Wasserrad kann sich wieder drehen

Das in Mulda restaurierte Modell aus dem Jahr 1990 ist unter Tage angekommen. Im Besucherbergwerk Reiche Zeche soll es künftig aber nicht nur die neue Entdeckertour bereichern.

Freiberg.

Montagmorgen kurz nach halb acht hält ein Kleintransporter vor dem Förderhaus des Forschungs- und Lehrbergwerks der TU Bergakademie Freiberg auf der Reichen Zeche. Mühlenbauer Nico Wagener und sein Kollege, Metallbauer Tom Körner, haben eine ganz besondere Fracht auf der Ladefläche. Beide arbeiten für das Unternehmen Mühlenbau-Metallbau Gottfried Schumann in Mulda. Dort wurde in den vergangenen acht Wochen ein 1,20 Meter großes Wasserrad wieder hergestellt, das ein nicht unwesentlicher Bestandteil der neuen Entdeckertour des Silberbergwerks werden soll. Und es soll Gäste der am 25. April in Zwickau beginnenden 4. Sächsischen Landesausstellung mit dem Thema Industriekultur in Freiberg unter Tage locken. Die Reiche Zeche ist einer der Schauplätze der Ausstellung.

Nico Wagener und Tom Körner machen sich an das Abladen ihrer Fracht. Holzteil um Holzteil schaffen sie zunächst in den Raum vor den zwei Förderkörben. Marco Alicete, verantwortlicher wissenschaftlicher Mitarbeiter des Silberbergwerks und Mitglied des Fördervereins "Himmelfahrt Fundgrube", der die Führungen unter Tage ermöglicht, strahlt. Seine Freude ist groß, dass das Rad nun endlich wieder da ist. "Das Modell wurde Mitte der 1990er-Jahre von einem ABM-Arbeiter geschaffen", erzählt er. "Das Interessante ist, dass dieser Mann sich im Zuge der Vorbereitungen für die Landesausstellung bei uns gemeldet hat und nun Mitglied im Verein ist." Das Rad selbst war mit den Jahren schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. "Sämtliche Holzteile mussten erneuert werden", sagt Nico Wagener. Die meisten Metallteile sind aber noch original erhalten geblieben. Das Rad wiegt jetzt gut 60 Kilogramm. "Es sieht zwar klein aus, braucht aber den gleichen Arbeitsaufwand wie ein größeres Mühlrad", berichtet Wagener.

Eine Schwierigkeit musste außerdem noch gemeistert werden, denn der Platz, an dem die Wasserkunst - so wird das Rad in seiner Gesamtheit von den Bergleuten genannt - früher aufgebaut war, steht nicht mehr zur Verfügung. Deshalb musste eine große Nische in den Fels gesprengt werden, die allerdings eine geringere Höhe hat. "Die Wasserkunst musste dafür etwas gekürzt werden", erläutert Tom Körner.

Der Transport mit den Förderkörben stellt allerdings keine Hürde dar. Das Rad passt am Stück hinein. Alles andere wurde soweit zerlegt, dass es problemlos gestapelt werden kann. "Die Einzelteile haben wir aber nicht gezählt", sagt Nico Wagener. Auf der Fahrt hinab erklärt er auch noch, dass das Holz keiner besonderen Behandlung bedarf, um in 147 Metern Tiefe lange durchzuhalten. "Der größte Feind ist UV-Strahlung", erzählt er. "Früher haben die Leute Leinölfirnis aufgetragen, aber am besten sind stetig gleichbleibende Temperaturen und wenig Sonnenlicht." Letzteres ist im Silberbergwerk erst einmal nicht zu erwarten.

Die Restaurierung der Wasserkunst ist ein Projekt des Fördervereins "Himmelfahrt Fundgrube" gemeinsam mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung. "Wir sind für deren Unterstützung sehr dankbar", sagt Marco Alicete. "Allein mit unseren Mitteln hätten wir das nicht schaffen können."

Nachdem die Wasserkunst aufgestellt ist, gibt es noch einige Nacharbeiten, so wird zum Beispiel eine Leitung verlegt, damit das Rad durch Wasserkraft angetrieben wird und so künftig den Besuchern einen guten Eindruck von Kunst und Können unter Tage vermittelt.


Einen Monat für
nur 1€ testen.
Verlässliche Informationen sind jetzt besonders wichtig. Sichern Sie sich hier den vollen Zugriff auf freiepresse.de und alle FP+ Artikel.

JETZT 1€-TESTMONAT STARTEN 
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.