Tivoli: Nächster Schritt zur Rettung

Der Betrieb im traditionsreichen Konzert- und Ballhaus soll weitergehen: Nach dem Stadtrat hat nun auch der Kreistag für den Kauf durch die gemeinsame Firma Saxonia gestimmt.

Freiberg.

Im Freiberger Tivoli sollen die Lichter anbleiben. Dieses Signal geht vom nahezu einstimmigen Beschluss des Kreistages in seiner Sitzung am späten Mittwochabend aus. Danach erwirbt die Saxonia Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft das bebaute Grundstück an der Dr.-Külz-Straße. 115Jahre nach seiner Eröffnung soll der Betrieb im traditionsreichen Konzert- und Ballhaus damit nahtlos weitergehen.

Vorgesehen ist, dass die Saxonia das bebaute Grundstück nebst Inventar des Tivoli für 1,225 Millionen Euro erwirbt. Da die Saxonia eine gemeinsame Firma von Kreisstadt und Landkreis ist, mussten sowohl der Kreistag als auch der Freiberger Stadtrat den Kauf absegnen, der bereits mit einer Firma des Solarworld-Gründers Frank Asbeck als derzeitiger Eigentümerin abgestimmt ist. Der Freiberger Stadtrat hatte bereits mit großer Mehrheit zugestimmt. Während die Saxonia das Gebäude selbst übernehmen soll, sehen die Pläne vor, dass die Freiberger Brauhaus-Tochter GSM - die Gastro-Service Mittelsachsen - den Betrieb samt Gastronomie sowie das Veranstaltungsmanagement im Tivoli verantwortet.

Mit Spannung verfolgte Tivoli-Betriebsleiter Roland Säurich auf einem Besucherstuhl den Vortrag von Kreis-Kämmerer Andreas Müller im Kreistag: Der Finanzdezernent im Landratsamt hatte auf die große Bedeutung der Immobilie für Kreis, Stadt und Einrichtungen wie die Bergakademie verwiesen. In dem Gebäude, das bis zu 1500 Besuchern Raum gibt, habe danach allein die Technische Universität im vorigen Jahr nahezu 50 Veranstaltungen mit rund 6000 Gästen ausgerichtet. "Wegen der hohen gesellschaftlichen Bedeutung sind sich Landkreis und Stadt einig, dass es erhalten wird", betonte Andreas Müller und sprach von der größten Kultureinrichtung ihrer Art im Landkreis.

Mit der Eröffnung des Hauses im Jahre 1902 begann danach seine ununterbrochene Geschichte. Mehrere hunderttausend Gäste hätten trotz wechselnder Rechtsformen und politischer Veränderungen das Haus seither lieben und schätzen gelernt, warb die Kreisverwaltung für die Zustimmung.

Befürchtungen, wonach Kreisräte aus anderen Teilen Mittelsachsens den Kauf durch ihr Veto blockieren könnten, bewahrheiteten sich nicht. Auf die Bitte von Linke-Kreisrat David Rausch aus Geringswalde, dass die künstlerische Freiheit im Konzerthaus auch in der neuen Eigentümerschaft gewahrt bleiben sollte, reagierte Oberbürgermeister Sven Krüger (parteilos) mit einer Klarstellung: In Freiberg stünden öffentliche Räumlichkeiten allen offen, Nutzungsbeschränkungen gebe es nicht.

Das Stadtoberhaupt verwies auf die vielfältigen Erfahrungen der Saxonia als Standortentwickler im Landkreis. Der Freiberger appellierte an seine Kreistagskollegen, dem Kauf zuzustimmen, weil das Tivoli extrem wichtig sei für die gesamte Region, aber auch als Veranstaltungsort für die Universität und Gymnasien. "Wenn einmal etwas weg ist, kommt es nie wieder", warnte Krüger. Nach der Zustimmung des Kreistages sind jetzt die Saxonia-Gesellschafterversammlung, der Notarvertrag zum Erwerb und der Pachtvertrag zum Betrieb die nächsten Etappen.

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