FSV Zwickau nach Gala-Auftritt im sicheren Hafen

Zwickau spielt eine weitere Saison in der 3. Fußball-Liga. Vorbehaltlich, dass der Verein die Lizenz erhält. Das 5:2 gegen 1860 München stand exemplarisch dafür, wie der FSV wieder mal mit einfachen Mitteln viel erreichte.

Zwickau.

Um 15.51 Uhr lagen sich am Samstag die Spieler, Trainer, Betreuer und Sympathisanten des FSV Zwickau in den Armen. Anschließend hüpften sie wie in den vergangenen fünf siegreichen Heimspielen im Kreis, bevor es auf die Ehrenrunde zu den Fans ging. Mittendrin der Mann des Tages: Davy Frick. Der Mittelfeldspieler hatte bei der 5:2-Gala gegen 1860 München und dem damit eingetüteten Klassenerhalt zwei Tore erzielt und strahlte übers ganze Gesicht. "Ich bin einfach nur stolz auf mich, auf die Mannschaft und den Verein. Endlich können wir sagen, dass wir es geschafft haben. Und ich bin jetzt schon heiß auf die neue Saison", schwärmte der 29-Jährige und ließ seinen Glücksgefühlen freien Lauf: "Wenige haben uns das zugetraut. Umso schöner, dass wir den überheblichen Leuten den Mund schließen k0nnten. Wir werden ja oft als Mannschaft gesehen, die nicht Fußball spielen kann. Komischerweise punkten wir dann trotzdem."

49 Zähler sind es nunmehr. Die magische 50 haben sich die Profis von Trainer Joe Enochs als internes Ziel auf die Fahnen geschrieben. Nach der Sause in der Nacht zu Sonntag gab es zwei freie Tage. Ab Dienstag fordert der Coach die volle Konzentration auf die abschließenden Ligapartien in Großaspach und daheim gegen Preußen Münster sowie das zweite noch anstehende Saisonziel: der erstmalige Gewinn des Sachsenpokals, der am 25. Mai beim Chemnitzer FC geholt werden soll.

Dann benötigt der FSV wieder einen treffsicheren Davy Frick. Bei dessen Auswechslung gab es am Samstag stehende Ovationen vom Publikum. Dabei stand Fricks überragendes Spiel exemplarisch dafür, wie der gebürtige Thüringer auf dem Rasen tickt und wie der FSV sportlich zum dritten Mal in Serie den Klassenverbleib in der 3. Liga erkämpft hat. Bereits in der 7. Minute sah Frick von Schiedsrichterin Riem Hussein die Gelbe Karte. Es war bereits der 14. Karton des temperamentvollen Spielers in dieser Saison. Früher wäre der 1,86-m-Hüne, der kaum einen Zweikampf scheut, mit dieser frühen Verwarnung vermutlich vorzeitig vom Platz geflogen. Doch mit seinen beiden Toren entpuppte sich Frick am Ende als Mann des Tages. Als Zeichen der Anerkennung durfte er im hüpfenden Spielerkreis in der Mitte den Ton angeben. Vor allem, wie er beim ersten Treffer nicht blindwütig mit Schmackes, sondern cool und präzise per Weitschuss den Ball ins Eck beförderte, war allein das Eintrittsgeld wert. "Beim zweiten Tor hatte ich einfach Glück, dass mir der Ball an den Kopf sprang", gab er lächelnd zu. Vorausgegangen war bei Schneefall und einem Grad Celsius ein Fehler von 1860-Keeper Marco Hiller nach einer Ecke.

Dieses 4:2 stellte die Weichen endgültig auf Sieg. Und auch am wichtigen 2:1 war Frick beteiligt. So wälzte er sich nach einem Zweikampf (so es einer war) mit Romuald Lacazette im Strafraum - und dies mit schmerzverzerrtem Blick auf sein sensibles Körperteil im Schritt. Frau Hussein pfiff zum erlösenden Elfmeter. "Ich habe mir die Szene in zehn verschiedenen Zeitlupen angeschaut und konnte kein Foul erkennen", beschwerte sich Löwen-Trainer Daniel Bierofka über die Unparteiische.

Während der 90 Minuten wirkte der Coach allerdings ziemlich ruhig, was die Kommunikation mit seinen Spielern anging. Denn die ließen sich weitestgehend nur auf den verbalen Kampf mit der Schiedsrichterin und nicht auf den zwischen Männern auf dem Rasen ein. Bei den unzähligen Diskussionen vor allem des nach Ansicht der Zuschauer fallsüchtigen Stürmers Sascha Mölders verloren die Münchner ihr Ziel aus den Augen. So spielten die Zwickauer mit mehr Biss als die Löwen. In der Halbzeitpause brachte Ralf Wagner, der Kapitän der Zwickauer Zweitliga-Aufstiegsmannschaft von 1994, das Geschehen auf den Punkt: "Der FSV ist wie wir damals vor 25 Jahren eine verschworene Truppe, die so spielerische Defizite kompensieren kann." Bezeichnend für das Duell mit 1860 München war auch, dass Bierofka seinem Gegenüber Enochs nach dem Match den Handschlag verweigerte, und dass Unverbesserliche im Gästefanblock ein Bengalo nach dem anderen zündeten. So fuhr der namhafte Gegner frustriert nach Hause: Spiel verloren, Geldstrafe in Aussicht und die Rettung bleibt ein Zitterspiel.


Wechselt Torhüter Johannes Brinkies zu Dynamo Dresden? 

Angeblich ist er bei Zweitligist Dynamo Dresden im Gespräch. Ob Zwickaus Torhüter Johannes Brinkies den FSV Zwickau in Richtung Elbflorenz verlassen wird, wollte der 25-Jährige nach der Partie gegen 1860 aber nicht verraten. "Ich habe noch einen Vertrag beim FSV, alles weitere wird man sehen. Jetzt genießen wir erst mal den Klassenerhalt."

Nach einem klaren Statement fürs Bleiben klang das nicht. Fest steht: Dynamo sucht einen neuen Keeper für seinen in die Bundesliga abwanderungswilligen Markus Schubert. Und die SG Dynamo steht in freundschaftlichem Verhältnis - nicht nur bei den Fans - zum FSV. Die Dresdner halfen jüngst durch ein Benefizspiel mit, dass der Drittligist Lizenzauflagen erfüllen konnte. Es ist also anzunehmen, wenn die SGD Brinkies haben möchte, wird sie ihn bestimmt bekommen. Und dass der FSV eine Ablösesumme gut gebrauchen kann, liegt auch auf der Hand.

Tatsächlich stellt sich aber die Frage, ob der gebürtige Mecklenburger ins Anforderungsprofil der SGD passt. Denn gerade im fußballerischen Bereich, im Spiel des Keepers als letzter Mann, besitzt Brinkies bei aller Stärke auf der Linie noch Reserven. Fest steht auch, dass der Torhüter, der fünf Saisonspiele wegen eines Innenbandanrisses im Knie verpasste, einen großen Anteil am Zwickauer Klassenverbleib hat. Es wird schwer, ihn eins zu eins zu ersetzen. Vielleicht war Joe Enochs auch deshalb am Tag nach der Klassenerhaltsfeier bei einer Spielbeobachtung unterwegs. (tp)


Kommentar: Respekt! 

Der FSV Zwickau hat sein erstes und wichtigstes Saisonziel erreicht. Wenn der Verein bis zum 28. Mai die Bedingungen und Auflagen für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit beim DFB erfüllen kann, sind die Westsachsen weiter auf der Landkarte des deutschen Profifußballs präsent. Seit drei Jahren weist der Verein nach, dass auch mit wenig Geld anspruchsvolle Ziele erreicht werden können. Respekt, dass sich der FSV trotz der Aufstockung auf vier Absteiger zwei Spieltage vor Schluss gerettet hat. Während sich der Verein in Sachen Professionalität und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit nach wie vor schwertut, den Anforderungen der 3. Liga gerecht zu werden, wurde in sportlichen Belangen vieles richtig gemacht. Im Speziellen konnte der FSV vor dieser Saison den Abgang seiner langjährigen Leitfigur Torsten Ziegner gut kompensieren. Mit Joe Enochs holte man einen Trainer, der mit seiner bescheidenen Art und Philosophie, Fußball in erster Linie zu arbeiten, gut nach Zwickau passt.

Enochs tat gut daran, die Achse der gestandenen Profis um Johannes Brinkies, Ronny König, Toni Wachsmuth und Julius Reinhardt zu stärken. Die Führungsspieler im Team gaben den Ton an und nahmen dem neuen Chefcoach viel Arbeit ab. Mit den Zwickauer Tugenden wurden begrenzte Möglichkeiten im spielerischen Bereich wettgemacht. Exemplarisch dafür stand die Partie gegen 1860 München. Was nützt die fußballerisch feinere Klinge, wenn Mannschaft und Trainer im Zusammenspiel leblos wirken und sich der heiklen Lage offenbar nicht bewusst sind? Zwickau kann das egal sein. Die Mannschaft hat abgeliefert. Ihr ist es zu wünschen, dass sich die vom Verein getätigte Budgeterhöhung in Abweichung der beim DFB eingereichten Lizenzunterlagen nicht noch als Bumerang erweist.

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