeflossen, wie viel davon realisierbar ist, wird sich zeigen. Auf jeden Fall soll das Museum interaktiver gestaltet werden, damit es den heutigen Standards entspricht, vor allem was Barrierefreiheit und die Vermittlung museumspädagogischer Inhalte betrifft.

Wird es die Konzertreihe weiterhin geben?

Sie wird natürlich fortgeführt - es wird eigens ein Raum für unsere Orgel geschaffen - multifunktional als Konzert- und Ausstellungsraum.

Wie ist die Besuchersituation durchschnittlich im Museum, kamen dieses Jahr vor der Coronakrise weniger Gäste, weil Sie lieber ins neue Museum wollen?

Die Zahl der Besucher hält sich in etwa konstant bei rund 10.000 jährlich in Museum und Burgruine zusammen. Die Zahl lässt sich schlecht auseinandernehmen, da wir in der Sommersaison nur Kombitickets verkaufen. Seit 16. März ist leider auch unser Museum wie fast alle kulturellen Einrichtungen wegen der Coronakrise geschlossen.

Worauf freuen Sie sich mit Blick auf das neue Domizil?

Wir sind gespannt auf die Reaktionen der Besucher auf die neue Ausstellung. Mit moderner Museumstechnik und dem Erfahrungsschatz der Gestalter hoffen wir, dass unser Thema und unsere Objekte optimal zu Geltung kommen. ar


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