Nach Trockenheit droht Futtermangel

Durch die Dürre gab es bei der Getreideernte Einbußen bis zu 30 Prozent gegenüber den Vorjahren. Besonders schlimm sah es bei der Grasmahd aus - eigentlich eine Grundlage für die Versorgung der Rinder im Winter.

Bobritzsch-Hilbersdorf.

Es gab schon einfachere Zeiten für die Agargenossenschaft "Bobritzschtal" in Bobritzsch-Hilbersdorfer Ortsteil Oberbobritzsch. Rund 30 Prozent Einbußen bei der Getreideernte musste die Genossenschaft in diesem Jahr verkraften. "Wir waren in großer Sorge, dass es noch mehr Ausfälle geben könnte", sagt Vorstandsvorsitzender Lars Furkert. "Aber auch diese 30 Prozent sind sehr viel. Es ist eine prekäre Situation, weil wir auch in den letzten Jahren keine großen Reserven bilden konnten". Beim Gras sei der Ausfall mit rund 75 Prozent sogar dramatisch. Es habe lediglich eine richtige Ernte eingefahren werden können.

Man habe auch Klee angebaut. "Davon ist gar nichts gekommen", so Furkert. Beim Mais seien etwa 50 Prozent weniger eingefahren worden als in den Vorjahren. Das führe zu einer extremen Futterknappheit bei den Kühen, "gerade bei uns Erzgebirgsbauern, die von der Milch leben". Dennoch würden die annähernd 800 Milchkühe ihre normale Ration bekommen, "und das soll beibehalten werden". Noch stehe etwas Mais auf den Feldern und man hoffe, damit bis zum Frühjahr hinzukommen. Allerdings habe man bereits Konsequenzen gezogen und Tiere eher zum Schlachten gebracht. Eine Selektion finde jedes Jahr statt. Die Kriterien - Knochenbau, Gelenk- und Euter-Zustand sowie Milchmenge - seien in diesem Jahr aber strenger ausgelegt worden.

Das Beispiel aus dem Raum Freiberg ist nur eines unter vielen in Mittelsachsen. Wie Werner Bergelt, Geschäftsführer des Regionalbauernverbandes Erzgebirge, mitteilt, lagen die Einbußen bei Getreide im Vergleich zu den vergangenen Jahren bei rund 10, beim Raps bei rund 15 Prozent. Kopfzerbrechen bereiteten auch im Erzgebirge Futterpflanzen wie Gras, Klee oder Luzerne. "Wenn die Ernte komplett abgeschlossen ist, müssen alle Betriebe ihren Futterbestand abschätzen und entsprechend den Viehbestand anpassen", sagt Bergelt.

Noch stärker waren die Auswirkungen in tieferen Lagen des Landkreises. Mit 17 Prozent bei Weizen, 6 Prozent bei Wintergerste sowie 30 Prozent bei Raps im Vergleich zum fünfjährigen Durchschnitt seien im Bereich des Regionalbauernverbandes Mittweidateils herbe Einbußen bei der Getreideernte zu beklagen gewesen. Die Kartoffelernte sei in den meisten Betrieben noch nicht komplett eingebracht. Abschließende Ergebnisse lägen deshalb noch nicht vor. Es sei aber ebenfalls mit einem Ertragsrückgang von etwa 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr und rund 20 Prozent zum fünfjährigen Mittel zu rechnen.

"Die größten Auswirkungen der Dürre zeigen sich in unserer Region beim Grünfutter. Die meisten Betriebe haben nur die Hälfte der sonst üblichen Mengen geerntet. Glücklich schätzen können sich die Landwirte, die noch über Vorräte aus dem Vorjahr verfügen. Für alle anderen wird die Situation schwierig", so Köhler. Der Bauernverband habe deshalb eine Futtermittelbörse eingerichtet. Allerdings gebe es nur sehr wenige Betriebe, die Futtermittel abgeben können. Auch müssten die meisten Betriebe erst einmal abwarten bis die Maisernte vollständig eingebracht ist. Darüber hinaus bestehe eine kleine Hoffnung, vielleicht doch noch einen Schnitt Grünfutter einzufahren. "Erst danach können die Betriebe verlässlich kalkulieren, wie lange ihre Futtervorräte reichen werden", erklärt Köhler. Dass in der Region bereits jetzt Tiere aus Futternot geschlachtet wurden, sei ihm nicht bekannt. Es wird aus Sicht des Verbandes aber zu Bestandsreduzierungen in den Betrieben kommen, die nicht ausreichend Futter haben. Bislang sei lediglich eine Betriebsschließung bekannt: Ein Bio-Milcherzeuger werde zum Jahresende dicht machen.

Im Freistaat lagen die Einbußen bei der Getreideernte laut dem Sächsischen Landesbauernverband bei rund 30 Prozent. Wie Andreas Jähnel, Referatsleiter Acker- und Pflanzenbau, erklärte, habe es dabei aber starke regionale, teils sogar lokale Unterschiede gegeben. Als gravierend und um die 50 Prozent, regional auch mehr, bezeichnet auch er die Einbrüche bei der Grasernte.

Bei der Agrargenossenschaft Memmendorf sind die Einbußen bei der Getreideernte laut Vorstandsvorsitzendem Maxim Steinhardt mit rund 20 Prozent in etwa in dem Ausmaß wie erwartet gewesen. Hervorstechend sei allerdings der Ertrag bei der Ackerbohne, die als Viehfutter dient, gewesen. Dort habe man fast einen Totalverlust verbuchen müssen. "Das Futtergras ist so knapp, dass wir über einen Winterzwischenfruchtanbau versuchen, die fehlende Grasmenge durch die Ernte dieser Zwischenfrüchte auszugleichen", erklärt Steinhardt. Mais indes sei ausreichend vorhanden. Die Milchkühe - rund 850 zuzüglich der Jungrinder - wolle man alle behalten. Mastrinder würden jedoch eher verkauft.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...