Rote-Mützen-Kampagne

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Das Christkind ist doof. Wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Von draußen, vom Waldbad komm ich her; ich muss euch sagen, das wird nix mehr. Allüberall unter den Fichtenspitzen sah ich vor Jahren die letzten Badegäste schwitzen. Und droben aus dem demolierten Christmarkt-Tor sah mit silbernen Augen das Christkind hervor. Und wie ich so strolcht' durch den abgeholzten Tann, da rief's mich mit heller Stimme an: ...

An dieser Stelle wird die heutige Glosse von der Tagesordnung genommen. Da können Sie sich gerne bei der Rechtsaufsicht beschweren. Nützt nur nichts. Die Debatte darüber, was das Christkind gesagt hat, wurde von einer Mehrheit des Freiberger Stadtrats abgelehnt. Heißt es jedenfalls in der Zeitung "Der Himmelsbote". Begründung: Die Religionsfreiheit stehe ja schon im Grundgesetz, und damit sei es dann auch mal gut. Außerdem sei die Veranstaltung "Dialog - für uns eine Qual" damals nicht verboten, sondern nur vom Theatersaal aufs Klo verlegt worden. Somit könne man nun wirklich nicht von einer Einschränkung der Kunstfreiheit sprechen. Davon abgesehen müsse man für Deutschland endlich über eine Alternative zum linksgrünen Christkind nachdenken. Ein charmanter älterer Herr mit sympathischer Gesichtsbehaarung habe sich schon bereit erklärt. Lediglich seine rote Zipfelmütze sei etwas störend, aber man könne nicht alles haben. Das Christkind ist also bald arbeitslos. Und wer im Deutschunterricht nicht aufgepasst und kein Google hat, wird nie erfahren, was es dem Knecht Ruprecht gesagt hat.

Aber schließlich ist die Vorweihnachtszeit auch die Zeit der kleinen Geheimnisse. So manches Lebkuchenherz wird so gut versteckt, dass man es erst zehn Jahre später zu Ostern wiederfindet und dann gleich als Brikett verwenden kann. Konnte. Mit dem Klima ändern sich auch die Geschenke. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Kombi-Gutschein für den Freiberger Christmarkt und das Freibad? Offenbar ist es ja bei uns so warm, dass man den Markt in Sommerkleid und kurzen Hosen besucht. Das suggeriert jedenfalls ein Plakat an der Chemnitzer Straße: Oben zwei sommerlich gekleidete Menschen, unten eine Werbung für den Christmarkt. Nun ja. So geht sächsisch.

Das Motto ist aber auch überholt. In Zukunft sollten wir uns lieber ein Beispiel an amerikanischen Bundesstaaten nehmen. Dann wird Sachsen zum "Sunshine State", frei nach Rainald Goethe, äh, Grebe: "Kennst du das Land, wo die Zitronen wachsen? Das ist Sachsen!"

So, jetzt ist aber Schluss mit dem Quatsch. Wie wäre es mal mit einem besinnlichen Lied: "Süüüßer die Glooocken nie kliiiiiiiiiingennn ...." Aber stimmt ja nicht. Jedenfalls nicht in Frauenstein, wo die Glocken Winterschlaf halten. Vielleicht passt besser "Aaaaaalle Jahre wiiiieeeder ..." ... kommt Weihnachten völlig überraschend. ... diskutieren die Freiberger über die Umgehungsstraße. ... überlegen sie, was aus dem "Bahnhof" werden soll. Vielleicht könnte man eine Modellbahn-Ausstellung darin unterbringen. Damit die Besucher aus Mittelsachsen und Chemnitz erfahren, wie ein Fernzug aussieht. Es heißt ja, Reisen bildet. Nicht nur zur Weihnachtszeit.

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