Wie redet man einen Arzt an, der nicht promoviert hat?

Einen promovierten Arzt redet man meist mit "Herr Doktor" an, das ist allgemein bekannt. Wie spricht man aber einen Arzt an, der ein Diplommediziner (Dipl.-Med.) ist, und demnach nicht promoviert hat? (Diese Frage hat Klaus Weißbach aus Sehmatal-Sehma gestellt.)

Auch wenn in der deutschen Umgangssprache der "Doktor" praktisch zum Synonym für einen Arzt jeglicher Fachrichtung geworden ist - sachlich richtig ist das nicht. Nicht jeder Arzt ist ein Doktor, manche sind Diplommediziner und andere noch nicht einmal das. Und wer nicht durch das Verfassen und Verteidigen einer Promotionsarbeit nach eigener wissenschaftlicher Tätigkeit in den Besitz einer Promotionsurkunde gelangt ist, darf sich auch nicht "Doktor" nennen lassen. Aber wie dann? Die Sächsische Landesärztekammer (SLÄK) hat Onkel Max Auskunft gegeben: "Ein Arzt ohne ,Dr.' ist einfach Herr Müller", teilt Knut Köhler von der Pressestelle der SLÄK mit. "Dipl.-Med.", so Köhler weiter, sei kein verliehener Titel, sondern ein Studienabschluss, der bei der Anrede nicht erwähnt wird - ähnlich wie "Dipl.-Ing.". Verwende ein Arzt den Titel "Dr." oder "Dr. med.", obwohl er diesen Titel nicht hat, dann mache er sich strafbar.

Dieses Delikt ist im Strafgesetzbuch unter den "Straftaten gegen die öffentliche Ordnung" klassifiziert. Laut Paragraf 132a StGB Absatz 1 Satz 1 wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe belegt, wer unbefugt "inländische oder ausländische Amts- oder Dienstbezeichnungen, akademische Grade, Titel oder öffentliche Würden führt". Derselbe Paragraf schützt im Übrigen in Absatz 1 Satz 2 auch die reinen Berufsbezeichnungen Arzt und Zahnarzt, die strafrechtlich damit denselben Stellenwert haben wie Psychologischer Psychotherapeut, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, Psychotherapeut, Tierarzt, Apotheker, Rechtsanwalt, Patentanwalt, Wirtschaftsprüfer, vereidigter Buchprüfer, Steuerberater oder Steuerbevollmächtigter.

Nun kommt es immer mal wieder vor, dass eine Sprechstundenhilfe am Telefon ihren Arbeitgeber als "Doktor" tituliert, obwohl der gar keiner ist. Etwa, indem sie sich am Telefon "Praxis Dr. Mustermann" meldet. Da wiederum greift nur das Arbeitsrecht, so Köhler: "Verwendet eine Angestellte (Sprechstundenhilfe) eines Arztes den Titel, obwohl der Arzt diesen Titel nicht hat, dann haftet der Arzt nur, wenn er seine Pflichten als Arbeitgeber verletzt hat. Ein Arzt sollte seinen Angestellten die Verwendung des Titels untersagen. Hält sich eine Angestellte nicht daran, kann nur der Arzt dagegen vorgehen."

Ganz kompliziert werde es schließlich mit Doktortiteln aus anderen Ländern, ergänzt Köhler: "Das sind sogenannte Berufsdoktorate. In Österreich erhält jeder Absolvent der Medizin automatisch den Titel ,Doktor', während man in Deutschland dafür eine eigene Promotionsarbeit (Forschungsarbeit) schreiben und an der Universität verteidigen muss. Deshalb verwendet die Sächsische Landesärztekammer diese Berufsdoktorate nicht." (tk)

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