Warum verlegt man ein Stromkabel nach Sylt ins Watt?

Unlängst wurde ein neues 110-Kilovolt-Stromkabel nach Sylt verlegt, um zwei alte zu ersetzen. Im streng geschützten Wattenmeer. Warum hat man es nicht im Hindenburgdamm verlegt? (Diese Frage hat Joachim Stark aus Zwickau gestellt.)

Bevor Onkel Max die Frage beantwortet, will er daran erinnern, dass der Hindenburgdamm, der die Nordseeinsel Sylt mit dem Festland verbindet, in nicht allzu ferner Zukunft sein 100-jähriges Bestehen feiert. Dass er nötig wurde, war eine Folge des Ersten Weltkriegs. Wer vor dem Krieg nach Sylt reiste, fuhr mit der Bahn nach Tondern, das seit dem Ende des deutsch-dänischen Krieges zu Deutschland gehörte und zum selben Landkreis wie Sylt. Von dort ging es mit dem Raddampfer zum Sylter Hafen Munkmarsch. Nach dem Krieg nun wurde Tondern dänisch, Sylt verblieb nach einer Volksabstimmung beim Deutschen Reich. Mithin bedurfte es seither eines dänischen Visums, um von Deutschland nach Deutschland zu kommen. Deshalb wurde der Damm für den Eisenbahnverkehr gebaut, der eigentlich schon 1914 in Planung war. 1927 weihte ihn Reichspräsident Paul von Hindenburg ein. Zwar hatten die Dänen die Visumpflicht 1922 durch eine Transitregelung mit plombierten Zügen und Überwachung des Umsteigens auf den Dampfer ersetzt, doch war Dänemark damit nur befristet einverstanden - und nur unter der Bedingung, dass das Deutsche Reich in dieser Zeit eine andere Lösung findet.

Aber nun zur eigentlichen Frage: Die hat Onkel Max an die Schleswig-Holstein Netz AG mit Sitz in Quickborn weitergeleitet. Wie Pressesprecher Fabian Dahlem erläutert, habe die Verlegung des Kabels außerhalb des Hindenburgdamms vor allem statische Gründe: "Die beiden bisher im Hindenburgdamm verlaufenden Kabel wurden stillgelegt und dort belassen und ein neues Kabel außerhalb des Damms verlegt, um dessen Stabilität mit Blick auf den Bahnverkehr nicht zu gefährden", schreibt er. Das neue Kabel wurde ihm zufolge im Rahmen strenger Umwelt- und Naturschutzvorgaben verlegt. So habe es während des gesamten Baus eine naturschutzfachliche Baubegleitung gegeben, um die Auswirkungen auf das Wattenmeer zu minimieren. Die Verlege-Arbeiten wurden mithilfe spezieller Gerätschaften durchgeführt, die besondere Anforderungen hinsichtlich des Naturschutzes erfüllen mussten. So wurden Geräte eingesetzt, die mit einer maximalen Bodenbelastung von 230 Gramm pro Quadratzentimeter weniger Druck auf das Watt ausübten, als ein durchs Watt spazierender Erwachsener. (tk)


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