Darf Honig Zucker beigemischt werden?

Seit längerem beschäftigt mich eine Frage zum Honig. Wir haben günstigen Honig gekauft, er beinhaltet 70 Gramm Zucker pro 100 Gramm. Bei teurerem Imkerhonig fehlt eine solche Angabe. Wird also bei preiswerterem Honig Zucker zugemischt? (Diese Frage hat Jan Ihmels aus Geyer gestellt.)

Seit dem 13. November 2014 gilt in Deutschland die Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV), die die bis dahin gültige europäische Etikettierungsrichtlinie, die deutsche Kennzeichnungsverordnung sowie die europäische und die deutsche Nährwertkennzeichnungsverordnung ablöste. Ziel der LMIV ist es, Verbraucher über den Inhalt von Verpackungen zu informieren, um sie vor Täuschung und Gesundheitsgefährdungen zu schützen.

Und natürlich haben die Macher der LMIV auch den Honig im Blick gehabt. Angegeben werden muss beispielsweise die Verkehrsbezeichnung (Blütenhonig, Waldhonig usw.), die Nettofüllmenge, das Ursprungsland, das Mindesthaltbarkeitsdatum oder die Anweisung für die Aufbewahrung (zum Beispiel "Lagerung: trocken, kühl, dunkel"). Eine Nährwertdeklaration oder ein Zutatenverzeichnis ist nicht erforderlich, also auch keine Zuckergehalt-Angabe. Denn Honig besteht ja überwiegend aus Zucker, hauptsächlich aus den Zuckerarten Fructose (Fruchtzucker, 27 bis 44 Prozent) und Glucose (Traubenzucker, 22 bis 41 Prozent) sowie Wasser (15 bis 21 Prozent, Heidehonig bis 23 Prozent). Da Honig als Naturprodukt verkauft werden muss, macht eine Angabe des Zuckergehaltes eigentlich keinen Sinn. Doch manche Einzelhändler haben wohl in Unkenntnis der LMIV eine solche Kennzeichnung von ihren Zulieferern verlangt.

Honig darf überhaupt nichts zugesetzt werden, nicht einmal Wasser. Das gilt auch für preiswerten Honig. Die Preisunterschiede kommen zustande, da Honig auch aus dem Ausland importiert und beigemischt werden kann. Auch ist die Nachfrage nach Sortenhonig oft höher, was eben den Preis nach oben treibt.

Vielleicht werden Sie sich jetzt fragen, ob Honig bei einem solch hohen Zuckergehalt tatsächlich ein gesundes Lebensmittel sein kann. Gesünder als Zucker ist er allemal. Denn 100 Gramm Honig enthalten außerdem 0,2 Gramm Mineralstoffe (so Kalzium, Kalium, Natrium, Chlor). Daneben finden sich in ihm auch Enzyme, Aminosäuren, Spurenelemente (Eisen, Zink, Kupfer) und Vitamine (Vitamin C, Thiamin, Riboflavin und Niacin). Honig wird zudem eine entzündungshemmende, antibiotische und antiallergische Wirkung nachgesagt. Abnehmen kann man mit dem leckeren Brotaufstrich aus der Natur leider nicht: Honig hat einen relativ hohen Energiegehalt, er liegt bei etwa 320 kcal pro 100 Gramm. Auch den Zähnen tut er gar nicht gut. (MQU )

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