Von der Quereinsteigerin zur Expertin

Steffi Mann ist eine der ersten 16 Deutschen, die den Titel "German Wine Professional" führen dürfen. Der Weg dahin war alles andere als leicht.

Freiberg/Lichtenberg.

In den Büroräumen von "Trauben Genuss" an der Freiberger Hegelstraße sieht es derzeit bunt aus. Der kleine Verkaufsraum zur Straße hin macht zwar noch den Eindruck, als wäre alles beim Alten. Ordentlich stehen die zahlreichen Weinflaschen deutscher Provenienz in den Regalen und auf den Tischen. Doch schon eine Tür weiter, hinter den Kulissen, stapeln sich Kartons, verteilen sich diverse Dekorationsteile und allenthalben ist etwas von Aufbruchsstimmung zu spüren.

Dass dies den Tatsachen entspricht, bestätigt Steffi Mann. Sie ist Weinberaterin des Unternehmens, hat aber derzeit nicht nur mit edlen Tropfen zu tun, sondern auch mit einem anstehenden Umzug. "Ab März findet man uns unter der neuen Adresse Kirchgasse 15", sagt sie. "Und zwar dort, wo früher gleich neben dem Dom eine Buchhandlung war." Die räumliche Veränderung sei an der Zeit. Denn die paar Quadratmeter, die bislang vorhanden waren, reichten längst nicht mehr aus.

"Das alles war vor ein paar Jahren lediglich als Büro für den Online-Handel mit Weinen gedacht", so Mann. "Doch jetzt platzen wir schon aus allen Nähten." Die neuen Räume im Schönbergschen Hof böten die besten Möglichkeiten. Im vorderen Teil soll der stationäre Ladenverkauf stattfinden, im hinteren ist Platz für Vorträge, Schulungen oder Verkostungen, gemütliche Weinabende inklusive.

Um diese Veranstaltungen noch besser durchführen zu können, hat Steffi Mann vor gut zwei Jahren einen Lehrgang begonnen. "Ich selbst bin, was den Wein angeht, eine Quereinsteigerin", gesteht die 48-jährige Lichtenbergerin. "Und ich wollte mir ein fundiertes Wissen aneignen, das ich auch weitergeben kann." So nahm sie das Angebot des Deutschen Weininstitutes (DWI) wahr, bei dem es darum ging, alle 13 deutschen Weinanbaugebiete direkt kennenzulernen und deren Produkte selbst zu schmecken.

Der Stellenwert dieser Ausbildung wurde Steffi Mann erst im Laufe der Zeit klar. Zunächst hielt sie das für einen völlig normalen Lehrgang. Doch war sie Teil der ersten Klasse, die zu "German Wine Professionals" ausgebildet wurde. Als sie am 11. Januar schließlich ihre letzte Prüfung bestanden hatte und die Urkunde überreicht bekam, war sie eine der 16 ersten, die in Deutschland diesen Titel führen dürfen.

Der Weg dahin war alles andere als leicht. Zum Programm gehörten nicht nur mehrtägige Aufenthalte in allen Anbaugebieten des Landes, sondern auch zahlreiche Vorträge, die sich mit Aspekten wie Geologie, Rebsorten, Kellerlagerung, aber auch Schädlingen wie der Reblaus beschäftigten. Zudem mussten über 1000 Weine verkostet werden.

In den Prüfungen gab es zunächst einen theoretischen Teil, bei dem sie zweimal zwei Stunden lang Gelerntes in Vorträgen darstellen musste. Anschließend wurde bei Blindverkostungen die Sensorik der Teilnehmer auf den Prüfstand gestellt. All das fand im November statt. Im Januar folgte eine weitere Leistungsabfrage. Nach der Aufgabenstellung hatten die Teilnehmer nur fünf Minuten Zeit, um einen zehnminütigen Vortrag zu einem Thema auszuarbeiten, inklusive einer weiteren Blindverkostung.

Dass Steffi Mann diese Aufgabe erfolgreich bewältigte, zeigt die Urkunde, die wohl erst in den neuen Räumen am Dom Platz an einer Wand finden wird. "Während der Schulungen ist mir bewusst geworden, wie schwer das alles wirklich ist", gibt Steffi Mann zu. Mit ihrem Abschluss habe sie sich nun ein Prädikat erworben, das über dem des Sommeliers stehe. Und darauf, all dieses Wissen künftig an neuer Stätte den Weinfreunden weiterzugeben, freut sie sich jetzt schon.

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