Warum nannte sich Albino Luciani als Papst gleich Johannes Paul "I."?

Ich frage mich, aus welchem Grund sich Albino Luciani 1978 Johannes Paul I. genannt hat. Wie aus der Liste der Päpste hervorgeht, hat sich jeder Papst, der einen neuen Namen gewählt hat, stets nur mit diesem Namen geschmückt, nicht aber mit einer Zahl. Petrus ist auch nicht Petrus I., sondern nur Petrus, wie seine Nachfolger Linus und Kletus. Dann kommt nach heutiger Zählweise Clemens I., weil es 13 weitere Päpste dieses Namens geben sollte. Clemens nannte sich im Jahr 88 auch nur Clemens, schließlich konnte er nicht voraussehen, dass diesen Namen noch weitere Päpste wählen würden. Albino Luciani hat seinem Namen aber sofort die "I." angefügt, obwohl er auch nicht wissen konnte, dass sich nach seiner kurzen Amtszeit sein Nachfolger auch Johannes Paul nennen würde. (Diese Frage hat Peter Langenhagen aus Limbach-Oberfrohna gestellt.)

Nicht mal Onkel Max kann den nach 33 Tagen Pontifikat am 28. September 1978 verstorbenen Albino Luciani noch fragen, warum er das so gemacht hat. Er hat angeblich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Papst gesagt, er habe wenig darüber nachgedacht, welchen Namen er annehmen soll. Er gibt als Gründe an, Johannes XXIII. (1881- 1963, Papst ab 1958) habe ihn zum Bischof geweiht, dessen Nachfolger Paul VI. (1897 - 1978, Papst ab 1963) zum Kardinal. Der Hamburger Linguist Gunter Presch schreibt dazu in seinem Buch "Namen in Konfliktfeldern: Wie Widersprüche in Eigennamen einwandern", Johannes XXIII. stehe für die Erneuerung der Kirche im Zweiten Vatikanischen Konzil und ihre Öffnung gegenüber der Welt. PaulVI. habe vom so Errungenen vieles wieder zurückgenommen oder gefährdet. Die Kombination binde diese Widersprüche und sei im Grunde ein "gebrochener Name".

Aber warum die römische Ordnungszahl "I."? Ja, es ist ungewöhnlich! Auch der amtierende Papst Franziskus hat sich 2013 keine "I." verpasst, obwohl er nach Lando (913 - 914) der seit 1100 Jahren erste Papst war, der sich einen zuvor nie genutzten Namen gab und man nach so langer Zeit auch mal eine Regel hätte ändern können.

Das könnte man theologisch so deuten, dass Johannes Paul I. mit seinem buchstäblich Kompromiss gewordenen Namen vermitteln wollte, er beginne ein Werk, gegensätzliche Strömungen zu einen, das andere fortsetzen müssten. Mehr Konzept als Name. Wie man heute ausgehend von Versionsnummern in Technik und Software, auch Denkkonzepte mit "1.0", "2.0" et cetera versieht, selbst wenn man nicht weiß, ob der "1.0" je die "2.0" folgen wird.

Man kann es aber auch formal deuten. "Johannes Paul" war in knapp 2000 Jahren Papsttum der erste Doppelname, den sich ein Papst je gegeben hat. Aus zwei zuvor bereits durchnummerierten Papstnamen - Johannes bis zur 23, Paul bis zur 6 - wurde einer, Grund genug für Luciani, eine neue Regel zu setzen? Wir wissen es nicht. Aber möglich wäre es. (tk)

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