Wo blieb der Bergmann von Zwickaus Bahnhof?

Gegenüber dem Haupteingang des Hauptbahnhofs Zwickau stand in den späten 30er-Jahren zwischen zwei noch existierenden Rondellen auf einer hohen Säule eine Bergmannsstatue. Sie bestand vermutlich aus Bronze. Es wird gesagt, dass der Bergmann die Ankömmlinge vorm Bahnhof bedrohe, da er eine Spitzhacke in der erhobenen rechten Hand hielt. Wann wurde er entfernt? (Diese Frage hat Joachim Stark aus Zwickau gestellt.)

In dem 1992 erschienenen Buch "Zwickau, so wie es war", an dem auch die heutige Leiterin der Zwickauer Unteren Denkmalschutzbehörde, Steffi Haupt, beteiligt war, heißt es: "Am 27. Mai 1938 wurde das ,Denkmal der Arbeit' auf dem Bahnhofsvorplatz eingeweiht. Stifter war der Zwickauer Verleger Horst Kausche, geschaffen hatte es der Dresdner Bildhauer Hermann Raddatz. Es stellte einen Bergmann aus Bronze, in damals üblicher Pose auf einer hohen obeliskähnlichen Steinsäule stehend, dar."

Bei Wikipedia steht zwar, die Plastik habe den Nazis als "entartet" gegolten und wurde deshalb 1943 eingeschmolzen. Aber bei ihrer Enthüllung, die wohl kaum ohne Beteiligung lokaler NS-Honoratioren stattfand, war die Kampagne gegen "Entartete Kunst" bereits im vollen Gange. Das passt nicht. Solcherart verfemte Kunst bekam zu dieser Zeit keinen Platz mehr im öffentlichen Raum, und die Statue sieht auch nicht danach aus. Man darf vielmehr davon ausgehen, dass die Bronze der eingeschmolzenen Statue für Waffen gebraucht wurde - wie auch die zahlloser Kirchenglocken aus ganz Deutschland. Das Denkmal selbst sollte vermutlich den Bahnhofsvorplatz in "völkischem" Sinne ästhetisch aufwerten, wies das ab Mai 1933 errichtete, 1936 eingeweihte Gebäude des Zwickauer Hauptbahnhofs im Entwurf von Reichsbahnbaurat Otto Falck doch Züge moderner Architektur auf, wie sie auch aus dem von den Nazis verhassten Bauhaus kamen. (tk)

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