Welche Pflanze hat solche stachligen Früchte?

Im Garten meines Opas nahe bei Chemnitz wächst unter der Futterstelle für Singvögel eine Pflanze, die wir nicht bestimmen können. Vielleicht kannst Du mir helfen. Ich sende Dir zwei Bilder als Anhang mit. (Diese Frage hat Adrian Dietzsch aus Kusterdingen (Baden-Würtemberg) gestellt.)

Onkel Max muss an dieser Stelle mal eins zugeben: Eine besondere Koryphäe in Sachen Botanik ist er nicht. Glücklicherweise hat er einen sehr versierten freien Mitarbeiter, an den er vertrauensvoll solcherlei Fragen weitergeben kann. Aber als Onkel Max Ende Oktober diese per E-Mail an ihn gerichtete Frage las und dann eines der Bilder geöffnet hatte, erkannte er dann doch, was er da sah, weil er es aus dem eigenen Garten kennt. Er kann sich nicht erinnern, je so schnell zum Telefonhörer gegriffen zu haben, um den Fragesteller zu informieren, was da bei seinem Opa wächst - und mutmaßlich bei vielen weiteren Lesern der "Freien Presse". Ja, Onkel Max alarmierte bereits der Umstand, dass es offenbar Menschen gibt, die einen Garten ihr Eigen nennen, aber diese Pflanze nicht kennen.

Deswegen erscheint jetzt dieser Beitrag, obwohl die Gartensaison für dieses Jahr so gut wie rum ist. Aber dieses Gewächs sollte man sich gut merken: Beim Träger dieser merkwürdigen stachlig-ovalen Früchte und der markant eingeschnittenen Blätter handelt es sich um den Stechapfel. Eine Pflanze, die praktisch in jedem ihrer Bestandteile in höchstem Maße giftig ist. Schon die umgangssprachlichen Bezeichnungen für die Pflanze zeigen auf, wohin die Reise geht: Schlafkraut, Hexenkraut, Tollkraut und Teufelsapfel wird die Pflanze genannt, die in relevanten Konzentrationen Atropin, das Gift der Tollkirsche, Scopolamin sowie Hyoscyamin enthält. Als Wirkungen dieses Giftcocktails nennen Fachleute Hautreizung, Verwirrtheit, Unruhe, Sehstörungen, Krämpfe, Tobsuchtsanfälle und den Tod durch Atemstillstand. Der Stechapfel, vor allem seine Samenkerne, enthält hochwirksame psychogene Substanzen, die selbst bei Einnahme in geringer Dosis zu schweren Halluzinationen bis hin zum sogenannten Horrortrip führen können.

Positiv ist an der weiß blühenden Pflanze eigentlich nur anzumerken, dass sie einjährig ist. Bedeutet: Wenn man sie rechtzeitig mit Stumpf und Stiel aus dem Garten entfernt (Schutzhandschuhe und Augenschutz tragen!) und dann alle Pflanzenteile sicher entsorgt (natürlich nicht auf den Komposthaufen!), kommt sie auch nicht wieder. Das passiert nur, wenn sie sich bereits vorher über ihre geöffneten Samenkapseln ausgesät hat. Vor allem in Gärten, die spielende Kinder oder frei laufende Haustiere beherbergen, hat diese Pflanze nichts zu suchen! (tk)

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