Warum sind Wahlprognosen am Wahlabend so genau?

Wie kann es sein, dass die Wahlprognose im Fernsehen unmittelbar nach Schließung der Wahllokale mit dem Endergebnis nahezu übereinstimmt? Und woher weiß man, welche Wähler in welchen Altersgruppen und welchen Geschlechts im Wahlverhalten von einer Partei zu einer anderen Partei gewechselt sind? Das fiel mir besonders bei der Berichterstattung zur Landtagswahl in Sachsen auf. (Diese Fragen hat Rolf Arnold aus Chemnitz gestellt.)

Eine wesentliche Datenquelle der Wahlforschungsinstitute für eine Wahlprognose unmittelbar nach Schließung der Wahllokale kommt ganz einfach zustande: Mitarbeiter dieser Institute befragen Wähler direkt nach Verlassen des Wahllokals, also an dessen Ausgang, welcher Partei oder welchen Kandidaten sie ihre Stimme gegeben haben. Dazu registrieren sie das Geschlecht und stellen ihnen weitere Fragen, etwa nach Alter, Bildungsabschluss, Erwerbstätigkeit, nicht zuletzt danach, wie sie beim letzten derartigen Urnengang, also Landtag, Stadtrat, Bundestag oder Europaparlament, votiert haben. Hat man genügend solcher Datensätze beisammen, bekommt man schon ein recht brauchbares Bild vom Wählerwillen und davon, wie der sich seit der letzten Wahl verändert hat - bis dahin, ob eine Partei mehr von Frauen oder Männern gewählt wird, mehr von Akademikern oder Handwerkern, und wer von einer Partei zu einer anderen gewechselt ist.

Bleibt die Frage: Und wo sind bei diesen Nachwahlbefragungen die Nichtwähler? Das hat Onkel Max kurz vor der sächsischen Landtagswahl am eigenen Leibe erfahren: Ihn hat nämlich, zufällig ausgewählt, am 25. August zu Hause auf Festnetz ein Wahlforschungsinstitut angerufen und ihn in einem rund halbstündigen Telefonat ausführlich zu seinem Wahlverhalten und seiner Meinung zu diversen Themen befragt. Dazu etwa, welchen Parteien er besondere Kompetenz bei der Lösung aktueller Probleme zutraut, welchen verbreiteten Ansichten er zustimmt und welchen nicht. Auch war die Frage dabei, wem Onkel Max bei der Landtagswahl vor fünf Jahren seine Stimme gegeben hat. Bei den Ergebnissen dieser zusammengeführten Umfragen, in die im Lauf des Wahlabends dann immer mehr echte Auszählergebnisse einfließen, sind dann eben auch Nichtwähler dabei.

Übrigens hat am 26. August bei Onkel Max das Smartphone geklingelt, und wieder war das Wahlforschungsinstitut dran. Diesmal lehnte er es ab, an der Umfrage teilzunehmen. Er wollte dabei kein größeres Gewicht einnehmen als ihm zukommt. (tk)

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