Was ist ein Tourbillon?

Wie funktioniert ein Tourbillon in einer Uhr? (Diese Frage hat Michael Gebauer aus Eibenstock gestellt.)

Das Tourbillon ist ein hochkomplizierter, entsprechend faszinierender und ebenso teurer Mechanismus, der heute hauptsächlich aus Prestigegründen in hochpreisige Armbanduhren eingebaut wird - ähnlich, wie man teure Alltagsautos gern mit repräsentativer, praktisch aber überflüssiger Rennsport- oder Gelände-Technologie ausstattet.

Theoretisch soll das Tourbillon als spezielle Lagerung der Unruh die Ganggenauigkeit einer mechanischen Uhr verbessern. Diese benötigt, um die Zeit über einen möglichst langen Zeitraum genau anzuzeigen, zwei Dinge: ein exaktes Werk und einen konstanten Taktgeber - den sogenannten Gangregler. Ersteres muss die Drehbewegung, die zweiterer erzeugt, in Sekunden, Minuten und Stunden "übersetzen". Winzige Fehler, die dabei rein mechanisch über die Zahnräder entstehen, summieren sich dabei mit der Zeit auf - die Uhr geht dann entsprechend vor oder nach. Aufwändig gebaute Werke minimieren den Effekt.

Herzstück des Ganzen ist aber der Gangregler. Bei kleinen, tragbaren Uhren handelt es sich dabei um die sogenannte Unruh, bei der eine von einer vorgespannten Feder angetriebene Spiralfeder gleichmäßig schwingt. Essenziell dabei ist, diese Gleichmäßigkeit lange aufrecht zu halten, denn viele mechanische Faktoren wie Unwuchten, nachlassende Federspannung oder Reibung stehen ihr entgegen. Als man Uhren vor allem als Taschenuhr trug, gab es dabei ein verschärfendes Problem: Die Unruh, in der die schwingenden Massen ja stets leicht ungleich verteilt sind, hing in der Westentasche großteils in einer bestimmten Position - so wirkte die Schwerkraft konstant auf sie ein und brachte sie mit der Zeit leicht aus dem Takt. Um das zu ändern, montierte der Schweizer Uhrmacher Abraham Louis Breguet um 1795 die Unruh in einen Käfig, der sich drehte und die Gangreglung so einem ständigen Schwerkraftrichtungswechsel aussetzte. Dieser Käfig ist das Tourbillon - das französische Wort bedeutet "Strudel" oder "Wirbelwind". Breguet erhielt dafür 1801 ein Patent.

Die Wirkung ist bei Taschenuhren da, aber gering. Die Konstruktion jedoch ist sehr aufwendig, sodass Tourbillon-Uhren deutlich teurer sind als herkömmliche. Günstiger ist es nämlich, die Unruh selbst gut auszuwuchten: Ist hier die Masse gleichverteilt, wird das Tourbillon überflüssig. Trägt man die Uhr per Armband, ist der Effekt sogar de facto Null, da die Unruh am Handgelenk sowieso die Position zur Erde ständig ändert - Schwerkrafteinflüsse werden dabei getilgt. Dennoch wird das sich drehende Tourbillon bei exklusiven Armbanduhren gern durch ein Fenster sichtbar gemacht - allein der unstrittigen Faszination der raffinierten mechanischen Lösung wegen. (tim)

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