Vom Nahverkehr bis zur Datenautobahn

Elftklässler aus Freiberg haben Kreisräte ins Kreuzverhör genommen. Bei der Gesprächsrunde in der Pressetonne blieben Fragen offen. Darauf antworten die Politiker jetzt.

Freiberg.

Was brennt jungen Leuten auf den Nägeln? Bei einer Gesprächsrunde in der Pressetonne haben 23 Elftklässler des Schollgymnasiums Freiberg Kreisräte ins Kreuzverhör genommen. Vor der Kreistagswahl am 26. Mai ging es auch um Breitbandausbau, Freizeitangebote, Integration und Öffentlichen Personennahverkehr. "Freie Presse" fasst die Pläne für den Landkreis zusammen (siehe unten stehender Beitrag).

Ein Thema, das die Schüler bewegt, ist kostenfreies W-Lan an öffentlichen Plätzen. Elftklässler Sebastian sagte, dass in vielen Städten auf öffentlichen Plätzen kostenfreies W-Lan genutzt werden kann. "Wie stehen Sie dazu, ein flächendeckendes und öffentlich nutzbares W-Lan in der Stadt Freiberg einzuführen?", fragte der Gymnasiast.

Sascha Aurich

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Laut Kreisrat Gunther Zschommler (Regionaler Bauernverband) ist kostenfreies W-Lan in größeren Städten "einfach ein Muss, um auch für Touristen ansprechender zu sein". Doch der Großschirmaer stellt die Frage, ob man denn ständig online sein muss. "Oder ist es nicht besser, auch einmal Passanten anzusprechen, um nach dem Weg zu fragen?" Jörg Woidniok ist CDU-/RBV-Mehrheitsfraktionschef im Kreistag und zugleich Amtsleiter in der Stadt Freiberg. Seiner Ansicht nach muss erst der geplante Breitbandausbau erfolgen. "Erst danach können wir über mehr öffentliche und kostenfreie W-Lan-Angebote reden." Linken-Kreisrat Gottfried Jubelt unterstützt das Einrichten von W-Lan an öffentlichen Plätzen. Seine Heimatstadt Augustusburg gehe sogar noch einen Schritt weiter. Es werde zum Beispiel eine Kursreihe zur Nutzung von Internet und Digitalgeräten angeboten. Am neuen Bronzemodell der Altstadt könne man kostenlos sein Handy aufladen; es gebe eine Stadttour für Smartphone-Besitzer. Und im "Lehngericht" entstehe eine offene Bürogemeinschaft mit zwölf Arbeitsplätzen, die über einen schnellen Internetzugang verfügen. Wer ein befristetes Projekt hat oder eine Studienarbeit schreibt, kann sich künftig einmieten.

Einen Ausschnitt der Debatte können Sie im Internet sehen.  www.freiepresse.de/diskussion


Wie wollen Sie sich im mittelsächsischen Kreistag für den Breitbandausbau stark machen?

Wir wollen ein flächendeckendes Breitbandnetz, das auch in den Dörfern unseres ländlichen Kreises eine optimale Datenübertragungsrate gewährleistet. Die Digitalisierung ist auch Aufgabe des Landkreises. Er darf die Kommunen dabei nicht mehr alleine lassen und steht in der Verantwortung, den Breitbandausbau zu koordinieren und gerade die kleinen Städte und Gemeinden zu unterstützen.

Viele Jugendliche klagen über ein ungenügendes Freizeitangebot. Welche Ideen haben Sie für neue Angebote?

Wir wollen Kinder- und Jugendfreizeitangebote mehr als bisher stärken und ausbauen, dazu gehört die internationale und mobile Jugendarbeit. Alternative Kunst- und Kulturangebote sollen stärker gefördert werden, und wir unterstützen selbstverwaltete Jugendclubs. Daneben ist uns wichtig, mehr Beteiligungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche in der Kommunalpolitik zu schaffen.

Wie wollen Sie den Ausbildungs- und Bildungsstandort Mittelsachsen stärken?

Die Arbeitslosenquote in Mittelsachsen ist so niedrig wie nie, in vielen Branchen besteht Fachkräftemangel. Viele Betriebe suchen Azubis. Wir haben mit der Hochschule Mittweida und der TU Freiberg zwei herausragende Hochschulen. Wir brauchen ein zukunftsorientiertes Wirtschafts- und Ausbildungskonzept, um junge Menschen und Betriebe in der Nachwuchsgewinnung und Unternehmensnachfolge zu unterstützen.

Welche Rezepte haben Sie für ein Miteinander unterschiedlicher Kulturen im Landkreis?

Ein wichtiger Bestandteil neben dem Spracherwerb ist das gegenseitige Kennenlernen. Dazu braucht es Anlaufstellen in allen Städten und Gemeinden. Wir wollen die Bemühungen der vielen Ehrenamtlichen im Landkreis unterstützen. Hierzu sollen alle finanziellen Hilfen des Landes und Bundes genutzt werden. Den Landkreis sehen wir in der Pflicht, mindestens koordinierend zu wirken.

Welche Konzepte haben Sie für den Öffentlichen Personennahverkehr in Mittelsachsen?

Die Größe des Landkreises macht kreative, attraktive und kostengünstige Lösungen nötig, damit jeder nach seinen Bedürfnissen mobil sein kann. Wir brauchen moderne Verkehrslösungen auch in dünn besiedelten Gebieten. In unseren Großstädten sind schnelle Zugverbindungen nötig, die mit Zubringerbussen vertaktet werden, um komfortables Pendeln zwischen Wohn- und Arbeitsort zu ermöglichen.

Mehr Biobauern und weniger Pestizide werden in Bayern gefordert. Es gibt ein Volksbegehren. Wie bewerten Sie dies?

Eine ökologisch und nachhaltig organisierte Landwirtschaft ist gut für alle Menschen, Tiere und unsere Kulturlandschaft. Doch auch die konventionelle Landwirtschaft ist nicht der Teufel. Wir wollen Bemühungen der Erzeuger unterstützen, optimale Bedingungen für ihre Produkte und Unternehmen zu erreichen. Artenvielfalt, Insektenreichtum und ein geringer Pestizid-Einsatz sind uns wichtig.

In Mittelsachsen sind Sportstätten teils nicht auf dem neuesten Stand. Wie kann der Kreistag das ändern?

Sportvereine sind ein wichtiger Bestandteil unserer mittelsächsischen Ehrenamtsgesellschaft. In den letzten Jahren haben wir als Landkreis bereits in viele Sportstätten investiert und müssen das mit den Kommunen auch weiter vorantreiben und alle verfügbaren Landes- und Bundesmittel dafür nutzen.


Wie wollen Sie sich im mittelsächsischen Kreistag für den Breitbandausbau stark machen?

Der Kreistag bestätigte am 27. März für die Hälfte der Kommunen des Kreises Kooperationsverträge für den geförderten Breitbandausbau. Hier übernimmt der Kreis Regie und Verantwortung. Aber auch die anderen Orte müssen unterstützt werden. Das betrifft auch den Einsatz der vom Land übernommenen und an die Kreise ausgereichten Mittel zum Ersatz des Eigenanteiles der Kommunen. Dazu sollte die Verwaltung im Kreistag regelmäßig berichten.

Viele Jugendliche klagen über ein ungenügendes Freizeitangebot. Welche Ideen haben Sie für neue Angebote?

Ein erster Schritt ist die Bildung von Jugendparlamenten (Jupa) in den Kommunen. Dabei sind die Räte und Ortschaftsräte einzubeziehen, um Jugendliche anzusprechen und zu begeistern. Das Jupa erarbeitet Vorschläge. Dabei wird es vom Regenbogenbus-Verein professionell unterstützt. Der Verein wird von den Kommunen finanziell unterstützt. So können geeignete Räume für Jugendklubs gefunden und mit Hilfe der Kommunen ausgebaut werden.

Wie wollen Sie den Ausbildungs- und Bildungsstandort Mittelsachsen stärken?

Gerade beschloss der Kreistag die 5. Änderung zum Maßnahmeplan "Brücken in die Zukunft". Einige Maßnahmen betreffen Modernisierung und Ausbau von Schulen. Es hätten aber noch mehr Ausbildungsstätten sein können, wenn der Kreis eigene Projekte wie den Glasanbau am Landratsamt in Freiberg oder den Umbau der Außenstelle "Am Rotvorwerk" auf das notwendige Minimum beschränkt hätte. Leider stießen unsere Vorschläge dazu auf taube Ohren.

Welche Rezepte haben Sie für ein Miteinander unterschiedlicher Kulturen im Landkreis?

Rezepte im eigentlichen Sinne gibt es nicht. In Augustusburg haben sich Unterstützerkreise in den Ortsteilen gebildet, die seit Jahren Flüchtlinge betreuen. Für sehr wichtig halten wir die Entwicklung von normalen Nachbarschaftsbeziehungen. Neben der Kirchgemeinde sind die Vereine am Miteinander der unterschiedlichen Kulturen beteiligt. Bei Fragen oder Problemen sind Bürgermeister oder Ortsvorsteher erste Ansprechpartner.

Welche Konzepte haben Sie für den Öffentlichen Personennahverkehr in Mittelsachsen?

Unsere Anträge zur Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs sind leider in der Kreistagsitzung am 27. März von der CDU/RBV-Fraktion mit Unterstützung von FDP und Freien Wählern abgelehnt worden. Trotzdem halten wir es nach wie vor für unbedingt notwendig, den Einfluss von Kreisräten in der Verbandsversammlung des Verkehrsverbundes Mittelsachsen zu erreichen. Dazu werden wir uns im neuen Kreistag Verbündete suchen.

Mehr Biobauern und weniger Pestizide werden in Bayern gefordert. Es gibt ein Volksbegehren. Wie bewerten Sie dies?

2018 organisierte unsere Fraktion mit der Linken-Landtagsabgeordneten Dr. Jana Pinka eine Ökotour. In der öffentlichen Fraktionssitzung stand das Insektensterben im Mittelpunkt. Herausgearbeitet wurde, dass im Haus- oder Kleingarten durch das Anlegen von Blühwiesen ein Beitrag geleistet werden kann. Kommunen haben bereits damit begonnen. Vielerorts wird zur Unkrautbekämpfung bereits auf Heißdampftechnik gesetzt.

In Mittelsachsen sind Sportstätten teils nicht auf dem neuesten Stand. Wie kann der Kreistag das ändern?

Der Kreis beteiligt sich an Fördermaßnahmen für die Sanierung von Sportstätten. 2017 waren das 52.400 Euro. 2019 sind 250.000 Euro im Haushalt eingestellt - immer noch viel zu wenig. Da die Sanierung von Sportstätten keine Pflichtaufgabe des Kreises ist, können dafür nur freie Mittel eingesetzt werden. Unsere Fraktion wird sich für eine Erhöhung der Summe einsetzen. Die Kommunen sind in der Pflicht, das Land unterstützt sie mit Förderprogrammen.


Wie wollen Sie sich im mittelsächsischen Kreistag für den Breitbandausbau stark machen?

Sachsen hat die Koordinierung des Breitbandausbaus in die Hände der Landkreise gelegt. Das heißt, der Kreis organisiert den Ausbau in den Kommunen. Dazu sind eine komplexe Vertragsgestaltung und Planung notwendig. In den vergangenen Jahren ging es zwei Schritte vor und drei Schritte zurück. Den momentanen Beschluss muss der Kreistag fordernd begleiten. Von der Beantragung der Maßnahmen bis zum Spatenstich wird das ein langer Weg.

Viele Jugendliche klagen über ein ungenügendes Freizeitangebot. Welche Ideen haben Sie für neue Angebote?

Grundsätzlich gilt es vorab zu klären, an welchen Freizeitangeboten es Jugendlichen unterschiedlicher Altersgruppen mangelt. In Städten wird dies anders als in dörflichen Regionen sein. Momentan gibt es zum Beispiel zahllose Sportmöglichkeiten, von Angeln bis Zumba. Zudem finden sich vielerorts Jugendclubs zum Chillen oder Feiern in Eigenregie oder über Vereine. Was hätte man gern, ganz konkret? Das sollte kommuniziert werden.

Wie wollen Sie den Ausbildungs- und Bildungsstandort Mittelsachsen stärken?

In den letzten 10 bis 15 Jahren hat sich die Landespolitik entschlossen, Schulstandorte zu konzentrieren, kleinere, vor allem ländliche Schulen aus Kostengründen zu schließen. Eine Menge soziale Bindungen ist damit zerstört worden. Trotzdem gibt es eine gut aufgestellte Schullandschaft. Die gilt es, unbedingt zu erhalten. Berufsschulzentren leben von Berufsschülern. Mit rückläufigen Azubizahlen kämpfen nicht nur Schulen, sondern auch Betriebe.

Welche Rezepte haben Sie für ein Miteinander unterschiedlicher Kulturen im Landkreis?

Rezepte im herkömmlichen Sinne haben sich über Jahrzehnte und Generationen entwickelt und gestaltet. Es gibt kein Patentrezept zum Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen. Schon gar nicht nach drei Jahren. Es sind kleine Dinge im Miteinander, die sich langsam entwickeln müssen. Kleine Dinge mit Gemeinschaft wie Sport, Kultur, Arbeit. Und beide Seiten müssen sich darauf einlassen wollen. Nötig ist das Erlernen der deutschen Sprache.

Welche Konzepte haben Sie für den Öffentlichen Personennahverkehr in Mittelsachsen?

Wir werden Mängel aufzeigen und neue Ideen sowie lokale kleine Verkehrsprojekte anregen: Mitfahrgemeinschaften, Einbindung privater Unternehmen, Koordinierung von Fahrten zum Arzt oder Einkaufen, eine Plattform zur Fahrtorganisation. Dass privater Verkehr finanziell viel günstiger ist als öffentlicher Verkehr, macht die Sache nicht einfacher. Das System, Schülerverkehr finanziert Nahverkehr, ist dauerhaft nicht tragbar.

Mehr Biobauern und weniger Pestizide werden in Bayern gefordert. Es gibt ein Volksbegehren. Wie bewerten Sie dies?

Die Politik muss noch viel mehr erkennen, dass Ökologie nicht nur Spinnerei von Randgruppen ist. Das Insektensterben kann nicht mehr verhindert werden. Das ist schon zu 70 bis 80 Prozent passiert. Dazu trug die konventionelle Landwirtschaft erheblich bei. Verbraucher sollten sich für regionale Produkte entscheiden. 2009 lehnte der Kreistag unseren Vorschlag für gentechnikfreies Essen in den Schulen ab. Ich würde den Ball gern wieder aufnehmen.

In Mittelsachsen sind Sportstätten teils nicht auf dem neuesten Stand. Wie kann der Kreistag das ändern?

Der Kreistag hat nur Einflussmöglichkeiten auf Sportstätten, die in der Verantwortlichkeit des Landkreises liegen. Wenn es konkrete Mängel gibt, ist eine Begehung sinnvoll. Was soll konkret verbessert werden? Genau das müssen Verantwortliche beziehungsweise Nutzer deutlich kommunizieren. Unabhängig davon sind sportliche Aktivitäten und Spaß am Sport nicht immer von supermodernen Sportstätten abhängig.


Wie wollen Sie sich im mittelsächsischen Kreistag für den Breitbandausbau stark machen?

Die Mobilfunkrechte werden vom Bund versteigert. Auch deshalb sehe ich den Bund in der Pflicht, für flächendeckenden Breitbandausbau zu sorgen, auch in nicht rentablen Gegenden. Der Kreistag kann und muss Forderungen erheben und auf zeitnahe Realisierung drängen.

Viele Jugendliche klagen über ein ungenügendes Freizeitangebot. Welche Ideen haben Sie für neue Angebote?

Es gibt zahlreiche Vereine, die auch Jugendlichen offen stehen. Jugendliche suchen aber einen Rückzugsort ohne feste Strukturen. Hier ist sicher jede Stadt oder Gemeinde bereit, zu helfen, Strukturen mit aufzubauen und Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen. Auch Jugendparlamente können hilfreich sein.

Wie wollen Sie den Ausbildungs- und Bildungsstandort Mittelsachsen stärken?

Wichtig ist, ein modernes Berufsschulstandortkonzept zu erarbeiten und einen funktionierenden ÖPNV den Auszubildenden zur Verfügung zu stellen. Bei der Vermarktung sollten Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, Schulträger und Firmen näher zusammenrücken und so zum Beispiel rechtliche Voraussetzungen schaffen bzw. vermitteln: für echte Praktika und kontinuierliche Zusammenarbeit.

Welche Rezepte haben Sie für ein Miteinander unterschiedlicher Kulturen im Landkreis?

Integration ist eine Bringschuld und entwickelt sich am besten im Miteinander. Wir haben unzählige Vereine, die jedem offen stehen, meist unabhängig von Kultur oder Religion. Wenn man sich da einbringt, gibt man der aufnehmenden Gesellschaft zumeist auch noch etwas zurück, so geht Integration, wenn man nur will. Dadurch wird auch die in den Sprachkursen erlernte Sprache gefestigt und vertieft.

Welche Konzepte haben Sie für den Öffentlichen Personennahverkehr in Mittelsachsen?

365 Tage effektiver Nahverkehr statt nur Schulzeitverkehr, ein kostenfreies Schüler-Azubi- und Seniorenticket und natürlich eine bessere Zusammenarbeit der Verkehrsverbünde über Kreis- und Landesgrenzen.

Mehr Biobauern und weniger Pestizide werden in Bayern gefordert. Es gibt ein Volksbegehren. Wie bewerten Sie dies?

Das ist gut gemeint, aber was wir brauchen, ist ein Umdenken der Verbraucher. Erst wenn sie bereit und finanziell in der Lage sind, regionale, ökologische Produkte zum angemessenen Preis zu erwerben, wird sich etwas ändern. Im Übrigen vernichten Windräder Milliarden von Insekten, da nutzt eine Biolandwirtschaft unter diesen auch nichts. Die Wiesen und Auen in Sachsen sollten erhalten bleiben.

In Mittelsachsen sind Sportstätten teils nicht auf dem neuesten Stand. Wie kann der Kreistag das ändern?

Wir sind für eine unkomplizierte Fördermittelvergabe. Wenn jede Kommune selbst entscheiden kann, wofür sie ihr Geld einsetzt, dann kann man diesen Investitionsstau besser vermeiden. Zudem setzt sich die AfD ein, dass dem ländlichen Raum jährlich 250 Millionen Euro Fördermittel bis 2030 mehr zur Verfügung stehen als bisher.


Wie wollen Sie sich im mittelsächsischen Kreistag für den Breitbandausbau stark machen?

Diese Frage wurde im Kreistag am vergangenen Mittwoch umfassend behandelt. Nun müssen die Beschlüsse zügig umgesetzt werden.

Viele Jugendliche klagen über ein ungenügendes Freizeitangebot. Welche Ideen haben Sie für neue Angebote?

Dem kann ich so nicht zustimmen. Aus meiner Sicht verfügen wir über zahlreiche, auch qualitativ gute Angebote. Die müssen nur genutzt werden. Eine andere Sache ist es, dass sich Jugendliche intern zusammenfinden möchten. Auch hier haben wir uns in Großschirma und den Ortsteilen stets aufgeschlossen gezeigt und Räume zur Verfügung gestellt. Großen Wert legen wir darauf, dass die Nutzer in der Ausgestaltung selbst mit Hand anlegen.

Wie wollen Sie den Ausbildungs- und Bildungsstandort Mittelsachsen stärken?

Mit der weiteren qualitativen Verbesserung unserer Schulen und auch bereits Kindergärten. In unserem Stadtgebiet haben wir bereits sehr viel geleistet, aber dieses Thema wird uns weiter permanent beschäftigen. Wünschenswert ist eine bessere Vernetzung von Wirtschaft und Bildungseinrichtungen, um Jugendliche an diese Themen frühzeitig und praxisnäher heranzuführen.

Welche Rezepte haben Sie für ein Miteinander unterschiedlicher Kulturen im Landkreis?

Aufeinander zugehen, sich gegenseitig akzeptieren und Verständnis füreinander aufbringen. Dies beginnt im kleinen und bei jedem Einzelnen. Hass und Neid haben die Probleme dieser Welt noch nie gelöst, sondern nur verschärft. Die verbalen und medialen Äußerungen so manches aufstrebenden Nachwuchspolitikers unserer Region bestätigen dies, da ist wahrscheinlich das Schulfach Geschichte in der Ausbildung zu kurz gekommen.

Welche Konzepte haben Sie für den Öffentlichen Personennahverkehr in Mittelsachsen?

Das sollten wir den zuständigen Fachleuten überlassen. Generell bin ich der Meinung, dass unser Öffentlicher Personennahverkehr im Kreis gut organisiert ist. Offene Probleme können nur auf regionaler Ebene und mit den Verantwortlichen geklärt werden. Wir haben in der Vergangenheit stets ein offenes Ohr gefunden. Die Bahnstrecken in unserem Gebiet sollten erhalten und wenn möglich intensiver genutzt werden.

Mehr Biobauern und weniger Pestizide werden in Bayern gefordert. Es gibt ein Volksbegehren. Wie bewerten Sie dies?

Diese Frage hat Kreisrat Liebscher in der Diskussion umfassend und richtig beantwortet. Ein wesentliches und entscheidendes Wort spricht der Konsument und Verbraucher selbst mit. Allein mit Verordnungen und Verboten ist nichts getan. Umweltschutz ist ein gesamtgesellschaftliches Problem; ich vermisse mitunter aber das richtige Augenmaß, und einiges scheint mir zu sehr mit "ideologischem Zeitgeist" verklärt.

In Mittelsachsen sind Sportstätten teils nicht auf dem neuesten Stand. Wie kann der Kreistag das ändern?

Speziell in die Sportförderung und die Sportstätten wurde in den zurückliegenden Jahrzehnten sehr umfangreich investiert. In den größeren Städten ist auf Grund der Einwohnerkonzentration mitunter noch mehr Bedarf vorhanden als in ländlich geprägten Ortschaften. Für unser Gebiet kann ich behaupten, dass das Angebot an Sport- und Freizeitstätten gut und ausreichend ist.


Wie wollen Sie sich im mittelsächsischen Kreistag für den Breitbandausbau stark machen?

Wir haben als Fraktion beantragt, den flächendeckenden Breitbandausbau im Landratsamt zu koordinieren, wie das erfolgreichere Landkreise vormachen. So müsste nicht jedes Rathaus selbst Expertise einkaufen, Anträge schreiben und mit Berlin kommunizieren. Leider hat die CDU/RBV-Fraktion diese Koordinierung des Breitbandausbaus abgelehnt. Wir Grüne werden den Breitbandausbau wieder zum Thema machen.

Viele Jugendliche klagen über ein ungenügendes Freizeitangebot. Welche Ideen haben Sie für neue Angebote?

Im Landkreis braucht es ein breites Freizeitangebot, aber vor allem gute Busverbindungen, die junge Leute nach dem Verein abends noch nach Hause bringen. Daran scheitert es in vielen Fällen. Was ich mir sehr gut vorstellen kann, ist eine Broschüre, in der alle Sportaktivitäten im Landkreis vorgestellt und Schnuppergutscheine angeboten werden, vom Handball über das Reiten bis zum Skisport.

Wie wollen Sie den Ausbildungs- und Bildungsstandort Mittelsachsen stärken?

Das heutige Netz der Grund- und Oberschulen, Gymnasien und Beruflichen Schulzentren muss erhalten und der Wissenschaftsstandort mit den Hochschulen in Freiberg und Mittweida gestärkt werden. Wir sind mit Hochschulen im regen Austausch und bekommen gespiegelt, dass die Anbindung zu anderen Regionen schlecht ist. Ein Fernbus von Freiberg über Mittweida nach Leipzig könnte Abhilfe schaffen.

Welche Rezepte haben Sie für ein Miteinander unterschiedlicher Kulturen im Landkreis?

Was wir in Mittelsachsen stärker brauchen, ist eine Kultur, die sich um jeden Einwohner bemüht, um ihn auch als Fachkraft in der Region zu halten. Da gehören Begegnungsabende genauso dazu wie Deutschkurse vom ersten Tag an. In einigen Gemeinden wie Königshain-Wiederau hat sich das Modell der Patenschaften bewährt, um Integration in unsere Gesellschaft und in den Arbeitsmarkt zu schaffen.

Welche Konzepte haben Sie für den Öffentlichen Personennahverkehr in Mittelsachsen?

Das Chemnitzer Modell mit Stadtbahnen aus der Chemnitzer Innenstadt wollen wir über Flöha und Erdmannsdorf nach Annaberg und über Leubsdorf nach Olbernhau erweitern. Zudem wollen wir Rochlitz und das Rochlitzer Land wieder an die Bahn anbinden und den S-Bahn-Verkehr der S3 zwischen Dresden und Freiberg ausbauen. Wir wollen mehr schnelle Taktbusse, die stündlich die Orte in der Fläche anfahren.

Mehr Biobauern und weniger Pestizide werden in Bayern gefordert. Es gibt ein Volksbegehren. Wie bewerten Sie dies?

Wir Grüne wollen das massive Insektensterben stoppen und mit den Landwirten in der Region eine Glyphosat-Ausstiegsstrategie vorbereiten. Wir stehen daher im laufenden Austausch mit Landwirtschaftsbetrieben. Den Einsatz von Ackergiften in Sachsen wollen wir bis 2030 mindestens halbieren. Zudem wollen wir Blühstreifen großzügig fördern, um Bienen und zahlreichen Insekten eine Heimat zu geben.

In Mittelsachsen sind Sportstätten teils nicht auf dem neuesten Stand. Wie kann der Kreistag das ändern?

Im Kreistag haben wir die Sportförderung für die Vereine im Kreis kontinuierlich erhöht. Woran es häufig krankt, ist eine solide Finanzierung beim Umbau von Sportstätten, was sich mit der guten Auftragslage in der Bauwirtschaft in den letzten Jahren weiter verschärft hat. Bei großen Sportstättenvorhaben kann ich mir vorstellen, dass der Kreis die Kommunen bei der Fördermittelakquise unterstützt.


Wie wollen Sie sich im mittelsächsischen Kreistag für den Breitbandausbau stark machen?

Unsere Fraktion unterstützt die Initiativen der Landkreisverwaltung zum Breitbandausbau seit Jahren intensiv. Wir werden diese Maßnahmen mit der Zur-Verfügung-Stellung weiterer Gelder nachhaltig fördern.

Viele Jugendliche klagen über ein ungenügendes Freizeitangebot. Welche Ideen haben Sie für neue Angebote?

Die Kinos im Landkreis, die drei festen Spielstätten unserer Theater und Philharmonie-Gesellschaft sowie die vielen Vereine gewährleisten ein breites Angebot. Es wird ergänzt durch eine Vielzahl von Jugendtreffs und ähnlichen Einrichtungen. Weitere Angebote (Kletterparks, Indoorspielplätze etc.) sind oft von privatwirtschaftlichen Initiativen abhängig. Wenn Jugendliche gute Ideen haben, werden sie von den Stadt- und Gemeindeverwaltungen unterstützt.

Wie wollen Sie den Ausbildungs- und Bildungsstandort Mittelsachsen stärken?

Unsere Schulen, die weiteren Bildungseinrichtungen sowie die Hochschulen im Kreis agieren deutschlandweit betrachtet auf Topniveau. Daher kommt es für eine Stärkung des Bildungsstandorts Mittelsachsen insbesondere darauf an, die Lebensqualität zu halten bzw. zu erhöhen. Hier spielen Themen wie der Breitbandausbau, die Freizeitangebote und der ÖPNV eine zentrale Rolle.

Welche Rezepte haben Sie für ein Miteinander unterschiedlicher Kulturen im Landkreis?

In keinem anderen europäischen Land stehen so umfangreiche Ressourcen für die Integration von Menschen aus fremden Kulturen zur Verfügung. Deshalb bedarf es auch größerer Integrationsanstrengungen der zu uns Kommenden - Stichwort mangelhafte Erfolgsquoten von Sprachkursen. Unsere Vereine haben oft Nachwuchsprobleme und stehen auch Menschen aus anderen Kulturen offen. Daher müssen wir unsere Vereine stärken.

Welche Konzepte haben Sie für den Öffentlichen Personennahverkehr in Mittelsachsen?

Die Streckenführungen müssen immer wieder mit den Anforderungen der Nutzer verglichen und abgestimmt werden. Ein Ausbau der Elektromobilität für die Busse unserer Verkehrsgesellschaft, digitale Möglichkeiten zur Echtzeitauskunft und zum Kauf von Fahrausweisen ohne Bargeld sowie die Stärkung des Plus-Bus-Systems stehen ganz oben bei den Notwendigkeiten für die Zukunft.

Mehr Biobauern und weniger Pestizide werden in Bayern gefordert. Es gibt ein Volksbegehren. Wie bewerten Sie dies?

Für unsere Fraktion haben der Umweltschutz und die Idee einer nachhaltigen Landwirtschaft absolute Priorität. Im Rahmen des wirtschaftlich und ökologisch Sinnvollen streiten wir für mehr Bio-Landwirtschaft, einen geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und für artgerechte Tierhaltung.

In Mittelsachsen sind Sportstätten teils nicht auf dem neuesten Stand. Wie kann der Kreistag das ändern?

Wir verfügen über viele, oft sehr moderne Sportstätten im Landkreis. Unsere Fraktion hat mit dem Antrag
zur Erhöhung der Sportförderung im Jahr 2017 um 137.500 Euro Meilensteine gesetzt. Im kommenden Jahr wird die Sportförderung erstmals auf den Prüfstand gestellt. Danach muss man über eine Erhöhung sprechen.


Wie wollen Sie sich im mittelsächsischen Kreistag für den Breitbandausbau stark machen?

Durch die bereits im Kreistag beschlossene Bündelung der Ausschreibung ist der erste Schritt getan. Jetzt gilt es, zügig ein Leistungsverzeichnis unter Beachtung der Bedarfe zu erstellen, um Firmen zu binden, die den Ausbau realisieren. Wir müssen schnellstens weg von Studien erstellen, hin zum praktischen Beginn kommen.

Viele Jugendliche klagen über ein ungenügendes Freizeitangebot. Welche Ideen haben Sie für neue Angebote?

In erster Linie sind die Jugendlichen selbst gefragt, mit eigenen Ideen zu kommen und sich natürlich selbst einzubringen. Anschließend muss dies gemeinsam erörtert werden. Im übrigen gibt es bereits eine ganze Bandbreite von Angeboten. So unter anderem durch Vereine, Schulen oder unser Juniorrangerprojekt. Dies könnte weiter ausgebaut werden, auch Skaterbahnen sind denkbar.

Wie wollen Sie den Ausbildungs- und Bildungsstandort Mittelsachsen stärken?

Mit zwei Hochschulen und verschiedenen Fachschulen ist Mittelsachsen gut aufgestellt. Auch in der Lehrausbildung sind wir in Sachsen weit vorn. Aktuell wird der Standort Freiberg-Zug modernisiert. Handlungsbedarf sehe ich in den Schulen. Hier wird zu wenig Wert auf handwerkliche Fähigkeiten und praxisorientierten Unterricht gelegt.

Welche Rezepte haben Sie für ein Miteinander unterschiedlicher Kulturen im Landkreis?

Grundsätzlich ist jemandem, der in Not ist, Hilfe zu leisten. So auch Menschen aus anderen Kulturen. Dazu ist jedoch erforderlich, dass sie die deutsche Sprache erlernen und sich anschließend in unsere Gesellschaft integrieren. Dies beginnt bei der Teilhabe an Beschäftigung bis hin zum Einbringen in Vereinen. Auf keinen Fall dürfen Parallelgesellschaften entstehen.

Welche Konzepte haben Sie für den Öffentlichen Personennahverkehr in Mittelsachsen?

Grundsätzlich darf der straßengebundene Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) keinesfalls weiter ausgedünnt werden. Dagegen habe ich mich bereits im Ausschuss des Kreistages ausgesprochen. Darüber hinaus sollte der ländliche Raum stärker an die Städte angebunden werden, zum Beispiel durch Ausdehnung des Stadtverkehres. Beim schienengebundenen ÖPNV muss es eine Anschlussverbindung zum Bus geben.

Mehr Biobauern und weniger Pestizide werden in Bayern gefordert. Es gibt ein Volksbegehren. Wie bewerten Sie dies?

Bei diesem Thema sind wir alle gefordert. Den Insekten ist die Art der Landwirtschaft egal. Was Insekten benötigen, sind Pflanzen, die blühen, um Nahrung zu finden. Dazu ist es erforderlich, unsere Vorstellung vom kurz geschorenen Zierrasen, dem gemulchten Straßenrand sowie der kontinuierlichen Flächenversiegelung zu überdenken. Auch die Landwirtschaft muss einen Beitrag dazu leisten.

In Mittelsachsen sind Sportstätten teils nicht auf dem neuesten Stand. Wie kann der Kreistag das ändern?

Die Pflege und Unterhaltung der Sportstätten obliegt den Kommunen. Sie entscheiden selbst, welche Schwerpunkte sie setzen. Im Gebiet meiner Gemeinde haben wir dies in den letzten Jahren erfolgreich getan. Als Landkreis haben wir ab diesem Jahr die finanzielle Zuwendung an den Kreissportbund bereits erhöht. Im Dialog mit dem Kreissportbund müssen insbesondere die sanitären Anlagen auf den Prüfstand.


Zweitgrößter Kreis in Sachsen

Der Landkreis Mittelsachsen zählt laut Statistischem Landesamt rund 307.000 Einwohner (Stand 30. Juni 2018). Zu ihm gehören 21 Städte und 32 Dörfer. Die Fläche beträgt knapp 2117 Quadratkilometer, damit ist Mittelsachsen der zweitgrößte Kreis in Sachsen. Zum Vergleich: Das Saarland erstreckt sich über 2570 Quadratkilometer.

In Mittelsachsen gibt es 74 Grundschulen, 14 allgemeinbildende Förderschulen, 28 Oberschulen und 12 Gymnasien. Im Landkreis unterrichten an diesen Schulen rund 2200 Lehrer in Voll- und Teilzeit 27.510 Schüler. (Stand 2. September 2016 - das sind die neuesten verfügbaren Zahlen).

Die allgemeinbildenden Schulen verließen nach dem Schuljahr 2015/16 226 Schüler ohne Hauptschulabschluss, 205 mit Hauptschulabschluss, 1290 mit Realschulabschluss, 763 mit allgemeiner Hochschulreife.

38 Berufsbildende Schulen und Berufsschulen gibt es außerdem im Kreis, 6 Berufsfachschulen, 1 Fachoberschule, 1 Berufliches Gymnasium und 6 Fachschulen. Von den 1514 Absolventen der berufsbildenden Schulen des Schuljahres 2015/16 erhielten 1381 ein Abschlusszeugnis, davon 175 mit allgemeiner Hoch- oder Fachschulreife.

939 landwirtschaftliche Betriebe  arbeiten in Mittelsachsen. 350 Betriebe sind im Bergbau und im verarbeitenden Gewerbe tätig. Es gibt 704 Baubetriebe, 168 Hotels, Gasthöfe und Pensionen. 851 Ärzte und 260 Zahnärzte praktizieren in Mittelsachsen. Es gibt 78 Apotheken. (Stand 30. Juni 2016). (hh)

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