Was wurde aus dem "Brunnen der Völkerfreundschaft"?

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Ich habe zu DDR-Zeiten die Allunionsausstellung in Moskau besucht. Auf dem Gelände gab es den wunderschönen Springbrunnen der Völkerfreundschaft. Mich interessiert nun, ob das Gelände noch existiert und ob dieser Brunnen noch steht? (Ursula Keilhack aus Plauen will das wissen.)

Drei Monate lang sollte ab August 1939 die "Allunionsausstellung" in Moskau Errungenschaften der Landwirtschaft aus den unterschiedlichen Sowjetrepubliken der UdSSR präsentieren. Ihr großer Erfolg überraschte sogar die Planer: Rund 3,5 Millionen Besucher kam bis Oktober zu den vielfältigen Themenpavillons. Deshalb beschloss das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei, die Schau in ein ständiges Messegelände umzuwandeln, das sich dann bis zum Zweiten Weltkrieg großer Beliebtheit erfreute. Nach diesem wurde das Gelände erweitert, ab der Wiedereröffnung 1954 wurden auch Erfolge aus Industrie und Wissenschaft einem interessierten Publikum näher gebracht: Mit fast 50 Kulturdenkmälern avancierte die Dauerausstellung über die Jahre zu einer der größten Sehenswürdigkeiten der sowjetischen Hauptstadt.

Zwei gewaltige Springbrunnen trugen sehr zur Attraktivität des Geländes bei: die "Steinerne Blume" und der "Brunnen der Völkerfreundschaft". Eine Architektengruppe kreierte für letzteren einen annähernd kreisförmigen mehrstufigen Schmuck-Springbrunnen, der den Eingangsbereich des Ausstellungsgeländes dominiert. Sein Bau dauerte von 1951 bis 1954, bei der Wiedereröffnung der erweiterten "Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft" (WDNCh) wurde er eingeweiht.

Zusammen mit der umgebenden Freifläche, die mit Rasen, Blumen, Sitzbänken und aufstrebenden säulenähnlichen weißen Leuchten ausgestattet ist, belegt die Springbrunnenanlage eine Fläche von 3723 Quadratmetern mit einem Durchmesser von 170 Metern. Im Inneren eines unregelmäßigen achteckigen Beckens mit den Außenmaßen 81 mal 56 Meter befindet sich ein ovales kaskadenförmiges Bassin, dessen Außenrand von 16 symmetrisch verteilten steinernen Sockeln aufgelockert wird. Das Bassin besteht aus rotem Granit und drei ineinander angeordneten Becken, die zum Zentrum der Anlage stets um einige Zentimeter ansteigen. Das innerste Becken umschließt einen feinstrukturierten erhöhten Sockel, der aus einer Vielzahl miteinander verbundener aufgehockter ringförmiger Garben besteht. Auf Granitpodesten stehen 16 weibliche Bronze-Skulpturen, die mit Blattgold bedeckt sind. Die Frauenfiguren sind eine Personifizierung der damaligen 16 Unionsrepubliken der Sowjetunion und in typischen Landestrachten gehalten. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion verblasste der Glanz des Geländes zunächst schnell. Es wurde von fliegenden Händlern besetzt, die billige China-Ware anboten. Schmutz und Kriminalität setzten dem Gelände zu.

Doch dann wurde das 325 Hektar große Areal inklusive der Brunnen saniert und feierte 2019 die "Wiederauferstehung" nach jahrelanger Rekonstruktion. "WDNCh ist ein Kultobjekt für Moskau und das Land insgesamt mit seinem schweren Schicksal", sagte damals Bürgermeister Sergej Sobjanin mit Blick auf den Zusammenbruch der Sowjetunion. Lange habe es so ausgesehen, als sei der Schatz verloren. Nun sei er wieder ein Schmuckstück.

Präsident Wladimir Putin hatte den Komplex 2013 der Stadt Moskau übertragen. 2014 begannen Sicherungsarbeiten an einsturzgefährdeten Gebäuden, später dann die vollwertige Sanierung. 100 Ausstellungen und 350 Kongresse werden dort jedes Jahr abgehalten. Auf dem Gelände liegen übrigens auch Europas größtes Aquarium mit Walen und Haien und eine riesige interaktive Raumfahrt-Dauerausstellung. Die Moskauer und ihre Gäste haben das Gelände mit dem schönen Brunnen angenommen. Jung und Alt flanieren durch die gepflegten Anlagen, junge Leute zeigen auf Skateboards ihr Können. (MQU/dpa)

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