Wasserräder im Hammerwerk stehen still

Wie die drei schweren Schmiedhämmer werden auch die beiden Blasebälge im Frohnauer Hammer durch das Wasser der Sehma angetrieben - wenn nicht gerade Mühlenbauer am Werk sind.

Frohnau/Mulda.

Verdächtig ruhig ist es in diesen Tagen im Frohnauer Hammer. Der Grund dafür ist schnell ersichtlich: Die drei schweren Schmiedehämmer stehen still. Das Klopfen, das dennoch in unregelmäßigen Abständen aus den alten Mauern dringt, kommt von Nico Wagener und Patrick Einenkel, den Mühlenbauern aus Mulda. Sie reparieren seit Beginn dieser Woche das historische Wasserrad, das für den Antrieb der beiden Blasebälge verantwortlich ist.

Und die Arbeiten gestalten sich aufwendiger als ursprünglich geplant. Sollten eigentlich nur drei bis vier der hölzernen Schaufeln gewechselt werden, erfolgt nunmehr ein nahezu kompletter Austausch, erläutern die beiden Handwerker, die zu einer der traditionsreichsten Firmen in Sachsen gehören: 1878 ist sie gegründet worden - vom Urgroßvater des heutigen Inhabers Gottfried Schumann, der das Unternehmen seit 1990 führt und insbesondere für seine Arbeit im Bereich der Denkmalpflege schon mehrfach ausgezeichnet worden ist. Und der Frohnauer Hammer gilt immerhin als das älteste Schmiedemuseum Deutschlands - hervorgegangen aus einer im Mittelalter errichteten Getreidemühle. 1621 ist die alte Mühle zum Hammerwerk ausgebaut worden, das dann bis 1904 in Betrieb war, besagen die Aufzeichnungen. Nun soll das Technische Museum als eines der bekanntesten Ausflugsziele im Erzgebirge fit gemacht werden für das deutlich höhere Besucheraufkommen, das mit dem kürzlich verliehenen Welterbetitel erwartet wird, kündigt Stadtsprecherin Nicole Gräbner an. "Als einer der wichtigsten Standorte der Montanregion ist der Frohnauer Hammer für Besucher von besonderem Interesse", argumentiert sie. Und den Gästen soll natürlich ein vollkommen funktionstüchtiges Hammerwerk vorgeführt werden. Handwerker und Museumsteam gehen davon aus, dass das ab dem morgigen Freitag wieder uneingeschränkt möglich ist. Bis dahin müssen aber noch der Boden des Wasserrades, durch den das Wasser zuletzt schon durchgetropft war, und die Lagerschalen an den beiden Zapfen ausgetauscht werden. Damit ist dann die größte Reparatur für dieses Jahr erledigt, erläutert Museumsleiter Wolfgang Blaschke.


Wasserräder und vieles mehr

Mehr als 120 Wasserräder hat Gottfried Schumann, gelernter Werkzeugmacher und Schlossermeister, in seinem Berufsleben gebaut. 1978 war er in die Mühlenbaufirma seines Vaters Reinhold Schumann eingestiegen, deren Wurzeln bis ins Jahr 1870 reichen. Auf die Frage, welches Projekt ihn am meisten bewegt hat, erklärte Gottfried Schumann einmal: "In der Klostermühle Thierhaupten bei Augsburg liegt noch ein Stück von mir." Schumann zeigte dabei seine rechte Hand - ein Stück seines kleinen Fingers fehlt. Mitte der 1990er-Jahre erneuerte er das dortige Wasserrad und hatte dabei den Arbeitsunfall. Glücklicherweise büßte er nicht den ganzen Finger ein. "Sonst könnte ich die rechte Hand nicht mehr benutzen."

Doch er konnte weiterbauen. Sein bisher kleinstes (Modell)-Wasserrad misst gerade mal 80 Zentimeter Durchmesser, lag lange als Leihgabe im Depot des Chemnitzer Schlossbergmuseums und steht jetzt in seiner Firma. Das bisher größte Wasserrad aus Mulda dreht sich in der Saline im Bad Nauheimer Ortsteil Schwalheim bei Frankfurt am Main. Es hat einen Durchmesser von 9,80 Metern. Vier Paletten mit Eichen- und Lärchenholz hat er verarbeitet: 88 Schaufeln, 88 Riegel und 96 Kranzteile gehören zum Wasserrad, das 20Tonnen schwer ist. Ein weiteres Projekt war auch der Einbau der Welle im Frohnauer Hammer, wo die Firma nun wieder tätig ist. (hh)

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