Woher kommt der Hans Dampf in allen Gassen?

Oft sagt man von einem, der überall mit dabei ist, er sei ein "Hans Dampf in allen Gassen". Woher kommt diese Redewendung? (Die Frage stellte Christoph Haase aus Chemnitz.)

In der alltäglichen Sprache bezeichnen wir häufig einen Menschen, der in vielen Bereichen aktiv ist und so ziemlich alles macht, überall und nirgends so richtig zu Hause ist, als Hans Dampf in allen Gassen. Das kann positiv, aber auch negativ gemeint sein. Allzu vielseitige Aktivität ist nicht immer gut, kann sie doch zu Oberflächlichkeit führen. Von daher erscheint es als logisch, dass bereits im "Deutschen Schimpfwörterbuch" von Joseph Eselein aus dem Jahre 1840 unser Hans Dampf angeführt ist.

Älter als Hans Dampf in allen Gassen ist der "Hans in allen Gassen". Er ist bereits bei dem Reformator Johannes Agricola (1494 bis 1566), einem Freund Martin Luthers, zu finden. Agricola beschreibt einen Menschen, den er selbst für sehr oberflächlich hielt: "Er ist Hans in allen Gassen. Ein Stein, den man hin und wieder wälzet, bewächst selten, also lernet nichts redliches. Denn der in allen Gassen wohnet, der wohnet übel." Auch der Schriftsteller Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen (1622 bis 1676) nennt ihn in seinem "Simplicius Simplicissimus". Dort lesen wir von einem Doktor Hans in allen Gassen. Die Ergänzung "Dampf" verdanken wir dabei dem Schriftsteller Heinrich Zschokke, der 1771 in Magdeburg geboren wurde, aber seit 1796 in der Schweiz lebte. Im Jahre 1814 erschien von ihm eine Erzählung mit dem Titel "Hans Dampf in allen Gassen". Held in ihr ist eben dieser Hans, Sohn des Bürgermeisters in Lalenburg. Bei Zschokke lesen wir: "Nun eben begann die glänzendste Epoche im Leben des großen Hans Dampf, oder vielmehr wie ihn die Zeitgenossen zu nennen beliebten, Hans Dampf in allen Gassen. Denn er ward die Seele von ganz Lalenburg; steckte überall; kam überall in die Quere; verzettelte und entzettelte alles links und rechts, ohne es zu wissen oder zu wollen; wo man liebte, war Hans Dampf; wo man zankte, war Hans Dampf; wo etwas schief ging, war Hans Dampf; wo ein Geheimnis in aller Welt Wissen kam, war Hans Dampf der erste Helfer."

Nach Röhrig, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten, sieht jedoch die Stadt Gotha den Hans Dampf als ihren Bürger an, er soll im 19. Jahrhundert dort gewohnt und gewirkt haben. Verewigt wurde er in einem 1846 anonym erschienenen Gedicht zum Thema Thüringer Eisenbahn, wo es in einer Strophe heißt: "Nun kommt auch Hans George, genannt der Hans Dampf, hat Abschied genommen, überstanden den Kampf." Lange Zeit gab es in Gotha auch ein Restaurant mit dem Namen "Hans Dampf". Diese Bezeichnung für Gaststätten ist allerdings nicht unüblich. Ursache dafür ist wohl aber die Assoziation mit dem Kochen, die bei "Dampf" hervorgerufen wird. (rge)

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