Wieso konnte Mehl im Schrank offen gelagert werden?

Anfang des vorigen Jahrhunderts gab es Küchenschränke, die mit diversen Schubladen versehen waren. In diesen Schubladen wurden Mehl, Zucker und ähnliches offen gelagert. Dies war meines Wissens ohne Schaden für das Lagergut, etwa durch Mehlwürmer, nur möglich, da ein besonderes Holz für den Bau dieser Schränke verwendet wurde. Was war dies für Holz oder wurde zusätzlich noch ein mehlwurmabweisendes Holzschutzmittel verwendet? (Die Frage stellte Gottfried-A. Henning aus Lörrach.)

Schubladen aus chemisch behandeltem Holz sind für die Aufbewahrung von Lebensmitteln ausgesprochen problematisch. Wer würde freiwillig Mehl aus einer Schublade essen, die mit Gift behandelt worden ist? Im 19. Jahrhundert und auch noch Anfang des 20. Jahrhunderts wurden daher, wie Eva Ottillinger vom Hofmobiliendepot & Möbelmuseum Wien zu berichten weiß, offen verkaufte Trockennahrungsmittel wie Mehl, Gries, Zucker und Salz in speziellen Behältern aus Keramik, Porzellan oder auch Glas aufbewahrt. "Als sich dann im 20. Jahrhundert diverse Spezialhersteller für Küchenschränke herausbildeten und Architekten wie Margarete Schütte-Lihotzky spezielle Küchenmöbel zu entwerfen begannen, wurden Küchenschränke mit eingebauten Schütten aus Aluminium oder Glas, nach dem Zweiten Weltkrieg auch aus Kunststoff entworfen", so die österreichische Kunsthistorikerin. Die Schütten befanden sich zwar im Holzschrank, waren selbst aber nicht aus Holz. Sie sind quasi "verformte" Schubladen, die vorn einen Griff haben und nach hinten spitz zulaufen.

In der Zeit des "Wirtschaftswunders" waren die Schütten dann erst mal aus dem Rennen, weil Lebensmittel überwiegend abgepackt eingekauft wurden. Heute allerdings ist das Einkaufen ohne unnötige Verpackung wieder im Trend, weswegen junge Designer wieder Gefäße für die Küche entwerfen. So werden beispielsweise auch in Möbelhäusern Aufbewahrungsgläser etwa für Nudeln und Reis angeboten. (jzl)

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