Mittelsachsen bekommen mehr Fahrten auf zwei Bus-Linien

Auf zwei Strecken verkehren ab 17. August zusätzliche Fahrzeuge. Weitere sollen folgen - Kritiker mahnen sie besonders für den ländlichen Raum an.

Freiberg/Penig.

Auch abends noch mit dem Bus vom Training zurück nach Freiberg: Was viele Eltern und nicht nur sie mangels Spätbussen bislang vor Probleme stellte, soll in einer Woche Geschichte sein. Denn dann werden zwei Bus-Linien in Mittelsachsen aufgestockt, sodass sie zur Plus-Bus-Linie werden. Ab 17.August gibt es zunächst auf der 650 zwischen Chemnitz und Penig und 750 zwischen Freiberg und Döbeln zusätzliche Fahrten.

Plus-Bus ist ein deutschlandweites Qualitätskriterium im Nahverkehr, das heißt, die Linien müssen bestimmte Anforderungen erfüllen. Dazu gehört beispielsweise, dass die Busse von Montag bis Freitag mindestens im Stundentakt verkehren - auch in der Schul- und Ferienzeit. An Wochenenden und Feiertagen gilt ein fester Zweistundentakt. Außerdem sind Abfahr- und Ankunftszeiten so miteinander verknüpft, dass Bus- und Bahn-Fahrgästen lange Wartezeiten erspart bleiben, erklärt Falk Ester, Sprecher des Verkehrsverbundes Mittelsachsen (VMS), der mit dem Kreisverkehrsunternehmen Regiobus den Nahverkehr in Mittelsachsen organisiert.


Landrat Matthias Damm (CDU) spricht von einer Aufwertung und Erweiterung des Angebots und betont, Mobilität im ländlichen Raum sei enorm wichtig. Laut Regiobus-Geschäftsführer Michael Tanne betreffen die Verbesserungen die Abende sowie Wochenenden. So sei vorgesehen, dass zwischen Chemnitz und Penig (650) abends bis 23 Uhr in der Woche und bis 24Uhr am Wochenende Busse rollen. Eine weitere Verbesserung: "Die Linie 750 fährt kontinuierlich am Wochenende im Zweistundentakt." Damm kündigt für 2020 die Erweiterung von bestehenden Bus-Linien zwischen Mittweida und Frankenberg sowie zwischen Mittweida und Rochlitz an. Entscheidend sei die Finanzierung: "Wir sind auf die Unterstützung des Freistaates angewiesen." Zum Vergleich: Allein die zusätzlichen Betriebskosten bei Regiobus für die jetzt geplanten Extra-Fahrten für die Linien 650 und 750 beziffert Kreissprecher André Kaiser auf rund 460.000Euro jährlich, 65Prozent trägt der Freistaat.

Nach Damms Ansicht liegt auf dem Nahverkehr auch durch die Klimadebatte eine besondere Aufmerksamkeit: Das Nahverkehrsangebot auf Schiene und Straße solle auf hohem Niveau gehalten und verbessert werden. Auch VMS-Geschäftsführer Harald Neuhaus betont: "Um den ländlichen Raum besser an die ,Öffentlichen' anzuschließen, ist der Einsatz von noch mehr Plus-Bussen sinnvoll."

Landtagsmitglied Steve Ittershagen (CDU) fordert vor allem für den ländlichen Raum des Osterzgebirges mehr Angebote im Nahverkehr, darunter neue Bus-/Bahn-Schnittstellen an Haltepunkten in Bienenmühle und Nassau. "Die Strecke Freiberg - Frauenstein könnte im Takt angeboten werden." Dresden solle über Dippoldiswalde mit Frauenstein und Bienenmühle und weiter ins Schwartenberggebiet per direkter Buslinie erreichbar sein. Nach der Nahverkehrsstudie der Allianz pro Schiene, die Mittelsachsen nach der Erreichbarkeit von Bus und Bahn im sachsenweiten Vergleich hinten sieht, hatten Kreis-Politiker angemahnt, die Bedingungen zu verbessern. Die neuen Plus-Busse sind daher laut Sebastian Walter, Verkehrswissenschaftler und Grünen-Kreisvorstand, noch nicht der große Wurf. "Sie könnten allerdings ein Anfang sein. Wir brauchen noch stärkere Anreize vom Freistaat, das Busnetz systematisch auszubauen und nicht nur auf einzelnen Linien."

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