Wurden Atombomben auf die Antarktis geschossen?

Warum wurden am 27.8. und 30.8. und 9.9.1958 vom US-Militär sowie auch nach dem internationalen Antarktis-Vertrag Atomraketen auf die Antarktis abgefeuert? (Diese Frage stellte Stefan Hering aus Zwickau.)

Die meiste Zeit der Erdgeschichte war die Antarktis "Terra Incognita". Die Entdeckung des Kontinents begann erst vor etwa 200 Jahren. 1957 und 1958 gab es ein internationales Forschungsjahr in der Antarktis. Basierend auf den Ergebnissen des Forschungsjahres setzten sich zwölf Staaten aus Ost und West zusammen und einigten sich darauf, die Antarktis zu schützen. Und das mitten im Kalten Krieg! Ein entsprechendes Vertragswerk wurde 1959 ausgehandelt und unterzeichnet. In den folgenden Jahrzehnten kamen Übereinkommen zum Schutz der antarktischen Robben und der lebenden Meeresschätze der Antarktis hinzu. So darf auf der größten Wildnis der Erde kein Militär stationiert, kein Müll gelagert werden. Auch vor Überfischung ist die Antarktis geschützt. Nur Forschern und Touristen ist ein Besuch in der Antarktis erlaubt.

Atomwaffentests hat es also nach 1959 nicht gegeben. Alles andere hätte einen Aufschrei der Weltgemeinschaft befördert, und es gibt regierungsunabhängige Organisationen wie Greenpeace, die sehr genau darüber wachen, ob die Verträge auch eingehalten werden. Und vor 1959? Von August bis September 1958 testeten die USA nahe der Gough-Insel mit dem Argus-Experiment die Möglichkeit, mittels Atombombenexplosionen in großer Höhe (200 bis 540 km) künstliche Strahlungsgürtel zu erzeugen. Die Gough-Insel im Atlantischen Ozean liegt zwar sehr weit südlich, aber immer noch über 3900 Kilometer nördlich der Antarktis. Es hat hier also nie Atombomben-Abwürfe beziehungsweise -tests gegeben. Dies wäre für die Zeit nach 1963 mit dem Verbot von überirdischen Tests auch verboten gewesen, wenngleich China und Frankreich nie dem entsprechenden Vertrag beigetreten sind. Der letzte überirdische Test soll 1980 unter chinesischer Verantwortung auf dem Gebiet der Volksrepublik stattgefunden haben.

Allerdings stößt man im Internet gelegentlich auf Gerüchte, dass die USA in den späten 1940er-Jahren sowie in den späten 1950er-Jahren Nuklearsprengköpfe in der Antarktis gezündet haben sollen, um angeblich versprengte Einheiten der Deutschen Wehrmacht aufzuspüren und zu beseitigen. Ernsthafte Belege gibt es dafür freilich nicht. (MQU)

00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.