Warum hat man die Nord-Stream-Pipeline nicht dicker gebaut?

Warum wird die Trasse der Ferngaspipeline Nordstream 2 fast identisch wie Nordstream von 2011 verlegt? Hätte man gleich zwei Leitungen verlegt oder die eine größer gebaut, hätten die Kosten diesmal vielleicht nicht zehn Milliarden Euro betragen. (Diese Frage hat Monika Lippmann aus Chemnitz gestellt.)

Die Erdgaspipelines Nord Stream und Nord Stream 2 werden seit einiger Zeit politisch intensiv diskutiert. Seit Oktober 2012 bezieht Deutschland über die durch die Ostsee verlegte Trasse direkt aus Russland Erdgas - etwa 55 Milliarden Kubikmeter jährlich. Davor kam das meiste Gas über eine an Land verlegte Pipeline, die durch die Ukraine und Polen führt. Neben diesen beiden osteuropäischen Staaten kritisieren derzeit vor allem die USA Nord Stream und Nord Stream 2. Diese würden Deutschlands Abhängigkeit von Russland in Energiebelangen erhöhen. Eine Rolle dürfte aber auch spielen, dass die USA gerne mehr von ihrem eigenen Erdgas an Deutschland verkaufen würden. Geliefert in flüssiger Form mittels Tankschiffen.

Was oft übersehen wird: Bereits die erste Pipeline - Nord Stream - besteht aus zwei parallel verlegten Strängen. Die derzeit im Bau befindliche Nordstream 2 wird zwei weitere Stränge auf dem Ostseeboden verlegen. Es gibt dann also insgesamt vier Röhren, durch die russisches Gas nach Deutschland gelangt. Die mögliche Liefermenge beträgt dann über 100 Milliarden Kubikmeter Erdgas jährlich. Derzeit verbraucht Deutschland - je nachdem wie kalt die Winter sind - in etwa so viel. Der komplette Bedarf könnte also davon gedeckt werden. Die Betonung liegt auf "könnte": Ein Teil dieses russischen Gases geht an andere Länder, vor allem die Schweiz und Frankreich.

Pipelines - egal ob für Gase oder für Erdöl - sind technisch anspruchsvoll und können daher nicht mit beliebig großem Durchmesser gebaut werden. Was Erdgaspipelines angeht, gibt es kaum welche mit mehr als 1,2 Meter Innendurchmesser. Die Stränge der Nord Stream und Nord Stream 2 haben einen Durchmesser von 1,153 Metern. Sie sind aus Stahl gefertigt mit einer Wanddicke von 27 bis 41 Millimetern, wobei die stärkeren Dicken für größere Tiefen vorgesehen sind, wo größere Drücke vorherrschen.

Die einzelnen Rohre der Nord-Stream-Pipelines haben eine Länge von 12 Metern und werden in Sassnitz und der finnischen Stadt Kotka mit Spezialbeton ummantelt. Dieser verhindert, dass die Rohre durch das Erdgas Auftrieb erhalten. Bis zu 24 Tonnen ist dann eines dieser Rohrsegmente schwer. Sie werden von Transportschiffen zu sogenannten Rohrlegern gebracht. Das sind spezielle Arbeitsschiffe, die Pipelines auf dem Meeresgrund verlegen können. Zunächst werden zwei der Rohrsegmente miteinander verschweißt. Dann wird diese Schweißnaht mit Ultraschall untersucht.

Schließlich wird dieses dann 24 Meter lange Doppelrohr mit dem Hauptstrang verschweißt. Auch hier erfolgt danach die Untersuchung der Schweißnaht. Ist alles in Ordnung wird um die Naht eine Schrumpfschlauchmanschette gelegt, die schließlich noch mit einem Schaum aus Kunststoff ummantelt wird. Der ausgehärtete Schaum bietet an den Nahtstellen zusätzlich Schutz. Danach wird das nächste Doppelrohr verschweißt.

Die Durchmesser größer zu machen, ist technisch nicht möglich. Ein Grund: Zum Transport des Erdgases wird in jedem Strang der Pipeline ein Druck erzeugt. Je größer der Durchmesser des Rohres, umso mehr Druck ist nötig. Die Effizienz sinkt also, je größer der Durchmesser gewählt wird. Ein zweiter Grund, warum zwei Rohre wirtschaftlicher sind: Sollte es einmal einen Defekt geben und eine Reparatur nötig sein, ist das andere Rohr weiter nutzbar. (kaip)

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