Warum ist Fassbier teurer als Flaschenbier im Supermarkt?

Ich habe eine Frage zu den unterschiedlichen Preisen von Flaschen- und Fassbier. Nach meiner Kenntnis liegen die Kosten bei industrieller Herstellung von Pils bei ca. 0,25 Euro je Liter. Der durchschnittliche Flaschenpreis (Pils) für den Endverbraucher beträgt ca. 1,20 Euro je Liter, das ist okay. Darin enthalten sind die Kosten für die Herstellung, das Marketing, die Verpackung, die Einzelhandelsspanne und etwas Gewinn für die Brauerei. Für Fassbier der gleichen Sorte verlangt die Brauerei jedoch von den Gastronomen einen Nettopreis von durchschnittlich ca. zwei Euro je Liter. Dies erscheint mir nicht gerechtfertigt und eindeutig überhöht. In diesem Preis sind nicht einmal die Umsatzsteuer und die Einzelhandelsspanne enthalten. Die Abfüllung in 30-Liter-Fässer kann nicht einen so hohen Kostenmehraufwand gegenüber der Flaschenabfüllung erfordern. Also, warum verlangen die Brauereien von den Gastwirten so viel mehr Geld? (Diese Frage hat Hans-Henning Böhm aus Oelsnitz/V. gestellt.)

Die Bierpreis-Frage scheint in der "Szene" nicht sehr beliebt zu sein. Denn Onkel Max fragte beim Deutschen Brauer-Bund nach, doch dort verwies man ihn an den Verband des Hotel- und Gaststättengewerbes, der ihn daraufhin wieder zurück an den Brauer-Bund verwies. Von der Uni Hohenheim mit ihren zahlreichen Experten, die sich mit Brauereiwirtschaft beschäftigen, gab es nur die Antwort, dass man keine "prägnante Antwort" habe. Onkel Max will trotzdem versuchen, etwas mehr Licht in das Dunkel der Bierpreis-Kalkulation zu bringen.

Wenn wir uns einen Kasten Bier kaufen, läuft das in vielerlei Hinsicht einfacher, als wenn sich ein Gaststättenbetreiber sein Fassbier besorgt. So herrscht beispielsweise im Supermarktsortiment eine extreme Konkurrenz, und der Käufer hat die freie Wahl. Die führt ihn nicht selten dazu, ein billiges Bier zu holen, das vom Hersteller tatsächlich ohne nennenswerten Gewinn verkauft wird. Das Supersonderangebot freut den Handel, weil es Kunden anlockt. Die Hersteller hoffen, dass Konkurrenten weniger Aufmerksamkeit bekommen und der Kunde eine Präferenz für die zeitweise Billigmarke entwickelt und sie auch dann noch kauft, wenn sie wieder teurer wird.

Kneipen- und Restaurantpächter haben hingegen oft einen Vertrag mit einer Brauerei unterschrieben, in dem die Preise festgelegt sind. Einen freien Markt im Sinne einer freien Produktauswahl gibt es da nicht. Wenn der Pächter die Gaststätte haben will, muss er die hohen Preise akzeptieren, die von der Brauerei diktiert werden. Die beteiligt sich allerdings im Gegenzug an Einrichtung und Schanktechnik sowie an notwendigen Renovierungen, und in der Regel liefert sie ja nicht nur das Bier, sondern auch Bierdeckel, Biergläser und andere Accessoires. Man könnte auch sagen, sie holt sich ihre Investitionen über den Literpreis zurück - und den zahlt letztendlich der Gast, der dafür sein Bier in einem mehr oder weniger ansprechenden Ambiente mit mehr oder weniger freundlichem Service trinken darf.

Bleiben noch als weiterer Erklärungsansatz illegale Preisabsprachen. So verhängte das Bundeskartellamt im Januar 2014 eine Geldbuße von insgesamt 106 Millionen Euro über führende Brauereien - darunter auch bekannte Branchenriesen wie Bitburger, Krombacher und Warsteiner - , weil die sich bei den Preisen für ihre Produkte abgesprochen hatten. Doch dabei ging es sowohl um Fass-, als auch um Flaschenbier. Solcherlei Absprachen taugen also nicht unbedingt dazu, den Preisunterschied zwischen den beiden Darreichungsformen zu erklären. (jzl)

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