Mittelsächsisches Theater: Funke springt zum Publikum über

Die Oper "Fidelio" in Freiberg berührte die Zuschauer trotz konzertant-szenischer Aufführung. Und das hat mehrere Gründe.

Keine aufregenden Kostüme, kein reinziehendes Bühnenbild - und doch ist die neueste Opernproduktion "Fidelio" des Mittelsächsischen Theaters am Samstag vom Premierenpublikum mit Begeisterung aufgenommen worden. Sopranistin Sonja Maria Westermann (Leonore/Fidelio) bekam mehrfach Bravo- und Jubelrufe. Und auch die anderen Sängerinnen und Sänger, Sprecherin Franka Anne Kahl, Opernchor, A-cappella-Kammerchor Freiberg sowie Mittelsächsische Philharmonie unter Leitung von Generalmusikdirektor Raoul Grüneis erhielten langen Beifall. Fünfmal traten die Darsteller vor das Publikum.

Die konzertant-szenische Aufführung, die Intendant Ralf-Peter Schulze zum Beethovenjahr 2020 auf die Bühne brachte, besticht durch gute Stimmen und Musiker. Obendrein hat sich der Kunstgriff bewährt, die Handlung durch eine Erzählerin voranzutreiben. Denn die gesprochenen Szenen in Ludwig van Beethovens einziger Oper gelten als eher banal. Schauspielerin Franka Anne Kahl überzeugt als prägnante Sprecherin, die Hintergründe, Bezüge zur Gegenwart und Gefühle rüberbringt und dabei Zitate zum Beispiel von Schiller, Lessing, Nelson Mandela, Bertolt Brecht, Heiner Müller und Bismarck einflicht.

Sonja Maria Westermann gastiert erstmals am Mittelsächsischen Theater. Die junge Sopranistin studierte an den Musikhochschulen in Karlsruhe und Würzburg. Zu ihren Professorinnen gehörten Sängerinnen wie Ingrid Haubold, Leandra Overmann und Cheryl Studer. Ihr Operndebüt feierte Sonja Maria Westermann 2013 als Fiordiligi in Mozarts "Così fan tutte" bei den Schlossfestspielen Zwingenberg. Es folgten zahlreiche Engagements mit weiteren großen Partien ihres Fachs wie der Marguerite in Gounods "Faust", der "Figaro"-Gräfin und der Titelrolle in Verdis "Luisa Miller" an den Theatern in Hof, Plauen-Zwickau und der Staatsoperette Dresden. Es folgten zahlreiche Engagements mit weiteren großen Partien ihres Fachs wie der Marguerite in Gounods "Faust", der "Figaro"-Gräfin und der Titelrolle in Verdis "Luisa Miller" an den Theatern in Hof, Plauen-Zwickau und der Staatsoperette Dresden. Bei den Tiroler Festspielen Erl und in Leipzig sang sie erste Wagner-Partien und war 2017 Stipendiatin des Richard-Wagner-Verbandes. Mit Desdemona in Verdis "Otello", Amelia in Verdis "Maskenball" und den "Vier letzten Liedern" von Richard Strauss erarbeitete sich die Sängerin neue Partien des jugendlich-dramatischen Repertoires. Am Mittelsächsischen Theater gibt Sonja Maria Westermann zum ersten MalBeethovensLeonore. Tenor Frank Unger sang sich als Florestan nach anfänglichem kurzem Schwächeln der Stimme nach seiner krankheitsbedingten Pause wieder frei und kehrte zu seiner alten Form zurück. Bariton Elias Han brillierte als Don Pizarro, Bass Grzegorz Rozkwitalski (Mitglied des Opernchors) überzeugte in einer weiteren Hauptrolle - als Gefängniswärter Rocco. Und Sopranistin Lindsay Funchal begeisterte als Marzelline.

Der Freiberger Uniprofessor Andreas Rehkopf zeigte sich bei der anschließenden Premierenfeier in der "Weinbar im Theater" begeistert. "Es war eine wunderbare Aufführung - Intendant Schulze, Generalmusikdirektor Grüneis, die Sänger und Musiker, ja das ganze Ensemble haben aus der Oper das Beste herausgeholt", sagte Rehkopf. Dann lächelte der Direktor des Instituts für Automatisierungstechnik der TU Bergakademie Freiberg verschmitzt und fügte hinzu: "Es ist trotzdem interessant, dass man den großen Beethoven bei etwas erwischt, was er nicht kann."

Besucherin Marion Krönert (Foto) sagte nach der Premiere: "Es war phantastisch, super Solisten. Das Tolle ist, man kann dem Orchester genau auf die Finger sehen, sieht wie Raoul Grüneis leise mitsingt, auf die Solisten hört und so dirigiert."

Matthias Kröger (Foto) sagte: "Es war eine sehr interessante Bühnenlichtgestaltung bei einem Stück mit großem musikalischen Anteil. Wir sind sonst nicht so die Operngänger, aber das war eine gelungene Aufführung." (mit mer)

Oper "Fidelio" Nächste Vorstellung am heutigen Dienstag, 14.30 Uhr im Freiberger Theater. Es gibt noch Karten.

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