Wie viele Hubschrauber hatte die Volkspolizei?

Im Vorspann alter Folgen der DDR-Fernsehserie "Polizeiruf 110" ist ein Hubschrauber der Volkspolizei zu sehen. Wie viele dieser Hubschrauber besaß eigentlich die Vopo, wo kamen diese zum Einsatz, und wo waren sie stationiert? (Diese Fragen hat Albrecht Kalusche aus Zwickau gestellt.)

Sie sprechen von den Hubschraubern sowjetischer Bauart des Typs Kamow Ka-26, die in der DDR ab 1970 im Einsatz waren, dort jedoch zunächst mit den ersten Exemplaren unter der Ägide der Interflug-Sparte Wirtschaftsflug als Agrarflieger. Die Deutsche Volkspolizei (VP) stellte ihren ersten Hubschrauber dieses verglichen mit heutigen Helikoptern ziemlich knuffigen Typs mit dem markanten Doppelrotor am 14.April 1973 in Dienst. Er trug die Kennung DM-VPD. Zwei weitere folgten am 10.Mai und 22. November 1974 mit den Kennungen DM-VPR und DM-VPK. Ersterer hat deutschlandweit Berühmtheit durch sein Erscheinen im vierten komplett neu gestalteten Vorspann des "Polizeiruf 110" erlangt - aber auch das erst relativ spät. Der Vorspann wurde erstmals 1981 der Folge 69 der Serie, "Der Teufel hat den Schnaps gemacht", vorangestellt und zeigt das Fluggerät einmal kurz beim Starten und am Schluss des Vorspanns beim Landen. Die kaum eine Sekunde lange Startsequenz fehlt in späteren Versionen, die Landesequenz blieb bis 1990 insgesamt 80Folgen lang drin. Zusätzlich zu den drei Ka-26 stellte die Volkspolizei ab 1983 zwei Hubschrauber vom Typ Mil Mi-2 in Dienst.

Nach Recherchen von Onkel Max hatte die Hubschraubereinheit der VP ihren Sitz in Diepensee unweit des Flughafens Berlin-Schönefeld. Das Dorf Diepensee existiert heute nicht mehr, zumindest nicht an seinem ursprünglichen Standort: Dort wartet seit mehreren Jahren der Flughafen Berlin-Brandenburg darauf, fertiggestellt und in Betrieb genommen zu werden.

Wozu benutzte die VP ihre Hubschrauber? Sie dienten zur Verkehrsüberwachung der Autobahnen und Transitstrecken, Suchflügen bei Fahndungen, Kontrollflügen bei Großveranstaltungen und Fotoflügen. Die Maschinen wurden mit zwei Außenlautsprechern ausgerüstet und konnten auf diese Weise auch zur (zugegeben einseitigen) Kommunikation mit größeren Menschenmengen oder Flüchtigen eingesetzt werden. Der VP-Hubschrauber DM-VPD stürzte am 5. Dezember 1980 bei Bad Düben ab, die beiden verbliebenen Ka-26 erhielten 1981 im Zuge einer internationalen Vereinheitlichung die Kennung "DDR" statt DM. Die Maschinen erreichten eine Spitzengeschwindigkeit von 170 Kilometern pro Stunde und konnten bis auf 3000 Meter steigen.

Der prominente "Polizeiruf"-Helikopter diente nach der Wiedervereinigung und der Aufteilung der VP in die Polizeien der neu gegründeten Bundesländer noch bis 1995 unter Kennung D-HZPT bei der Polizei Sachsen und gehört jetzt zur historischen Sammlung der Polizei Sachsen-Anhalt. DM-VPK wurde von der Polizei Brandenburg übernommen und ist seit 25 Jahren Exponat der privaten Flugausstellung Junior in Hermeskeil in Rheinland-Pfalz. (tk)

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