Volles Tablet(t)

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Bei der Digitalisierung stehen alle Ampelmännchen auf Grün.

In der Oberschule in Brand-Erbisdorf ist neulich das Thema Digitalisierung aufs Tablet gekommen: Vor der Schule gibt es bald einen Heißen Punkt, also einen Hotspot, mit öffentlichem WLAN. In der Schule dagegen ist das Internet so langsam, dass man nicht mal den Speiseplan hochladen kann. Was sind denn das für Voraussetzungen für die Bildung der Digital Natives (Das sind Menschen, die von Geburt an eine Spezialbeschichtung am rechten Zeigefinger haben, damit sie auch bei minus zehn Grad den Touchscreen bedienen können).

Wie sollen die jungen Leute lernen, mit der modernen Technik umzugehen? Gemeint sind die Lehrer. Natürlich wäre es auch möglich, dass die Schüler ihnen das Hacken und Programmieren beibringen. Schüler werden zu Lehrern. Allerdings hat die Landesregierung noch nicht bekannt gegeben, ob sie die Schülerverbeamtung einführen will.


In Freiberg ist man mit der Digitalisierung schon weiter: Ein Vorschlag der Freien Digitalen Partei (FDPe) wird bald im Stadtrat diskutiert. Um das Image der Silicon City (Deutsch: Silberstadt) zu stärken, soll es bald Ampelmännchen mit Digitalbezug geben. Geplant ist ein grüner, schreitender Smombie. Smombies sind Smartphone-Nutzer, die wie Zombies nur noch aufs Handy starren und jede Ampel übersehen. Und für die Rotphase ein gekrümmt sitzender Computerfreak, mit seinem Stuhl fest verwachsen. Allerdings war ein ähnlicher Vorschlag vor ein paar Jahren schon gescheitert, bevor er überhaupt vorgeschlagen wurde. Er kam von der Seeräuber-Partei, die sich die Digitalisierung auf die Monitore geschrieben hatte, dann aber schon an der 0,05-Prozent-Hürde hängen blieb. Vertreter der Historischen Freiberger Kreide- und Schiefertafelknappschaft hatten den Vorschlag damals für einen Aprilscherz gehalten.

Der neueste Schub bei Hightech-Innovationen kommt - woher auch sonst - aus dem Landratsamt. Dort weiß man, dass den Mittelsachsen ihr Autokennzeichen am Herzen liegt. Gemeint ist nicht das "MI", das für Mittelsachsen steht und das man gut mit den Buchstaben "-ES" kombinieren könnte, um ein bestimmtes Lebensgefühl zu präsentieren. Nein, dieses Kennzeichen wurde - vermutlich auf Betreiben des Tourismusverbands - einkassiert, bevor es überhaupt erfunden war. Ebenso das Kennzeichen "MU" für Mulda, das in Kombination mit einem "-H", für tierische Freude sorgen könnte. Kritiker befürchteten, die Fahrer einer solchen Benzinkuhtsche würden rasen wie ein wilder Stier. Und das Kennzeichen "FREI", an das man heimatbewusst ein "-BURG" anhängen könnte, ist ebenfalls nicht genehmigt.

Aber dafür bieten die Behörden jetzt digitale Kennzeichen an. Denn ein Blechschild ist ja sowas von Neunziger. Stattdessen kommt auf jedes Heck ein QR-Code. Den kann der Fahrer im Wagen dahinter während der Fahrt mit seinem Mobiltelefon einscannen. Eine App erzählt ihm dann, woher der Vordermann kommt. Diese Ansage kann man auch personalisieren. Wer also das seltene Pech hat, hinter einem Chemnitzer herzuschleichen, der tatsächlich die Fahrprüfung bestanden hat, dem ruft die App ins Ohr: "Gott schütze uns vor Eis und Schnee und einem Nummernschild mit C!" Wenn's gut läuft, hat man dann noch genug Zeit rechts ranzufahren und zu warten, bis die Gefahr vorüber ist. Und wenn nicht, schaltet man einfach den Auto-Autopiloten ein. Digitalisierung voraus - bis es kracht.

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