Woher kommen die Wörter Esse, Schlot & Co.?

Welche Sprachwurzeln haben die sehr unterschiedlichen, jedoch dasselbe Ding bezeichnenden Wörter "Esse", "Schornstein" und "Schlot"? (Diese Frage hat Andreas Röhr aus Plauen gestellt.)

Damit wir für den deutschen Sprachraum in dieser Frage komplett sind, füge ich noch den "Kamin" hinzu sowie den vor allem in Österreich heimischen "Rauchfang", den wir gleich als selbsterklärend und damit erledigt betrachten können.

Ausweislich des "Atlas zur deutschen Alltagssprache", eines auf Umfragen basierenden Projektes mehrerer europäischer Universitäten, ist die Variante "Esse" fast ausschließlich in Sachsen heimisch. Für eine Montanregion vielleicht kein Zufall: Das Wort geht auf das althochdeutsche "essa" zurück, womit der "Herd des Metallarbeiters" gemeint war. Charakteristisch für einen solchen war, dass es sich um eine offene Feuerstelle mit Abzug und zusätzlicher Luftzuführung handelte. Heute ist damit nur noch der Rauchabzug gemeint - ein Beispiel dafür, wie sich der Name eines komplexen, aus mehreren technischen Komponenten bestehenden Gebildes auf die Bezeichnung eines Teils davon reduziert. "Totum pro parte" nennt man das in der Rhetorik - "das Ganze steht für einen Teil". Demselben Muster folgt der vor allem in Südwestdeutschland heimische Begriff "Kamin". Für die meisten Schweizer deutscher Zunge ist er übrigens "das Kamin". Auch damit kann selbst dann ein Schornstein gemeint sein, wenn untendran keine behagliche, offene Feuerstelle hängt, sondern ein ganzes Kraftwerk. Dabei handelt es sich um ein Lehnwort aus dem Lateinischen "caminus" und Griechischen "kaminos", die eine Feuerstelle bezeichnen.

Der vor allem in Südthüringen, Nordbayern und Hessen gebräuchliche Begriff "Schlot" wiederum ist ein Beispiel für eine Wortbildung "Pars pro toto" - "ein Teil steht für das Ganze". Denn mit dem mittelhochdeutschen "slāt", "schilfrohrartiges Rauchloch", war eigentlich nur der Hohlraum als solcher gemeint und nicht so sehr dessen Ummauerung.

Als Wort am meisten verbreitet wiederum ist der "Schornstein" - ein Wort, das praktisch in ganz Deutschland verstanden wird. Es leitet sich vom althochdeutschen "scorrenstein" her, der ursprünglich wohl die Bedeutung eines den gesamten Rauchfang aufrecht haltenden "Stützsteins" hatte. Das althochdeutsche Verb "scorrēn" bedeutete so viel wie "herausragen", "emporragen". Schließlich wurde auch der Begriff "scorrenstein" für die ganze Feuerstelle verwendet. (tk)

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