Streit um Zukunft des Silbermannhauses geht weiter

Im Gebäude soll ein Besucherzentrum für die Welterberegion entstehen, die Silbermanngesellschaft müsste dafür weichen. Das führt in Freiberg zu einem verbalen Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern des Projekts.

Freiberg.

Die Fronten im Streit um die Zukunft des Silbermannhauses sind verhärtet. Einige Freiberger schlagen sich auf die Seite der Silbermanngesellschaft und sprechen sich für einen Verbleib des Vereins im Gebäude aus. Andere machen derweil gegen den geplanten Anbau der Gesellschaft Stimmung. Wieder andere heben die Vorteile hervor, wenn in der Immobilie das neue Besucherzentrum für die Montanregion entsteht.

Die SPD-Fraktion wirft der Stadtspitze jetzt vor, eine Entscheidung von oben herab durchzudrücken. Die Sozialdemokraten mahnen in einer Pressemitteilung "eine offene und sachdienliche Diskussion mit allen Beteiligten" an. Außerdem verwehren sie sich dagegen, dass die Debatte "durch die Spitze der Stadtverwaltung tendenziell dominiert wird und solch' wichtige Entscheidungen dadurch vorweggenommen werden". Und Linken-Stadträtin Jana Pinka betont: "Ich finde es bedauerlich, wie der Oberbürgermeister in die Debatte geht." Als Stadträtin fühle sie sich nicht mitgenommen. Der Vorschlag für den Standort des Besucherzentrums sei überraschend gekommen und der geplante Anbau im Stadtrat nichtöffentlich im Mai vorgestellt worden. Eine andere Sichtweise herrscht in den Reihen von CDU und FDP. "Wir plädieren für den Umzug der Silbermanngesellschaft in die Domherrenhäuser und für eine Weltkulturerbe-Repräsentanz im Silbermannhaus. Das ist nicht nur sachlich logisch, sondern spart Freiberg sehr viel Geld", erklärt Fraktionschef Steve Ittershagen, der sonst eine Steuergeldverschwendung fürchtet.

Die Silbermanngesellschaft, die im Haus der Städtischen Wohnungsgesellschaft eingemietet ist, benötigt mehr Platz und plant daher einen Anbau auf dem Gelände. Mit Ausgaben von 950.000 Euro ist zu rechnen. Diese Zahl nannte Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos), vorige Woche im Stadtrat, als er das Projekt der Silbermanngesellschaft im Detail vorstellte. Im Neubau, dessen Fassade einem Glaskristall ähnelt, würden gut 80 Quadratmeter entstehen. Krüger führte Baukosten im Schnitt von rund 11.300 Euro pro Quadratmeter ins Feld.

Doch auch die Gestaltung des Anbaus wird zum Zankapfel. In einer Erklärung von CDU und FDP heißt es: "Das historische Gebäude-ensemble am Schloßplatz wäre zerstört. Dazu würde es endlose und ärgerliche Stil-Diskussionen wie jetzt am Museumszwischenbau geben."

Nach der Verleihung des Welterbe-Titels sollen in Annaberg-Buchholz, Schneeberg, Marienberg und Freiberg Besucherzentren eingerichtet werden. Das haben Mitglieder des Welterbevereins Montanregion Erzgebirge so beschlossen. Auch diese Entscheidung birgt Zündstoff. Sowohl Altenberg als auch Schwarzenberg melden ebenfalls Interesse an. Die Zentren sollen an sieben Tagen die Woche von 9 bis 19 Uhr geöffnet und mit mindestens drei Vollzeitkräften besetzt sein. Geschätzte Personalkosten pro Jahr: reichlich 150.000Euro. Im Schnitt wird mit einem Platz von rund 130 Quadratmetern kalkuliert.

Für die Stadt und für den Oberbürgermeister ist klar: Der ideale Standort für das Besucherzentrum ist das Silbermannhaus. Anlaufpunkt für eine Vielzahl von Touristen ist das Haus längst, schließlich befindet sich hier auch die Touristinformation. "Damit wären wir dort, wo der Tourismus jetzt schon stattfindet", sagte Krüger im Stadtrat. Die Synergieeffekte seien offensichtlich. Infolgedessen müsste maximal eine Vollzeitkraft eingestellt werden. Dass weitere Arbeitsplätze entstehen, wäre möglich. Alternative Standorte wie das Bahnhofsgebäude, die Domherrenhäuser, die frühere Buchhandlung am Dom wurden von der Stadtverwaltung geprüft, aber verworfen - aufgrund zusätzlicher Mietkosten, zu teuer, zu wenig frequentiert, zu wenig Platz, hieß es. Steve Ittershagen erklärt daher: "Es muss eine angemessene Repräsentanz her und nicht ein Hinterhofzimmer mit ein paar Quadratmetern."

Albrecht Koch fühlt sich als Präsident der Silbermanngesellschaft durch die Stadt vor den Kopf gestoßen. Dass der Verein ausziehen soll, werde weiterhin abgelehnt. Trotzdem schlägt Koch die Tür nicht zu: "Wir suchen weiterhin das Gespräch mit der Stadt." (mit acr)


Kommentar: Auf Augenhöhe

In der Diskussion um einen Standort für das Welterbe-Besucherzentrum ist den Beteiligten die Ruhe und Möglichkeit zu wünschen, Vor- und Nachteile der verschiedenen Lösungen abzuwägen. Eine solche Auszeit vom jetzigen Wortgefecht würde helfen, die Hitze aus der Debatte zu nehmen und zurückzukehren zum Kern des Themas: Freiberg und die gerade gekürte Welterberegion suchen einen guten Standort für ein Besucherzentrum, und die renommierte Gottfried-Silbermann-Gesellschaft hat einen berechtigten Anspruch auf einen angemessenen Sitz. Auf Augenhöhe, in Respekt vor den Leistungen der Mitstreiter und ihren guten Absichten für die Stadt und die Region sollten daher Interessen und Standpunkte ausgetauscht werden.

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