Wie im Krimi

In loser Folge lässt die "Freie Presse" die Zeit seit Januar Revue passieren und ruft Ereignisse aus den vergangenen Monaten in Erinnerung. Heute: Die Kriminalfälle des Jahres.

Freiberg.

Mord, Totschlag, Raubüberfall oder Brandstiftung - was täglich in einem Fernseh-Krimi als erfundene Geschichte ein Millionenpublikum fasziniert, schockiert, wenn das Verbrechen vor der eigenen Haustür passiert. Auch in den zurückliegenden Monaten haben Kriminelle die Menschen aus Mittelsachsen in Atem gehalten. Eine Auswahl von aufsehenerregenden Fällen hat die "Freie Presse" zusammengestellt:

Politik ist vielschichtig, ja streitbar, denn alle Meinungen kriegen die Verantwortlichen in den wenigsten Fällen unter einen Hut. Wenn aber nicht mehr debattiert wird, sondern Politiker um ihr Leben fürchten müssen, ist dies ein Fall für den Staatsanwalt. In Wechselburg kochte die Stimmung zum Jahreswechsel hoch, als es um eine mögliche Fusion mit der Nachbarstadt Rochlitz ging. Bürgermeisterin Renate Naumann hatte nicht nur verbale Angriffe zu verkraften. Eines Morgens steckten acht Zentimeter lange Nägel in ihren Autoreifen. Da kein Täter ermittelt werden konnte, ist das Verfahren laut Oberstaatsanwältin Ingrid Burghart mittlerweile eingestellt worden.

Dieser Einbruch wird im Gedächtnis der Einsatzkräfte der Falkenauer Feuerwehr tief verankert bleiben. In der Nacht zu Allerheiligen hatten Kriminelle im Schutz der Dunkelheit das Eingangstor aufgehebelt. Ihre Beute: Schere und Spreizer samt Rettungszylinder. Der Wert: knapp 21.000 Euro. Für Wehrleiter Daniel Müller lag es damals auf der Hand, dass Spezialisten den Einbruch geplant und durchgezogen hatten. In Berlin war wenige Tage zuvor ein Geldtransporter überfallen und dessen Tür mit vergleichbaren Geräten aufgebrochen worden. In Falkenau konnte ebenfalls kein Täter ermittelt werden, weshalb, wie Oberstaatsanwältin Burghart ergänzt, das Verfahren Ende November eingestellt worden war.

Ein Brandstifter konnte in Hainichen genauso wenig gefasst werden. Im Jugendclub Berthelsdorf war am 23. Februar in einem Raum, in dem Brennholz gelagert wurde, ein Feuer ausgebrochen. Die Zwischendecke war danach hinüber und im Boden klaffte ein Loch. Zudem waren die Wände und Decken voller Ruß. Geschätzter Schaden: gut 60.000 Euro. Die Ermittlungen der Polizei sind seit dem Frühjahr abgeschlossen. Ein Tatverdächtiger konnte nicht präsentiert werden.

Eigentümer von Solarparks dürften vermutlich jedes Mal aufatmen, wenn bei einer Stippvisite noch alle Module in der Sonne glitzern. Denn eine Diebstahlserie hält die Polizeibeamten seit Monaten auf Trab. Nur ein Beispiel: Im Juli fehlten plötzlich knapp 270 Solarmodule auf einem Dach eines Stalls im Frauensteiner Ortsteil Dittersbach. Offenbar wurden die Gauner gestört. Schließlich ließen sie sechs Module zurück, die für den Abtransport bereitlagen. Schaden: rund 30.000 Euro. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Der zuständige Kriminaldienst aus Freiberg beschäftigt sich, wie Polizeisprecher Andrzej Rydzik erklärt, "intensiv mit diesem und acht weiteren ähnlich gelagerten Fällen, die seit Juni passiert sind". Offenbar handelt es sich um eine Bande, die die Beute außerhalb Deutschlands zu Geld macht. Das Vorgehen ist laut Rydzik nahezu identisch.

Einen dicken Fang hat die Polizei zu Jahresbeginn im Leubsdorfer Ortsteil Marbach an Land gezogen. 100 Cannabispflanzen sind bei einer Hausdurchsuchung sichergestellt worden. Die beiden damals 38 Jahre alten Tatverdächtigen wurden erstinstanzlich zu Freiheitsstrafen verurteilt, der eine ohne Bewährung, der andere mit. Der Fall wird bald auch das Landgericht beschäftigen. Denn die Berufung läuft.

Ein sexueller Übergriff im Johannisbad hat Mitte Oktober in Freiberg für Aufsehen gesorgt. Ein 56 Jahre alte Iraner soll zwei Mädchen, das eine 10, das andere 16 Jahre alt, und eine 21-jährige Frau unsittlich angefasst haben. Die Anklage ist am Amtsgericht Chemnitz erhoben, ein Termin für die Verhandlung steht jedoch bisher nicht fest. Was der Beschuldigte seinen Opfern genau angetan hat, wird bis dahin im Dunkeln bleiben. Oberstaatsanwältin Burghart nennt keine Details und begründet dies mit dem Opferschutz. Sie merkt aber an, dass kein Beischlaf vollzogen wurde. Der Beschuldigte sitzt seit Wochen in der Justizvollzugsanstalt Dresden in Untersuchungshaft.

Die Zeit der Banküberfälle ist eigentlich vorbei - zu gefährlich, zu wenig Beute, zu groß die Gefahr, geschnappt zu werden. Seit Jahren sinkt denn auch die Anzahl. 2017 zählte das Bundeskriminalamt 139 Raubüberfälle auf Banken und Postfilialen. 2007 waren es noch 418. Der Trend dürfte sich in diesem Jahr fortsetzen. Dennoch versetzte Mitte August ein maskierter Räuber die Mitarbeiter einer Sparkassen-Filiale in der Gemeinde Striegistal in Angst und Schrecken. Mit gezückter Pistole forderte er Geld - erfolglos. Ohne Beute flüchtete er. Seither fahndet die Polizei nach dem Täter.

Ein erschossener Hund hat für eine lebhafte Debatte in Geringswalde gesorgt: War es richtig, das Tier zu töten oder war es falsch? Am Morgen des 20. August war es am Großteich zu einer brenzligen Situation gekommen. Ein ausgebüxter American Stafford-Mischling rannte auf eine Mutter und deren Tochter zu. Offenbar hatte der Mischling deren Labrador im Visier. Die Frau verhedderte sich in der Leine ihres Hundes, stolperte und stürzte. Polizeibeamte waren bereits vor Ort, da der American Stafford-Mischling Minuten zuvor einen Chihuahua attackiert hatte. Eine der Einsatzkräfte zog die Pistole, wie es hieß aufgrund von "Gefahr in Verzug", und erschoss das Tier. Die Ermittlungen sind bisher nicht abgeschlossen.

Bei einem Gewaltexzess, der tagelang Stadtgespräch in Brand-Erbisdorf war, sieht es anders aus. Seit Wochen sitzen die vier Beschuldigten in Untersuchungshaft. Ein Ende ist nicht absehbar. In der Nacht zum 14. September hatten fünf junge Leute im Alter zwischen 15 und 20 Jahren - der fünfte Beschuldigte ist auf freiem Fuß - einen 37-jährigen Mann so brutal verprügelt, dass er schwer verletzt in eine Klinik kam. Nachdem das Opfer in einer Wohnung an der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße malträtiert und ausgeraubt wurde, legten sie den Mann in einem Waldstück ab. Eine Anklage am Chemnitzer Landgericht wurde Ende November erhoben. Der Vorwurf: schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung. Wie Oberstaatsanwältin Burghart bemerkt, gibt es bislang keinen Termin für den Prozessauftakt.

Der aufsehenerregendste und der vermutlich grausamste Kriminalfall dieses Jahres geschah am 17. Oktober in Geringswalde. Eine 30-jährige Frau wurde mit Messerstichen übersät leblos in ihrer Wohnung aufgefunden. Der mutmaßliche Täter: ihr Ex-Freund. Bei dem 32-Jährigen klickten einen Tag später am Hamburger Flughafen die Handschellen. Die Kripo ermittelt weiter. Zurzeit wird geprüft, ob der Beschuldigte schuldfähig ist.

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