Vier Stunden Autofahrt für 40 Kilometer

Viele sehnen sich danach, die Welt zu entdecken. Anja und Markus Schubert aus Halsbrücke tun es. Neun Monate reisen sie durch Afrika und berichten für "Freie Presse". Heute: Guinea.

Halsbrücke/Guinea.

Da das Visum für die Weiterreise nach Liberia mehr als zehn Tage gedauert und uns beide über 300 Dollar gekostet hätte, ändern wir spontan unsere Route und wollen über das Hinterland Sierra Leones zurück nach Guinea und weiter nach Mali fahren. 70Kilometer vor der Grenze werden im letzten größeren Dorf unsere Pässe ordnungsgemäß ausgestempelt. Der Beamte erklärt, dass wir nicht weiter nach Osten über Gbendema fahren können, weil der Grenzverkehr über den Fluss ausschließlich mit Kanus durchgeführt wird und es entgegen all unserer Karten keine durchgehende Straße gibt. Stattdessen rät man uns gen Norden zu fahren und die dortige Grenzbrücke zu nehmen.

Zunächst geht es auf einer guten Piste durch grüne, üppige Wälder. Je weiter wir nach Norden kommen, desto enger wird die Straße. Am Ende verengt sich der Weg sogar nur auf eine einzelne Mopedspur. Letztlich kommen wir am späteren Nachmittag an der "Grenzbrücke" zu Guinea an, jedoch ist weit und breit kein Grenzbeamter zu sehen. Der Weg bleibt weiter extrem eng, sodass wir erst am nächsten Tag die erste kleine Siedlung erreichen. Wir fragen nach dem zuständigen Beamten für die Einreisestempel. Diesen soll es in Kobikoro, einem größeren Bergdorf, geben.

Dort angekommen, werden wir in einen Raum geführt und dürfen auf einer abgewetzten Couch Platz nehmen. Nach und nach füllt sich dieser mit den wichtigsten Personen wie dem Dorfchef, dessen Assistenten, dem Polizeichef und dem Chef des stationierten Militärs. Zum Glück hat man einen Englischlehrer organisiert, der für uns übersetzt. Anfangs sind wir voller Hoffnung, dass wir unsere Stempel bekommen, weil man Laptop und Bücher mitgebracht hat. Letztlich sitzen wir aber mehr als zwei Stunden dort und erklären geduldig, wo wir herkommen, dass wir uns rechtmäßig in Guinea aufhalten, da unser Visum noch drei Tage gültig ist, und von den Beamten in Sierra Leone diesen Weg empfohlen bekommen haben. Insbesondere der Polizeichef, dem wir dies von Beginn an angesehen haben, macht Ärger und möchte uns zurückschicken. Wir geben jedoch nicht klein bei und dürfen letztlich weiterfahren.

Den letzten Versuch, einen Einreisestempel zu bekommen, unternehmen wir in Kissidougou. Dort meint der Polizist lapidar, dass wir keinen Stempel benötigen, da wir ein gültiges Visum haben und zur Grenze nach Mali fahren sollen. Nach drei gescheiteren Anläufen reisen wir weiter, vor allem, weil das Visum am kommenden Tag ausläuft und wir noch über 400 Kilometer fahren müssen. Obwohl es sich um die Hauptverbindung nach Mali handelt, ist die Straße voller Schlaglöcher. Asphaltstücke wechseln sich alle 200 Meter mit staubigen, unbefestigten Passagen ab, sodass wir nach vier Stunden nur 40 Kilometer zurückgelegt haben.

Hinzukommt, dass uns zwei von vier Befestigungsbolzen der vorderen Lenkungsaufhängung abgebrochen sind. Nach einer notdürftigen Reparatur am Straßenrand, bei der uns ein netter Einheimischer geholfen hat, müssen wir stetig kontrollieren, ob die beiden übrigen Bolzen fest sind. Gott sei Dank wird die Straße bei Einbruch der Dämmerung besser, und so kommen wir am letzten Tag unseres Visums an der Grenze an.

Tatsächlich werden wir unkompliziert ausgestempelt und haben nun einen Einreise- und zwei Ausreisestempel in unseren Pässen.


Von Nord nach Süd

Anja und Markus Schubert touren seit Wochen durch Afrika. Beide wollen in neun Monaten den Kontinent von Nord nach Süd durchqueren. Nach der Hochzeit im September 2017 schmiedeten Markus Schubert, Jahrgang 1984, und seine gut zwei Jahre jüngere Partnerin Anja Pläne für eine längere Auszeit. Mehrere Länder nehmen die beiden für ihre Hochzeitsreise ins Visier - ihre Wahl fällt letztlich auf Afrika.

Die 1986 geborene Anja Schubert wuchs in Halsbrücke auf. Nach dem Abitur am Freiberger Gymnasium studierte sie Rechtswissenschaften an der Uni Leipzig. Nach dem Referendariat in Dresden war sie als Rechtsanwältin für Zivil- und

Verkehrsrecht in München tätig.

Markus Schubert, Jahrgang 1984, wuchs als jüngstes von drei Kindern in Conradsdorf auf. 2003 legte er das Abitur am Geschwister-Scholl-Gymnasium ab. Nach dem Studium zum Wirtschaftsingenieur an der TU Dresden war er zuletzt als

Projektingenieur bei einem Unternehmen in Tirol beschäftigt. (acr)

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