Mittelsachsen hoffen auf Turbo-Internet

Von einer Änderung der Förderrichtlinie könnten allein in Oederan etwa 250 Haushalte profitieren. Die Chance auf schnelles Internet wächst im gesamten Landkreis. Doch dafür braucht es einen langen Atem.

Freiberg/Oederan/Gahlenz.

Etwa 200 zusätzliche Breitband-Anschlüsse können in Gahlenz vorbereitet werden. In Schönerstadt, einem weiteren Ortsteil der Stadt Oederan, werden etwa 50 Zugänge zum neuen Glasfasernetz mehr als bislang möglich. Diese Zahlen hat Lothar Hofmeister von der Oederaner Stadtverwaltung genannt. Hintergrund ist eine Änderung der Förderrichtlinie für den Breitbandausbau.

Wie Mattias Borm vom Landratsamt informiert, können nun auch Grundstücke beim Glasfaserausbau berücksichtigt werden, die streng genommen nicht als unterversorgt gelten, aber an der Ausbaustrecke liegen. Entlang der Glasfasertrassen zu den "weißen Flecken" und um diese herum könnten jetzt Stichleitungen bis zur Hauswand mit verlegt werden, erklärt der Breitbandkoordinator.

Lothar Hofmeister macht es am Beispiel Gahlenz fest: "2013 hatte die Telekom auf die Vectoring-Technologie umgerüstet. Das klappt aber nur bis zu einer gewissen Entfernung von dem grauen Kasten, der etwa in der Mitte des Dorfes steht." Im Oberdorf hätten sich die Gahlenzer etwa bis zur Wendeschleife über ein schnelleres Internet freuen können, im Unterdorf noch bis zur Firma Erzgebirgische Holzkunst.

Was vor sieben Jahren ein Vorteil war, hätte sich jetzt beinahe ins Gegenteil verkehrt, so der Fachmann für Dorfentwicklung weiter. Denn nach der EU-Norm darf der Breitbandausbau aktuell nur dort gefördert werden, wo noch keine Downloadrate von mindestens 30 Megabit pro Sekunde anliegt. "Es gab schon Unmut im Dorf, weil die äußeren Bereiche jetzt viel schnellere Anschlüsse erhalten sollten, als die Leute dazwischen. Dabei verlegen wir das Glasfaserkabel durch das ganze Dorf", beschreibt Lothar Hofmeister. In Schönerstadt sei es auch so gewesen.

Die jetzt zulässige Lösung heißt Vortriebsausbau. Laut Mittelsachsens Breitbandkoordinator Matthias Borm lägen "die wesentlichen Teile der investiven Kosten innerhalb der Förderung"; der letzte Meter von der Hauswand bis zum Gebäudeverteiler dürfe jedoch nicht über Fördermittel abgerechnet werden. Ziel sei es aber, so unterstreicht er, die Telekommunikationsunternehmen dazu zu bewegen, "die wenigen Restarbeiten für einen Hausanschluss eigenwirtschaftlich zu tätigen".

Wie viele zusätzliche Anschlüsse der Vortriebsausbau im gesamten Landkreis bringe, lasse sich derzeit noch nicht sagen, so Kreis-Breitbandchef Borm: "Das wissen wir erst, erst wenn die Firmen ihre Netz- und Schachtpläne bei uns einreichen." Ein Anschlusszwang für die Hausbesitzer bestehe nicht, betont er zugleich.

Die Strategie des Landkreises Mittelsachsen sei es, die erweiterten Möglichkeiten auszuschöpfen - auch wenn sich dadurch die Vergabeverfahren um einige Wochen verzögern.

Die neuen Bedingungen würden in die Vergabeunterlagen eingearbeitet und die Ausschreibung ab Mitte Mai veröffentlicht. "Unabhängig davon ist ein Baubeginn vor 2021 nicht realistisch", sagt Mattias Borm. Allein das EU-Vergabeverfahren dauere etwa ein dreiviertel Jahr, rechnet der Koordinator vor. "Wir wollen gern so schnell wie möglich sein, aber das hängt natürlich auch von den Kapazitäten der beteiligten Unternehmen ab."


Projekte im Internet erläutert

Unter Regie des Landkreises haben sich in Mittelsachsen kleinere Gemeinden zu sogenannten Clustern zusammengetan. Mit der Bündelung wollen sie attraktiver für die Telekommunikationsunternehmen werden, um bessere Angebote für den Breitbandausbau zu erhalten.

In Mittelsachsen gibt es sechs solcher Cluster. Der Landkreis zeigt auf seiner Internetseite unter dem Stichwort Breitband, welche Gebiete und Ortsteile integriert sind. "Ziel ist, dass die Bürgerinnen und Bürger sehen, wer - und zum Zeitpunkt fortgeschrittener Planungen wann - an das Breitbandnetz über unser Projekt angeschlossen sein wird", sagt Breitbandkoordinator Mattias Borm. Die durch den Vortrieb zusätzlich zu erschließenden Grundstücke könnten aber noch nicht dargestellt werden. (jan)

www.landkreis-mittelsachsen.de

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