Warum alberne Briefe gut sein können

Um kreatives Schreiben drehte sich gestern ein Workshop in der Oberschule Sayda. Auch der provokanten Phantasie waren dabei kaum Grenzen gesetzt.

Sayda.

Was haben Michael Jackson, Arnold Schwarzenegger, Julien Bam und Krümelmonster miteinander zu tun? Sie können sich gegenseitig Briefe schreiben, Fragen stellen und darauf auch Antworten geben. So geschehen am gestrigen Vormittag in der Oberschule Sayda - natürlich nur fiktiv - ausgedacht von Jungen und Mädchen in einem ganz besonderen Workshop. Elf Schüler aus den Klassenstufen sechs, acht und neun saßen sich gegenüber, um sich mit dem Thema "Poetry Slam" zu befassen.

Die Dresdnerin Kaddi Cutz gestaltete im Auftrag der Stiftung Lesen und des sächsischen Kultusministeriums einen ganzen Vormittag, in dem sich drei Mädchen und acht Jungen gemeinsam mit der Autorin und Poetry Slamerin an das Thema herantasteten. "Allerdings ist das in einem eintägigen Workshop etwas schwierig", räumte sie ein. Zunächst sei es wichtig, die Schüler für Sprache und den Umgang mit ihr zu "öffnen". "Sie lernen verschiedene Schreibstile kennen und machen bei Kreativübungen aktiv mit", berichtete Kaddi Cutz vom Konzept des Tages. So ließen die Saydaer Schüler zunächst bei einer schriftlichen Übung zum Thema "Ich feiere eine Party und lade mir dazu ein ..." ihren Gedanken und Ideen freien Lauf. Dass dabei wie beim anschließenden Briefverkehr zwischen fiktiven, jedoch allgemein bekannten Personen nicht alles auf sachlicher Ebene ablief, brachten die teils verqueren Texte der "Briefeschreiber" so mit sich. Die Personen hatten sich die Schüler selbst ausgesucht. Da ging es im eigens für den Workshop von zwei Schülerinnen ausgedachten Briefwechsel zwischen dem längst verstorbenen Star Michael Jackson und dem jungen deutschen Webvideoproduzenten Julien Bam darum, ob es unter der Erde langweilig ist und ob Jackson schon einmal von den Toten auferstanden sei.

"Wir müssen uns natürlich mit den Figuren, die als Briefeschreiber heute dienen, auseinander setzen. Es ist auch schon erwünscht, albern zu sein oder in den Briefen Zwietracht zu säen", sagte Kaddi Cutz. Wichtig sei, das Gefühl für Sprache zu entwickeln und dafür, worum es mit dem geschriebenen Wort geht. Poetry Slam - quasi als hohe Schule des Ganzen - sieht die Dresdnerin eher am Ende eines mehrtägigen Workshops. "Aber es ist ein kleiner Anfang", meinte sie.

Im Mai war Kaddi Cutz schon einmal in der Saydaer Oberschule, und auch Jasmin aus der Klasse 9 war damals schon dabei. Für sie sind Gedichte, darunter auch von der bekannten Poetry-Slamerin Julia Engelmann, "etwas, um Lebensmut zu finden". Sie sieht einen tiefen Sinn darin und könnte sich selbst vorstellen, "nebenbei zu schreiben". Roy Franke aus der Klasse 8 findet die "Unverwechselbarkeit beim Schreiben mit ihren Wendungen und Überraschungen gut", wie er sagte. Kevin Schellenberger aus der Klasse 8 fand den Workshop spaßig und interessant, das Schreiben jedoch sei für ihn die "falsche Richtung".

Für Kaddi Cutz stand am Ende die Auswertung an. "Manche Schüler tragen ihre Arbeit gern vor, andere wollen es nicht", sagte sie. Das müsse man respektieren. Das Ziel des gestrigen Tages: "Es soll Freude machen, etwas zu schreiben - ganz ohne Bewertungsgedanken", fasste sie zusammen. Das Projekt "Lesescouts" der Stiftung Lesen, bei dem Jugendliche ihre Begeisterung zum Schreiben entdecken sollen, läuft seit 2006 an Schulen in Sachsen.


Was ist ein Poetry Slam?

Der Begriff "Poetry Slam" kann mit "Dichterschlacht" übersetzt werden. Autoren (Slammer) tragen ihre selbst geschriebenen Texte vor. Eine festgelegte Zeitspanne, meist etwa fünf Minuten, darf dabei nicht überschritten werden. Requisiten oder Verkleidungen sind verboten, Gesang nur in geringen Maßen erlaubt. Das Publikum stimmt am Ende über den Gewinner ab. Poetry Slams entwickelten sich in den 1980ern in Chicago, heute finden sie überall auf der Welt statt. (pc)

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