Sprachprobleme erschweren Einstieg ins Berufsleben

Bisher haben 59Geflüchtete in Mittelsachsen eine Arbeit. Dabei melden Unternehmen mehr Bedarf an. Woran liegt das?

Freiberg.

Nur 59Flüchtlinge in Mittelsachsen gehen einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nach. Demgegenüber sind 646Migranten mit Aufenthaltstitel laut Arbeitsagentur Freiberg arbeitssuchend gemeldet. Und viele Betriebe würden gern Flüchtlinge einstellen. Noch zu selten kommen Geflüchtete und Unternehmen aber unter einen Hut. Das hat mehrere Ursachen.

Laut Jens Burow, Geschäftsführer operativ der Arbeitsagentur Freiberg, stellen Sprachdefizite "die größte Herausforderung" für die Integration der Migranten in die Arbeitswelt dar. Jährlich brechen etwa 400 Flüchtlinge im Kreis den Deutschkurs ab - die Hälfte aller Teilnehmer. Das erschwere eine Vermittlung erheblich. Laut Kreis-Asylkoordinator Dieter Steinert arbeiten Jobcenter und Landratsamt zusammen, "um die Flüchtlinge zu motivieren, zu den Sprachkursen hinzugehen". Sanktionen seien möglich.


Doch es gibt auch andere Hürden. Davon kann Timotheus Kapfer, der Chef der HTK Haustechnik Döbeln, ein Lied singen: "Wir hatten zwei Iraker probeweise im Unternehmen. Beide kamen mit der hiesigen Mentalität nicht zurecht." Kapfer zufolge hatten sie - ähnlich wie Jugendliche aus Hartz-IV-Familien - "Probleme mit Arbeitsalltag und Motivation". Ein dritter Iraker, der schon in seinem Heimatland als Mechaniker arbeitete, sei hingegen seit einiger Zeit im Unternehmen. "Er hat viel Humor und passt gut rein", so Kapfer. Er fügt hinzu: "Ich habe früher in Augsburg gearbeitet, da ist der Ausländeranteil sehr hoch. Hier in Sachsen gibt es oft Vorurteile gegenüber Ausländern - das merke ich auch an meinen Mitarbeitern."

Sechs Syrer verstärken mittlerweile das Team der Großschirmaer Druckerei Primus International Printing. "Wir sind vollauf zufrieden mit ihnen", so Geschäftsführer Maximilian Zech. Katrin Voigt, Assistentin des Geschäftsführers, hat eine Weiterbildung zur Integrationsbegleiterin absolviert. "Dadurch kann ich mich etwas mehr in ihre Lage hineinversetzen und mehr Verständnis für ihre Alltagsprobleme aufbringen", sagt sie. Zum Beispiel litten die Männer sehr, wenn ihre Frauen zu Hause geblieben sind. Doch es gebe auch ganz praktische Probleme. So haben die Syrer noch kein Auto. Ab und zu fahren Chef Zesch oder Mitarbeiter die ausländischen Kollegen nach Freiberg, wo diese wohnen. Für März 2018 planen die Druckerei und der Verein Arbeit und Leben in Chemnitz eine Veranstaltung "Geflüchtete verstärken regionale Unternehmen".

Laut Damaris Trommer vom Verein Arbeit und Leben sind sich Betriebe unsicher in Bezug auf rechtliche Aspekte und Qualifikationen von Flüchtlingen. Integration und Einarbeitung erforderten von beiden Seiten Wollen, Können und Verständnis. "Wer fremd in einem Land ist, braucht persönliche Unterstützung und Zeit, alles zu verstehen, auch im privaten Umfeld", so Trommer. Das erfordere Geduld und Durchhaltevermögen auf allen Seiten. Das Einbinden der Mitarbeiter vermeide Frust und Widerstände. Trommer: "Man sollte gut prüfen, welche Kapazitäten für Einarbeitung eines ausländischen Mitarbeiters beim Personal zur Verfügung stehen." Der Verein "Arbeit und Leben" biete Betrieben Hilfe an.

Der Syrer Firas Al Mohamed sagt: "Ich bin sicher, dass viele Flüchtlinge in Deutschland arbeiten möchten." In Syrien werde man im Familienbetrieb angelernt. Ein Zertifikat gebe es nur nach einem Uni-Studium. "Hier ist ein anderes System: Wer eine Ausbildung machen möchte, braucht drei Jahre bis zum Abschluss", so der Flüchtling. "Deshalb verloren viele die Motivation."

Arbeitsagentur-Geschäftsführer Burow geht davon aus, dass die Anzahl der Mitarbeiter mit Migrationshintergrund in den nächsten Jahren steigen wird: "Denn der Arbeitsmarkt in Mittelsachsen ist gut."

 


"Ausschlaggebend sind Fachwissen und Zupacken-Können"

Die Arbeitsagentur unterstützt Flüchtlinge zum Beispiel mit Beratung zum Erwerb eines Berufsabschlusses und der Förderung von Kursen, in denen berufliche Grundkompetenzen und berufsbezogene Deutschkenntnisse vermittelt werden.

Die Kammern bietenBetrieben Unterstützung an. Das Handwerk sucht in allen Gewerken nach Fachkräften, so ein Sprecher der Handwerkskammer Chemnitz. "Wo jemand herkommt, ist da nicht entscheidend. Ausschlaggebend sind Fachwissen und Zupacken-Können." Laut IHK Mittelsachsen stellen sich immer mehr Unternehmer der Herausforderung, Geflüchtete einzustellen. Allerdings gebe es noch Probleme, zum Beispiel bei Rekrutierung, Integration und Eingliederung ins Team und in den Arbeitsalltag. "Die kurzfristigen finanziellen Einbußen sind einfach zu groß, um den langfristigen Erfolg auszugleichen", so eine IHK-Mitarbeiterin. (hh)

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