Was tummelt sich da an den Fenstern unserer Bodenkammer?

Statt der üblichen Fliegen im Frühjahr an unseren Bodenfenstern tummeln sich dieses Jahr an den Fenstern und Gardinen diese Tiere - siehe Foto. Sie hinterlassen eklige Flecken und können auch fliegen. Können Sie mir sagen, was das für Insekten sind und wo sie dieses Jahr auf einmal herkommen? (Der Absender dieser Frage lebt im Landkreis Mittelsachsen und ist der Redaktion namentlich bekannt.)

Bei dem abgebildeten Insekt handelt es sich, wie Claus Zebitz von der Universität Hohenheim erklärt, um ein Exemplar aus der Familie der Baumwanzen. Bei der genauen Art ist sich der Entomologe (Insektenkundler) nicht so sicher, weil das Foto zu wenige Details hergibt. Aber vermutlich handelt es sich um die Marmorierte Baumwanze (Halyomorpha halys), die sich in den letzten Jahren hierzulande den Ruf eines landwirtschaftlichen Schädlings erarbeitet beziehungsweise erfressen hat.

Die ursprüngliche Heimat dieser Insektenart ist Ostasien, doch sie lebt mittlerweile als Neozoon (eingeschleppte neue Tierart) auch bei uns. Der erste Nachweis für Europa erfolgte 2007 in der Schweiz, 2011 wurde sie erstmals in Deutschland nachgewiesen, nämlich im Raum Konstanz. Seither breitet sich die Marmorierte Baumwanze hierzulande praktisch überall aus.

Mit bis zu 17 Millimetern Körperlänge ist sie ein relativ großes Insekt, mit einem entsprechend großen Appetit. Zudem stehen nachgewiesenermaßen über 300 Pflanzenarten auf ihrem Speiseplan. Sie saugt an Rosenblättern genauso wie an den Früchten von Pfirsich, Apfel, Birnen, Haselnuss und Wein, und Tomate sowie Aubergine verschmäht sie ebenfalls nicht. Die angebohrten Pflanzenteile verlieren an Kraft und verfärben sich, zudem werden sie bei den Attacken oft mit Schimmelpilzen infiziert. 2016 vernichtete die marmorierte Baumwanze rund 40 Prozent der italienischen Kiwi- und Birnenernte.

Das Problem: Man wird die Wanze nicht ohne weiteres los. "Ihre Bekämpfung gestaltet sich schwierig, da sie recht widerstandsfähig und sehr mobil ist", betont Zebitz. Der Einsatz von Pestiziden zeige meistens nur wenig Wirkung und bringe bekanntlich diverse Nebenwirkungen mit sich. "Man forscht derzeit an Eiparasitoiden, also an Insekten, die gezielt das Eigelege der Wanze befallen und sie dadurch auf biologische Weise bekämpfen", so Zebitz.

Zu den besonders perspektivreichen Bekämpfungsmethoden zählt dabei derzeit die Samurai-Wespe (Trissolcus japonicus). Sie legt ihre eigenen Eier in die Eier der Wanze und ist dabei gnadenlos effektiv. Kürzlich wurde sie daher für einen Testlauf in Südtirol ausgesetzt. Auf die Ergebnisse dieser Aktion darf man gespannt sein. Denn auch wenn die Samurai-Wespe sich - woran kaum Zweifel bestehen - als der erhoffte Schädlingsvernichter zeigen sollte: Sie ist wie die Marmorierte Baumwanze ein Neozoon aus Ostasien. Was dies für das ökologische Gesamtgefüge hierzulande bedeutet, wird sich zeigen. (jzl)

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