Vom Katastrophenalarm, der keiner war

Brandschützer im Einsatz: Die Feuerwehr von Rechenberg-Bienenmühle blickt auf ein Jahr mit mehr Bränden als üblich zurück. Einer davon wird ihnen besonders in Erinnerung bleiben. Er entpuppte sich als Erkundungstour.

Rechenberg-Bienenmühle.

Zu insgesamt 17 Einsätzen musste die Freiwillige Feuerwehr Rechenberg-Bienenmühle im Vorjahr ausrücken - davon rund ein Drittel wegen Bränden. "Dem trockenen Wetter geschuldet, relativ oft. Sonst haben wir ein oder zwei Brandeinsätze im Jahr", sagt Gemeindewehrleiter Nico Liebscher. Vor allem seien die Kameraden für technische Hilfsleistungen unterwegs gewesen, etwa um Bäume zu entfernen.

Dem Gemeindewehrleiter sind 2018 vor allem zwei Einsätze in Erinnerung geblieben: "Wir hatten einen Katastrophenalarm in Rechenberg-Bienenmühle, der am Ende nur eine Erkundungstour war", berichtet Liebscher. Problem seien die verschiedenen Codes für Piepser und Sirene gewesen - eigentlich wollte die Leitstelle Bagatellalarm auslösen. Anwohner hatten einen Piepton gehört und einen Brandmelder vermutet. Doch was die Kameraden fanden, war eine festgestellte Klingel, erzählt er.

Ein anderer Einsatz barg hingegen Gefahrenpotenzial: als am 14.Oktober die trockene Wiese an der Rechenberger Brauerei in Flammen stand. Das Feuer wurde durch den Wind angefacht und drohte auf Museum und Verwaltung überzugreifen, erinnert sich Liebscher. "Aufgrund der starken Rauchentwicklung konnten wir nur mit Atemschutz arbeiten", erzählt der 36-Jährige. "Glücklicherweise konnten wir das Feuer löschen, bevor es dunkel wurde." Denn dann kommt Absturzgefahr an den Felsen dazu. Wer das Feuer ausgelöst hat, ist unklar: "Die Polizei ermittelt noch", informiert Bürgermeister Michael Funke (parteilos).

Die Rechenberg-Bienenmühler und die freiwilligen Wehren Holzhau und Clausnitz rücken oft gemeinsam aus. Insgesamt bringen sie es auf 90 aktive Mitglieder, inklusive der Alters- und Ehrenabteilungen auf 140. "Wir sind handlungsfähig", sagt Liebscher. "Aber es könnten definitiv mehr sein, die tagsüber da sind."

Dem leichten Abwärtstrend versuchen die Feuerwehren mit frühzeitiger Begeisterung entgegenzuwirken: Insgesamt 30 Jugendliche bilden die Ortswehren aktuell aus. "Davon die Hälfte Mädchen - der Anteil wächst", sagt Liebscher. In Clausnitz gibt es seit Oktober eine Bambini-Gruppe, wo bereits Kinder ab fünf Jahren spielerisch die Arbeit der Feuerwehr kennenlernen.

Nico Liebscher selbst ist "in die Feuerwehr reingewachsen", so der Holzhauer. "Meine Großeltern hatten die Sirene auf dem Dach. Wenn die losging, sind mein Opa, mein Vater und mein Onkel losgerannt." Er habe es nie bereut, zur Jugendfeuerwehr gegangen zu sein. Natürlich könnten auch Erwachsene noch eintreten.

Ins Gespräch darüber kommen kann man bei Treffen in den Gerätehäusern und auf vielen Veranstaltungen. Die Holzhauer Kameraden richten jährlich das Osterfeuer aus, die Rechenberg-Bienenmühler den Wildschweinschmaus, sie helfen bei Dorffesten und Weihnachtsmärkten und auch auf den Parkplätzen in den Skigebieten. "Die Kameraden sind eine wichtige Hilfe für die Gemeinde", sagt Bürgermeister Funke. "Wir sind dankbar für die sehr gute Arbeit."

In diesem Jahr will die Gemeinde Fördermittel für ein Löschfahrzeug für Clausnitz und für eine Sirene in Bienenmühle beantragen. Die alte sei noch auf einem Privatgebäude montiert, die neue soll auf ein kommunales Grundstück, so Funke. Insgesamt sei die Wehr sehr modern. Dass im Bedarfsfall ein Drehleiterfahrzeug aus Brand-Erbisdorf angefordert wird, wird sich indes so bald nicht ändern. Eine Anschaffung für rund 700.000 Euro und die Folgekosten für Ausbildung und Wartung seien für eine Gemeinde nicht zu stemmen, so Liebscher. Zwar habe der Landkreis Drehleiterfahrzeuge besorgt, aber nicht für die Gegend zwischen Sayda und Frauenstein. Dabei sei das Löschen von oben einfacher, die Personenrettung unkomplizierter als mit Steck- oder Schiebeleiter und ein Korb ungefährlicher für die Kameraden, die mit Technik auf dem Rücken Leitern hochklettern müssen. Gespräche mit dem Landkreis hätten bislang keine Lösung gebracht.

Reihe: Zwischen Mitgliedersuche, Ausrüstung und Einsätzen - wie geht's den freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Mittelsachsen? In einer losen Folge stellt "Freie Presse" in nächster Zeit einige Einsatzgruppen vor. Den Auftakt machte die Freiwillige Feuerwehr Rechenberg-Bienenmühle.

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