Würstchen im Schottenrock

Hier steht, was wirklich wichtig ist. Heute: Wenn das Benzin zu teuer ist, nimmt man eben Whisky.

Freiberg/Augustusburg.

Reden wir zur Abwechslung mal über was Wichtiges. Zum Beispiel über Esskultur: Im ehemaligen Ochsenstall von Schloss Augustusburg wurde ein edles Tröpfchen eingelagert. Es handelt sich weder um einen Spätburgunder Schweißherbst, noch um den berühmten Kröver Nacktarsch - jenen Wein, den man an der Mosel benutzt, um ungezogenen Touristen den Hintern zu versohlen.

Es handelt sich gar nicht um Wein. Sondern um einen original sächschen Wiski. Über die Schreibweise muss man sich nicht wundern: Vor mehr als 100 Jahren haben die Iren dem Whisky ein "e" beigefügt, um jedermann klar zu machen, dass ihr Whiskey besser schmeckt als der aus Schottland. Warum also sollen wir Sachsen unseren Wisky nicht so schreiben, wie es uns gerade in den Sinn kommt? So ist gleich jedem klar, dass unser sächsischer Witzky eine ganz besondere Daumenfreude ist. Daumen hoch!

Wer am bevorstehenden Wysky-Goldrausch verdienen will,kann sich jetzt schon Anteilsscheine sichern. Der Schlosswiskie ist eine top-sichere Anlage, fast so wie damals die Aktien der Lehman Brothers. Das Derivat, äh, Destillat, kann zwar auslaufen, wenn der Borkenkäfer beim Fass auf den Geschmack gekommen ist (Bäume hat er ja nicht mehr zur Verfügung). Aber wenn das Anlageobjekt dann verflossen ist, hat man wenigstens einen Erkenntnisgewinn.

Ohnehin muss man damit rechnen, dass sich der Geist verflüchtigt. Das kennen wir ja von Diskussionen in den "sozialen" Netzwerken. Der Unterschied: Beim erzgebirgischen Whisky ist der Substanzverlust ein Ausdruck zunehmender Reife. Mit der Zeit sinkt der Alkoholgehalt von 63 auf 46 Prozent.

Aber auch jenseits der Prozente sieht man wieder mal, dass wir Mittelsachsen mit den Schotten viel gemeinsam haben. Nicht nur, dass bei uns öfter mal Land unter ist. Sondern es gibt auch so manches Loch. Wer ein solches Loch trockenlegen will, darf allerdings nicht die Frösche fragen. Denn die reden ja eh nur Quak. Und kampieren vor der Stadtratssitzung im Freien, anstatt eins unserer alteingesessenen Hotels zu nutzen. Ein weiteres Loch gibt es wohl bald auch im Freiberger Stadtsäckel, weil der Museumsanbau wohl teurer wird als geplant. A propos Säckel: Auch der Dudelsack hat ja bei uns eine lange Tradition. Da gab es doch sogar diesen berühmten Dudelsackbauer, der die Pfeifen neu anordnete. In Kleinbobritzsch ist er geboren. In Großhartmannsdorf, Oederan, Frankenstein, Niederschöna, Helbigsdorf, Oberbobritzsch, Ringethal und gleich viermal in Freiberg sind seine berühmten Dudelsäcke zu finden. Jaja, und die Presse produziert mal wieder nur heiße Luft.

Nein, jetzt mal im Ernst: Wir Sachsen haben wirklich viel mit den Schotten gemeinsam. Nicht nur, dass wir vom Rest des Landes nicht verstanden werden. Sondern auch, dass wir sparsam sind. Die Freiberger Umgehungsstraße zum Beispiel kostet den Steuerzahler fast nichts. Beim Kleidungsstil sind uns die Schotten natürlich voraus. Aber bestimmt kommt bald der erste Schottenrock aus erzgebirgischer Klöppelspitze auf den Markt.

Nun gibt es bestimmt Leute, die angesichts von Männern im Rock gleich wieder den "Gender-Wahn" am verregneten Himmel aufziehen sehen. Nur zur Beruhigung: Mit dem Gender-Wahn der Schottinnen und Schotten haben wir Sächsinnen und Sachsen überhaupt nichts am Hut. Und wo ist denn jetzt schon wieder die Salzstreuerin?

Der Haggis muss noch gesalzen werden. Mit dem Haggis verhält es sich übrigens wie mit der Toten Oma, womit wir die nächste Gemeinsamkeit haben: Beide sehen schlimmer aus, als sie schmecken. Was aber noch lange nicht heißt, dass sie gut schmecken. Leserbriefe zu diesem Thema senden Sie bitte an die mittelsächsische Vegetarierinnung. Dort werden sie gleich verwurstet.

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