Was ist aus der Transrapid-Teststrecke geworden?

Ich musste erst nach Schanghai reisen, um die schnellste Bahn der Welt, den Transrapid mit 431 Kilometern pro Stunde, kennenzulernen. Was ist eigentlich aus dem einstigen Testgelände dieser Magnetschwebebahn im Emsland geworden? (Diese Frage hat Eberhard Deichsel aus Breitenbrunn gestellt.)

Ich vermute, die 431 Kilometer pro Stunde, die Sie erwähnen, ist die Geschwindigkeit, die Sie mit dem Transrapid erlebt haben. Tatsächlich hat die Magnetschwebebahn ein Geschwindigkeitspotenzial von 550 Kilometern pro Stunde. Und ja, bisher ist meines Wissens die Trasse von Schanghai zum Flughafen Pudong die einzige Möglichkeit, den Transrapid in der Alltagspraxis zu erleben. In Deutschland sind alle bisherigen Anläufe gescheitert, die im Grunde gute Idee aus dem Status des Prototyps in den der praktischen Nutzanwendung zu überführen. Die Linie Hamburg-Berlin etwa und die vom Münchner Hauptbahnhof zum Flughafen scheiterten an den Prognosen explodierender Kosten.

Seinen Anfang nahm das Verkehrskonzept im Emsland in Niedersachsen. Die erste Teststrecke für den Transrapid wurde dort realisiert. Bei Lathen wurde sie mit einer Länge von 31,8 Kilometern von 1980 bis 1987 erbaut und im selben Jahr in Betrieb genommen.

Erste Planungen für eine 57 Kilometer lange Transrapid-Teststrecke hatte es bereits 1977 in Bayern gegeben. Auf 16 Meter hohen Stelzen sollte sie südlich von Donauwörth im Donauried parallel zur Donau verlaufen. Der Bau scheiterte jedoch am Widerstand der Bevölkerung und insbesondere der Bauern, die ihren Boden für das Projekt nicht verkaufen wollten.

Die Versuchsanlage im Emsland wurde von der Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft mbH und ab 1985 von der Versuchs- und Planungsgesellschaft für Magnetbahnsysteme mbH, einer Tochter der damaligen Deutschen Bundesbahn und der Lufthansa, betrieben. Sowohl wegen des Auslaufens der Fördermittel, als auch des Weiterentwicklungsprogramms für den Transrapid stand im Raum, dass die Teststrecke im Juni 2009 ihre Funktion verlieren würde, da von da an zur Weiterentwicklung des Magnetbahnsystems Erkenntnisse aus dem Praxisbetrieb notwendig sein würden. Mithin sollte eigentlich ab 2010 der Rückbau erfolgen, der aber nach aktuellem Erkenntnisstand bis heute nicht erfolgt ist. Auf dem Versuchsgelände, das heute de facto stillgelegt ist, soll ein Zentrum für Elektromobilität entstehen, auf dem etwa das Laden von Akkus während der Fahrt erprobt werden soll. Schlagzeilen hatte der Testbetrieb zuletzt gemacht, als dort am 22. September 2006 wegen diverser Kommunikationsfehler eine Magnetbahn auf einen auf der Strecke stehenden Wartungswagen auffuhr. Dabei kamen 23 Menschen ums Leben, zehn weitere wurden verletzt.

Bei alldem scheint der Transrapid nicht tot zu sein. Derweil es in Deutschland nicht für eine praktische Anwendung gereicht hat, handelt man nun in China. Vergangene Woche wurde bekannt, dass dort eine 1000 Kilometer lange Trasse für das berührungsfreie Verkehrsmittel geplant ist, mit deren Bau laut amtlicher chinesischer Nachrichtenagentur Xinhua bereits im kommenden Jahr begonnen werden soll. (tk)

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