Seelitzer Brunnendörfer sollen ans Trinkwassernetz

Der zuständige Zweckverband hat den Anschluss von Grundstücken in Beedeln und Bernsdorf auf der Agenda. Anwohner berichten von Wassermangel und schlechter Wasserqualität.

Bernsdorf/Beedeln.

Auf frisches Wasser aus der Leitung können sich voraussichtlich bald alle Anwohner der Seelitzer Ortsteile Beedeln und Bernsdorf Hoffnung machen. So gibt es vom zuständigen Wasserzweckverband "Mittleres Erzgebirgsvorland" (ZWA) mit Sitz in Hainichen für beide Ortschaften Pläne, sie weiter beziehungsweise überhaupt ans Trinkwassernetz anzuschließen.

Der Ortsteil Beedeln wurde bereits in der Vergangenheit öffentlich mit einer Wasserleitung erschlossen, wobei Teile im Bereich der Bundesstraße 107 - konkret vier Grundstücke - in diesem Jahr noch angeschlossen werden sollen. Das hat Ulrich Pötzsch, Technischer Geschäftsleiter beim ZWA, auf Anfrage der "Freien Presse" mitgeteilt.


Die Grundstückeigentümer im Ortsteil Bernsdorf sollen im ersten Quartal schriftlich zum Thema befragt werden. Frühestens 2020 könnte der Anschluss realisiert werden. Wer noch nicht ans Netz angeschlossen ist, bezieht sein Wasser in den Ortsteilen aus Brunnen, informiert der Seelitzer Bürgermeister Thomas Oertel (parteilos).

Sowohl hinsichtlich der Menge als auch bei der Qualität weist das Wasser vor Ort derzeit Probleme auf, so Ulrich Pötzsch. Auch seien die vorhandenen Wassersysteme störanfällig, teilt er mit. Die Kosten für die Erschließung seien noch nicht abschließend ermittelt, auch die Förderung sei noch vage. Fördergeld könnte aus dem EU-Programm "Leader" fließen. Bei Anschluss wäre jedes Grundstück laut Pötzsch mit rund 4500 Euro beteiligt - eine Summe aus Baukostenzuschuss und Hausanschlusskosten. 70 Prozent der Grundstücke müssten bereit sein, sich anschließen zu lassen. Im Gebiet des ZWA seien derzeit 95,5 Prozent ans Trinkwassernetz angeschlossen, sachsenweit sind es 99,5 Prozent.

Der Bernsdorfer Reinhard Volke will erst einmal die Information durch den ZWA abwarten. Nach wie vor sei die Lage aber besonders schlimm. Er, seine Frau und deren Eltern im Nachbarhaus teilen sich einen elf Meter tiefen Brunnen. "Seit dem Sommer ist der versiegt. Es reicht nicht, um da etwas rauszupumpen. Die vielen Niederschläge, die der Dezember gebracht hat, sind im Brunnen noch nicht angekommen, das wird frühestens im Februar der Fall sein", erläutert Volke. Schon mal saß er auf dem Trockenen, behalf sich vor gut zwei Jahren mit einem 1000-Liter-Wassertank, den er regelmäßig füllen ließ. Aktuell hat er eine andere "Notlösung" gefunden, die Volke nicht konkretisierte.

Mit der Wassermenge hat Stefan Geißler, Grundstückseigentümer in Bernsdorf, kein Problem, dafür aber mit der Qualität in Bezug auf den Nitratgehalt. Die Stickstoffverbindung kann etwa durchs Düngen in der Landwirtschaft ins Grundwasser gelangen. Bei der Konzentration sei das Wasser stets nah am Grenzwert für Trinkwasser. "Durch die schlechte Qualität faulen Anschlüsse weg, es kann bis zum Rohrbruch gehen". Die Investition in den zentralen Anschluss würde er befürworten.

Laut Bürgermeister Thomas Oertel sind in Bernsdorf 13 Grundstücke mit 19 Haushalten auf Brunnen angewiesen. Die Bernsdorfer hatten vor einigen Jahren auf einer Liste für den zentralen Anschluss unterschrieben, die die Gemeinde an den ZWA weiterreichte. "Ich begrüße die zentrale Erschließung auf alle Fälle, das ist eine Verbesserung der Lebensqualität", so der Ortschef. In den vergangenen Jahren sei Gleiches schon in Döhlen erfolgt, der ZWA übernahm dafür ein bestehendes Rohrsystem zweier Wassergenossenschaften. Brunnendörfer gebe es in Seelitz zum Beispiel noch mit Pürsten. Hier sei von den Einwohnern aber noch kein Handlungsbedarf angemeldet worden.

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