Ehrfurcht? Julius Reinhardt freut sich auf Hit gegen Kaiserslautern

Der 1. FC Kaiserslautern war letztmals 1997/98 Deutscher Meister. Inzwischen ist der Traditionsclub hart in der 3. Fußball-Liga gelandet. Das Team steht am Sonntag in Zwickau schon mit dem Rücken zur Wand.

Zwickau.

Mucksmäuschenstill sei es keineswegs im Bus auf der Rückfahrt von Jena, wo es am Montag die erste Saisonniederlage für den FSV Zwickau setzte, gewesen. Im Gegenteil. "Da hatte sich ja ziemlich Wut angestaut", sagt Julius Reinhardt. Der defensive Mittelfeldspieler wirkte gestern vor dem Training gewohnt ruhig und gelassen. "Sicher sind wir innerlich alle noch ein bisschen aufgeregt wegen des unberechtigten Elfmeters. Aber ich hoffe, dass wir diese Emotionen am Sonntag bündeln können", meint der Profi mit Blick auf eines der Highlights in dieser Saison. Denn ab 13 Uhr gastiert dann der große 1. FC Kaiserslautern auf dem Berg in Eckersbach.

Auch Toni Wachsmuth hat den Blick längst wieder nach vorn gerichtet. Auf die Frage, ob das Negativerlebnis für einen Knacks in der Mannschaft sorgen könnte, überlegt der FSV-Kapitän kurz: "Das glaube ich nicht. Aber das hört sich immer so einfach an. Entscheidend ist doch, dass man es auf dem Platz sieht."

Auf diese Reaktion hofft selbstredend auch Joe Enochs. Der Cheftrainer der Zwickauer schwang mit seinen Männern in dieser Woche auch mal den Golfschläger und hatte sich schon nach dem Derby in Jena klar in Richtung Schiedsrichterleistung positioniert. "Wir sind als Zwickau nicht der Verein, der über Benachteiligungen jammert. Ich möchte es aber trotzdem ganz klar sagen, dass uns mit der Partie in Braunschweig bereits drei Punkte geklaut wurden", sagte Enochs: "Aber jetzt schauen wir nur noch nach vorn." Was drei Punkte mehr oder weniger am Ende einer Spielzeit unter Umständen bedeuten können, lässt sich in dieser ausgeglichenen Liga leicht ausmalen. Doch in eine bedrohliche Lage will der FSV erst gar nicht kommen.

Die "Probleme" der Zwickauer hätten die Pfälzer mit Blick auf die Tabelle - der FSV (6:4 Tore/8 Punkte) ist 8., Lautern 16. (3:5/5) - sicher auch gern. Der Zweitligaabsteiger steht schon am 6. Spieltag mit dem Rücken zur Wand. Aufgrund von finanziellen Zwängen sind die Pfälzer fast zum Aufsteigen verdammt. Doch auf dem Betzenberg wird bereits heftig über die Ablösung von Trainer Michael Frontzeck debattiert. Nicht ausgeschlossen ist, dass der 1. FCK bei einer Niederlage mit Blick auf die folgende Länderspielpause den Chefcoach absetzt. Der 54-jährige Frontzeck weiß, dass trotz des großen Umbruchs in der Mannschaft nach dem Abstieg nur schnelle Erfolgserlebnisse helfen. Und immer noch waren und sind die Voraussetzungen im Verein im Vergleich zum FSV Zwickau nicht schlecht. Der Kader wurde mit einem Topbudget der 3. Liga von 5,5 Millionen Euro (FSV: rund 1,9 Millionen) zusammengestellt. Zu den Heimspielen auf dem "Betze" gegen 1860 München (1:0), Münster (1:2) und Karlsruhe (0:0) kamen 41.324, 22.881 und 27.343 Zuschauer.

Die Erwartungshaltung und der Aufstiegsdruck können allerdings auch lähmend wirken. Doch Joe Enochs erwartet keine verunsicherte Mannschaft im Zwickauer Stadion. "Es ändert ohnehin nichts an unserer Spielweise. Wir wollen früh pressen und den Gegner so möglichst weit von unserem Tor weghalten", nennt er die Herangehensweise. Trotz des 1:2 in Jena gibt es viele positive Aspekte, die Zwickau übermorgen mit in die Partie nimmt. Julius Reinhardt ist jedenfalls von der Leistungsstärke der Mannschaft überzeugt: "Wir haben eine unglaubliche Stimmung und Mentalität. Das spürt man in jedem Training." Und er sieht auch gar keinen Grund, im Duell gegen den Deutschen Meister von 1998 (damals mit dem Chemnitzer Michael Ballack und Coach Otto Rehhagel) in Ehrfurcht zu erstarren. Die Sensationssaison, als Aufsteiger Kaiserslautern Meister wurde, ist eben 20 Jahre her. Reinhardt liebäugelt jedenfalls mit einem vollen Stadion und vielen Fans aus der Pfalz: "Der Respekt ist sicher da. Aber ein namhafter Gegner soll doch Freude bereiten."


Bryan Gaul am Knie operiert

Defensivspieler Bryan Gaul fällt längerfristig aus. Der Neuzugang hatte sich in der Vorbereitung Ende Juni einen Innenbandriss im Knie zugezogen. Nach einer planmäßigen MRT-Kontrolluntersuchung wurde nun festgestellt, dass der gewünschte Heilungsverlauf nicht eingetreten ist. Deshalb wurde vergangene Woche ein operativer Eingriff im Heinrich-Braun-Klinikum durchgeführt. Die weitere Rehabilitation wird voraussichtlich einen Zeitraum von zwölf Wochen beanspruchen.

Stürmer Fabian Eisele hat den FSV verlassen. Der ursprünglich bis Sommer 2019 laufende Vertrag wurde laut Vereinsangaben auf Wunsch des 23-Jährigen mit sofortiger Wirkung aufgelöst. In dieser Saison kam Eisele nicht zum Einsatz.

Voraussichtliche Aufstellung: Brinkies - Barylla, Wachsmuth, Antonitsch, Lange - Reinhardt, Frick - Bickel, Könnecke, Miatke - König.

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